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Sinnfrage

Wie mächtig ist Musik, Frau Baez?

Erstellt 19.03.10, 21:01h

Im Interview mit Steffen Rüth sprach die US-Sängerin Joan Baez über die Macht der Musik, gesellschaftliche Spannnungen und politisches Engagement. Die Aktivistin setzt sich bis heute für Minderheiten ein.

Joan Baez
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Joan Baez. (Bild: Moderne Welt)
Joan Baez
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Joan Baez. (Bild: Moderne Welt)
Frau Baez, ist Musik heute noch so ein mächtiges und kraftvolles Protestmittel wie in den 60er Jahren?

JOAN BAEZ: Ich denke, es bringt nichts, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu vergleichen oder das eine gegen das andere auszuspielen. Die damalige Zeit war eine besondere Zeit, genau wie die heutige Zeit besonders ist. Ich halte nichts davon, dass alles verklärt wird, was früher passiert ist. Wir brauchten keine neue Flower-Power-Bewegung, die gab es schon. Auch heute können die Menschen viel erreichen, wenn sie sich einsetzen und an ihre Überzeugungen glauben.

Auch, weil die gesellschaftlichen Spannungen nicht mehr so stark sind wie zu Zeiten des Vietnamkriegs?

BAEZ: Nein, nicht deshalb. Ich sehe unsere Gesellschaft keinesfalls auf einem guten Weg. Eher im Gegenteil: Weltanschauungen und alles andere driftet immer noch weiter auseinander, aber ich habe akzeptiert, dass ich nur wenig dagegen tun kann. Meine Macht als Musikerin ist doch sehr begrenzt. Und deshalb genieße ich es, zu den Menschen zu singen, sie dadurch zu aktivieren, zu amüsieren und zu unterhalten. Ich mache das, was ich mache, und fühle mich wohl dabei.

Viele Fans kennen Sie noch von damals. Kommen zu Ihren Konzerten auch junge Leute?

BAEZ: Exakt, das tun sie. Meine Konzerte sind keine Oldieveranstaltungen, dagegen habe ich mich immer gesträubt. Natürlich kommen auch Leute, die sich bei meinen Auftritten an die alten Zeiten erinnern möchten. Doch mir selbst ist ein Leben in der Vergangenheit fremd. Ich freue mich viel mehr darüber, dass viele Teenager mein Schaffen und meinen politischen Aktivismus stark finden und mir nacheifern wollen.

Was wollen Sie der jungen Generation mitgeben?

BAEZ: Dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Dass sie zweifeln, fragen, kritisch sind. So war ich selbst immer. Mittlerweile aber spüre ich den Eifer und den Ernst meiner jungen Jahre nicht mehr so. Der Druck, mich mitzuteilen und Recht zu bekommen, ist nicht mehr da. Als junge Frau konnte ich nicht so leicht loslassen, ich war lange gehemmt.

Sie werden nächstes Jahr 70. Wie halten Sie sich fit?

BAEZ: Ich muss auf mich achten. Ich ernähre mich bewusst und bewege mich viel. Und ich achte darauf, immer viel zu meditieren. Denn Meditation hilft dir, eine junge Einstellung zu behalten. Vielleicht auch deshalb, weil die Buddhisten das Alter nicht fürchten.

Sind Sie Buddhistin?

BAEZ: Nein, auch wenn ich von allen Religionen am stärksten mit dem Buddhismus sympathisiere. Wie die Buddhisten habe ich keine Angst vorm Altwerden, ich freue mich darauf. Meine Mutter ist 96 Jahre alt. Sie lebt bei mir, und ich verbringe so viel kostbare Zeit wie möglich mit ihr. Auch mit meinem Sohn und meiner Enkelin habe ich engen Kontakt. Ich sehe die Familie sehr häufig, denn sie ist das Wichtigste und Kostbarste auf der Welt.

Sie haben als Musikerin und Aktivistin für den Frieden gekämpft. Wie sehr haben Sie persönlich die Welt verändert?

BAEZ: Ich arbeite so hart ich kann. Aber auf diese Frage kann ich unmöglich antworten.



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