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Tatort Köln

„Wir sind nicht Max und Freddy“

Erstellt 18.03.10, 18:00h, aktualisiert 19.03.10, 11:26h

Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt kennen viele nur als Kölner Kommissare - dabei leben sie in Berlin. Für die Tatort-Darsteller macht das Lebensgefühl den Charme der Stadt aus. Mit den beiden Schauspielern sprach Silke Offergeld.

Bär und Behrendt
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"Es ist nicht so, dass wir nur zusammenglucken": DIetmar Bär (l) und Klaus J. Behrendt, im Tatort Freddy Schenk und Max Ballauf. (Bild: dpa)
Bär und Behrendt
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"Es ist nicht so, dass wir nur zusammenglucken": DIetmar Bär (l) und Klaus J. Behrendt, im Tatort Freddy Schenk und Max Ballauf. (Bild: dpa)
Herr Bär, Herr Behrendt, Ihr Kölner Kommissar-Duo ist eines der beliebtesten. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sie so gut ankommen?

BÄR Die Mischung macht es, glaube ich. Ich will mich jetzt mit Klaus nicht hinter dieser Stadt verstecken, aber ein Erfolgsrezept der ganzen Reihe - der Tatort an sich wird ja 40 dieses Jahr - ist immer das berühmte Lokalkolorit gewesen.

Sie leben beide in Berlin. Was macht für Sie den Charme von Köln aus?

BEHRENDT Mittlerweile leben einige Freunde hier - und dann ist mein Heimatsender hier, der WDR. Ich bin beim WDR großgeworden und Dietmar auch. Doch, ich kann schon sagen, ich hänge an dieser Stadt.

BÄR Dazu kommt natürlich das Lebensgefühl hier. Ich würde behaupten, das hat auch einen Anteil am Erfolg des Kölner Tatorts - ich kenne eigentlich niemanden, der hierher kommt und sagt: Das ist ganz schrecklich hier. Und gerade weil in der Stadt, in der wir beide leben, in Berlin, ein ganz anderes Klima herrscht, weiß man das zu schätzen - meine Frau sagt zum Beispiel immer, wenn sie hier shoppen war: Mensch, die sind ja alle so freundlich! Man könnte schon überlegen, nach Köln zu ziehen. Aber genau dieses Stückchen Abstand, das ist wichtig. Zu sagen, wir arbeiten hier, wir sind gerne hier, aber wir können uns auch immer wieder zurückziehen

Ist die Popularität der Kommissare manchmal hinderlich?

BEHRENDT Die durchschlagende Wirkung einer Reihe wie dem Tatort, die darf man nicht unterschätzen. Da hat man ja wirklich ein ganz intimes Verhältnis zu den Zuschauern - man ist bei den Leuten im Wohnzimmer zu Gast und erzählt Geschichten, und das tun wir jetzt im 13. Jahr. Dass die Leute einen dann natürlich auch mit „Herr Ballauf“ oder „Herr Schenk“ ansprechen, das darf man ihnen nicht verübeln.

BÄR Aber hinderlich war es noch nicht. Das ist wie in der Bundesliga: Das ist jetzt unser Verein und da gehören wir dazu. Das geht den anderen Tatort-Kollegen genauso. Aber selbst in der Branche sind immer wieder Leute erstaunt, dass wir nicht in Köln leben. Für die sind wir Kölner.

Wie entwickelt sich eigentlich das Verhältnis zu so einer Rolle mit der Zeit? Wenn man über zehn Jahre eine Figur spielt, ist die dann wie ein alter Bekannter, der manchmal ein bisschen nervt?

BÄR Man entwickelt sich ja mit der Figur. Man wird mit der Figur älter - auf der Familienseite der Rolle, die es bei Freddy Schenk ja gibt, ist der Mann mittlerweile Großvater. Diese normale biologische Entwicklung, die nimmt man auch mit in die Rolle.

BEHRENDT Wenn neue Bücher kommen, ist das Spannende die Frage: Wie setzt sich diese Figur mit diesen Stoffen auseinander? Meist sind das ja Stoffe, die sehr polarisieren, es gibt immer ein Pro und Contra, und idealerweise ist es am Montag so, dass die Leute sagen können: „Ich hab die Sichtweise von dem Schenk“ oder: „Ich hab die von dem Ballauf“. Wie man mit der Rolle auf ein Thema zugeht, das macht es interessant.

Sie sind auch im richtigen Leben befreundet.

BÄR Ja, das war sicher einer der Gründe, warum Klaus mich damals gefragt hat, ob ich mitmachen würde beim Tatort in Köln. Vieles hat sich aber natürlich auch entwickelt über die Zeit - und das ist nicht von Nachteil.

BEHRENDT Die Chemie zwischen zwei Figuren muss schon stimmen, wenn man auf eine längere Distanz so ein Projekt stemmen möchte. Wenn man jetzt gar nicht miteinander könnte, dann würde das nicht funktionieren, behaupte ich.

Diese Chemie trägt wahrscheinlich auch zum Erfolg des Duos bei.

BÄR Obwohl wir ja angefangen haben mit einem großen Konfliktstoff: Schenk, der Dienststellenleiter werden will, bekommt Ballauf vor die Nase gesetzt. Das war 1997, inzwischen kann man sicher fast schon sagen: das alte Ehepaar - wobei auch ein altes Ehepaar durchaus Meinungsverschiedenheiten haben kann. Aber so Albernheiten wie „Du hast drei Sätze mehr in der Szene als ich!“ gibt es bei uns eben nicht.

