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Jedermannrennen

Die Herren der Straße

Von Susanne Rohlfing, 18.03.10, 18:00h

Hobbyrennfahrer lieben es, auf einem für Autos gesperrten Parcours zu fahren. Seit Jahren boomt die Jedermann-Szene, ganz ohne Training ist das Rennen früh vorbei. Am Ostermontag steht die diesjährige Rund-um-Köln-Challenge an.

Rund um Köln
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Jährliches Highlight bei "Rund um Köln": Das Fahrerfeld kämpft sich den Anstieg zum Schloss Bensberg hinauf. (Bild: GI)
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Jährliches Highlight bei "Rund um Köln": Das Fahrerfeld kämpft sich den Anstieg zum Schloss Bensberg hinauf. (Bild: GI)
Die Jedermann-Karriere von Peter Stegmaier begann vor sechs Jahren mit einer Enttäuschung. Er war zu langsam. Die erste Rund-um-Köln-Challenge endete für ihn am ersten Berg. Stegmaier wurde aus dem Rennen genommen, weil er das vorgegebene Zeitlimit um 30 Sekunden überschritten hatte. Diese Radrennen, bei denen sich dem Namen nach jedermann auf seinem Rennrad wie ein Profi fühlen darf, sind eben doch nicht für jedermann geeignet. Ganz ohne Training geht's nicht.

Inzwischen ist Peter Stegmaier ein erfahrener und fitter Jedermann-Rennfahrer. Am Ostermontag wird der 57-Jährige wieder an der Rund-um-Köln-Challenge teilnehmen. Seit ihrer Einführung im Jahr 2004 hat er kein Rennen verpasst - nur 2008 musste er wie alle Teilnehmer, Profis ebenso wie Jedermänner, wegen einer frischen Schneedecke auf den Straßen verzichten.

Das Scheitern beim ersten Mal weckte seinen Ehrgeiz. „Ich hielt mich damals für fit“, erzählt der drahtige Mann. „Ich war ja immer als Jogger unterwegs.“ Auf dem Rennrad sei jedoch eine etwas andere Muskulatur gefragt. „Also habe ich angefangen, regelmäßig zu trainieren“, sagt Stegmaier. Inzwischen legt er 6000 bis 7000 Kilometer pro Jahr im Sattel seines Rennrads zurück. Ein optimaler Ausgleich zum Alltag im Job sei das, sagt Stegmaier, der als Geschäftsführer des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) Köln vorwiegend am Schreibtisch sitzt.

Der ASB ist seit vielen Jahren für den Sanitätsdienst bei Rund um Köln zuständig. Und so kam es, dass Stegmaier seinen ersten Fehlversuch nicht vor den Kollegen geheim halten konnte. „Als ich rausgewunken wurde, fuhr direkt hinter mir einer unserer Wagen“, erzählt er lachend. In diesem Jahr hat er einige Kollegen und Geschäftspartner zur Teilnahme animiert, und so wird der ASB als Team antreten.

Der Boom in der Jedermann-Szene hält nun schon seit einigen Jahren an. Bestes Beispiel ist das Rennen für Hobbyfahrer bei den „Vattenfall-Cyclassics“ in Hamburg, an dem im vergangenen Jahr über 20 000 Radler teilnahmen. Natürlich gibt es nicht nur Jedermänner, sondern auch Jederfrauen, allerdings deutlich weniger. Bei „Rund um Köln“ machen die weiblichen Teilnehmer weniger als zehn Prozent aller Hobbyrennfahrer aus.

Ein besonderer Andrang herrscht beim „Ötztaler Radmarathon“, dem gleichzeitig wohl anspruchsvollsten Eintages-Jedermann-Rennen: Jahr für Jahr müssen die 4000 Startplätze unter rund 13 000 Interessenten ausgelost werden. Von einem solchen Ansturm können die Veranstalter von „Rund um Köln“ bislang nur träumen. Das Profirennen, das 1908 zum ersten Mal ausgerichtet wurde, kann auf eine lange Tradition zurück- blicken, die seit 2004 ausgetragene Jedermann-Challenge jedoch muss sich erst noch etablieren.

Ein Nachteil könnte der frühe Veranstaltungstermin sein. „Ich glaube, wir hätten dreimal so viele Teilnehmer, wenn das Rennen im Herbst wäre“, sagt Wilfried Schneider, der zweite Vorsitzende des ausrichtenden Vereins Cölner Straßenfahrer (VCS). Im Herbst haben die Hobbyradler genügend Trainingskilometer in den Beinen, um sich ein Rennen zuzutrauen. Im Moment aber, zumal nach einem Winter wie diesem, haben die meisten Räder noch kaum Zeit im Freien verbracht. „1000 Kilometer sollte man vor einem Rennen schon gefahren sein“, sagt Peter Stegmaier. Wem das witterungsbedingt nicht gelungen ist, der sollte zumindest ein adäquates Trainingspensum absolviert haben.

Peter Stegmaier liebt das Rennradfahren, weil er dabei größere Kreise ziehen kann als beim Joggen. Und ihm gefällt die technische Komponente. Turnschuhe werden geschnürt und fertig; am Rennrad jedoch lässt sich immer noch eine technische Finesse zur Optimierung finden. Stegmaier nimmt an drei bis vier Rennen pro Jahr teil. Sie sind für ihn die Höhepunkte im Trainingsalltag - Ziele, auf die hin zu arbeiten sich lohnt. Während im Profiradsport am Ende nur zählt, wer gewonnen hat, kämpfen die Jedermänner auch noch um den 600. Platz. „Man arbeitet unterwegs zusammen“, erzählt Stegmaier, „aber das gilt nur bis zur Zielgeraden“. Dann werden noch einmal die letzten Kräfte in den Beinen mobilisiert. Es wird gespurtet, was das Zeug hält. Und die Freude ist groß, wenn es doch noch zu Platz 599 reicht.



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