Von Magnus Heier, 22.03.10, 08:27h
In der Untersuchung wurden nun 701 Patienten mit subakuten oder chronischen Rückenschmerzen untersucht. Dann wurden sie per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt und unterschiedlich behandelt. Die eine Hälfte klassisch mit Schmerzmitteln, die anderen mit einer Gesprächstherapie. Mit insgesamt sechs Sitzungen im Beobachtungszeitraum. Das Ergebnis dieser eher unspektakulär klingenden Studie war ganz und gar überraschend: Nicht jenen mit den Schmerzmitteln ging es am Ende besser, sondern denen mit der Gesprächstherapie. Wie kann das sein? Kurzfristig ist natürlich die Spritze die effektivste Behandlung. Mit einem starken Schmerzmittel kann man fast jeden Schmerz durchbrechen. Aber eben nur für den Moment. Danach kommen die Schmerzen wieder und schlimmer noch: Es entsteht eine psychische Abhängigkeit von der Spritze.
Im Gespräch dagegen kann man Patienten ein ganz anderes Verständnis ihrer Schmerzen vermitteln. Eine häufige Vorstellung ist die Idee, man müsse sich bei Rückenschmerzen schonen, um nicht noch mehr kaputtzumachen. Das ist auf fatale Weise das Gegenteil dessen, was sinnvoll wäre: Denn der einzige nachhaltige Weg aus den Rückenschmerzen ist die Bewegung. Sport.
Der zweite fatale Irrtum ist die mechanistische Einschätzung, die Wirbelsäule sei eben „kaputt“. Auch hier ist das Gegenteil der Fall: Die Bilder, die man in Röntgenaufnahmen sieht, haben nichts mit der Schmerzsymptomatik zu tun. Ein Mensch mit einer scheinbar ruinierten Wirbelsäule kann schmerzfrei sein, einer mit jungfräulichen Wirbeln unter Schmerzen leiden. Wer aber seine eigenen, „kaputten“ Wirbel im Röntgenbild gesehen hat, wird Schmerzen bekommen, weil er sie für unvermeidlich hält.
Diese Teufelskreise gilt es zu durchbrechen: Gegen Rückenschmerzen helfen langfristig keine Spritzen, sondern Gespräche.
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