Brauchen Sie eine Pause voneinander, wenn Sie eine ganze Zeit zusammen gearbeitet haben?

BEHRENDT Ich glaube, das ist normal. Wenn wir, wie jetzt gerade, zwei Filme direkt hintereinander gedreht haben, geht jeder erst mal seines Weges. Und dann trifft man sich mal wieder zum Essen, gerne auch mit unseren Frauen - aber es ist nicht so, dass wir nur zusammenglucken, wir haben ja jeder auch unsere eigenen Projekte, und das sind nicht einmal immer Krimis.

Witzigerweise ist es ja so, dass bei Ihnen im echten Leben die Rollenverteilung genau andersherum ist als im Tatort ...

BÄR Na ja, der einsame Cowboy bin ich jetzt nicht. Aber der große Familienmensch von uns beiden, das ist natürlich der Klaus mit seinen fünf Kindern.

Irgendwie reagiert darauf jeder total überrascht, der es zum ersten Mal hört.

BÄR Da wären wir wieder bei der Verwechslungs-Frage: Wir sind nicht Max und Freddy. Wir sind Schauspieler, die eine Rolle spielen. Aber so ist es nun mal, das ist ein Phänomen dieses Formats, das auch mit der unglaublichen Einschaltquote zu tun hat. Da sitzen am Sonntagabend neun Millionen Leute vor dem Fernseher und gucken sich den Tatort an. Das hat eine ganz andere Präsenz als andere Filme oder Serien. Das haben wir auch damals erst begriffen, als wir damit angefangen haben.

BEHRENDT Es gehört zum Job, dass man mit der Rolle verwechselt wird. Das sind dann halt Zuschauer, die sich diese Geschichten immerhin anscheinend gerne anschauen.

BÄR Ich wurde heute Morgen beim Fahrradfahren am Rheinufer freundlich mit „Herr Bär“ begrüßt. Das hat mich fast stutzig gemacht.

Sie stammen beide aus dem Ruhrgebiet und waren bei der Eröffnungsveranstaltung der „Ruhr 2010“ dabei. Was versprechen Sie sich vom Kulturhauptstadtjahr?

BÄR Ich wünsche mir, dass wahrgenommen wird, dass das Ruhrgebiet eine kulturelle Herzkammer Europas ist. So viele Angebote auf so einem kleinen Fleckchen, das ist einzigartig. Dessen muss man sich auch hier im Land bewusst werden, weil im Moment trotz des Kulturhauptstadtjahres eine Dreistigkeit gegen Kultur um sich greift - dieser hirnrissige Gedanke, dass man, wenn man irgendwelche maroden Haushalte sanieren muss, mit der Kultur anfängt. Kaum verlässt eine Person des Welttheaters wie Pina Bausch diese Erde, schon sind sie da und schließen das Schauspielhaus. Das war in Wuppertal so, aber das weckt in anderen Kommunen auch Begehrlichkeiten. Nach 2010 kommt 2011, und es kann nicht sein, dass dann auf einmal alles geschlossen wird. Der Strukturwandel ist ja längst passiert, und jetzt kann man präsentieren, welche Visionen da möglich sind. Hier sind ja schon vor 20 Jahren keine Briketts mehr durch die Luft geflogen, und ich hoffe, dass das hängen bleibt.

Sie drehen gleich wieder an der berühmten Currywurstbude am Deutzer Rheinufer - wo gibt es denn Kölns beste Currywurst?

BÄR Das würde ich nie sagen, da hat jeder seinen eigenen Favoriten. Es gibt einfach Qualität und keine Qualität, und gerade altes Fastfood - und Pommes und Wurst sind klassisches altes Fastfood - kann man ganz toll machen und ganz schlecht. Tollerweise ist die Braterei, die unseren Wagen stellt, wirklich klasse. Da freu ich mich für jeden, der da sonst Kunde ist.

Sind Sie Feinschmecker?

BÄR Ich ernähre mich zumindest sehr bewusst. Zu fast 99,5 Prozent kaufen wir zu Hause im Bio-Laden ein, und ich bin ein bewusster Fleischesser geworden. Ich bin auch - womöglich ist das dem Alter geschuldet - vom westfälischen Pilstrinker zum Freund des Weines geworden, gerade der einheimischen Rot- und Weißweine. Für mich hat das schon mit Lebensqualität zu tun.

Sie, Herr Behrendt, waren mal Restaurantbesitzer.

BÄR Restaurantbesitzer sind nicht automatisch Feinschmecker, das sollte man nicht denken!

BEHRENDT Das ist auch schon Jahre her. Was das Essen angeht - ich glaube, da lebe ich ein bisschen anders als Dietmar. Bei mir gibt es normale Hausmannskost.

BÄR Die gibt's bei uns auch! Wir kochen ja nicht anders, bloß weil wir Bio-Esser sind.

Spontan würde man ehrlich gesagt nicht denken, dass Sie, Herr Bär, derjenige sind, der eher auf seine Ernährung achtet ...

BÄR Da müssen wir mal einen großen Denkfehler ausräumen: Wenn sich jemand bewusst und gut ernährt, dann muss er nicht automatisch aussehen wie ein Hungerhaken. Mir geht es darum, dass ich wissen will, was ich da in mich reinstecke. Eins der besten Beispiele für diese Haltung ist Vincent Klink, ein toller Koch, der auch die Bio-Fahne hochhält. Von ihm stammt der Spruch „Wir müssen den Gürtel weiter schnallen“, den ich sehr gut nachvollziehen kann. Man kann auch von den guten Bio-Sachen einfach zu viel essen.



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