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Hauskauf

Hinter schwedischen Gardinen

Von Hannes Gamillscheg, 20.03.10, 00:44h

Das Eigenheim aus dem Ikea-Sortiment: in „Rosenheim“ wohnt es sich weder fantasievoller noch langweiliger als in anderen Reihenhäusern. Dafür billiger. „Wir haben eben ein standardisiertes Produkt, das überall funktionieren soll“, sagt Sprecherin Magnusson.

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Rund 120 Wohnprojekte von Ikea gibt es bisher in Schweden. Das Konzept würde in ganz Europa funkionieren, gleubt Boklok-Sprecherin Ewa Magnusson. (Bild: dpa)
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Rund 120 Wohnprojekte von Ikea gibt es bisher in Schweden. Das Konzept würde in ganz Europa funkionieren, gleubt Boklok-Sprecherin Ewa Magnusson. (Bild: dpa)
MALMÖ - „Rosenheim“ heißt das Viertel im schwedischen Malmö, doch von Blumenpracht ist jetzt im Winter wenig zu sehen. Kahl und tagsüber verlassen stehen die Häuser aneinander gereiht, und nur das vor der Wohnungstür geparkte Einkaufswägelchen oder das Dreirad nebenan zeigen, dass hier Menschen leben. Boel Jepsson holt gerade die Post: seit die Siedlung 2003 gebaut wurde, wohnt die 77-jährige Rentnerin hier, und sie kann nur das Beste über ihre Erfahrungen sagen: „ruhig ist es, bequem, nette Leute.“ Damals hat sie ein Haus verkauft, das ihr zu groß wurde, und ist umgezogen in die erste Boklok-Siedlung, die es in Malmö gab.

Keine Hasenställe

Boklok, was auf schwedisch „Wohn' klug“ heißt, ist das von Ikea entwickelte Wohnkonzept der preisgünstigen und funktionellen Häuser. Das sorgt nun auch in Deutschland für Aufsehen, weil im April in Auringen und Offenbach die ersten Wohnungen verkauft werden. Was dort auf die Wiese gestellt wird, gleicht den Häusern in Malmö wie ein Billy-Regal dem anderen, auch wenn sie in Schweden vom Ikea-Partner Skanska gebaut werden und in Deutschland von Bien-Zenker: Im Winkel errichtet mit gemeinsamer Grünfläche für die sechs Wohnungen, flache Dächer, Balkon, verschalte Holzfassaden. Selbst den Apfelbaum, den man vor jedes der schwedischen Häuser gepflanzt hat, soll es auch in den deutschen Siedlungen geben. „Nur die Sorte steht noch nicht fest“, sagt Boklok-Sprecherin Ewa Magnusson.

„Hasenställe“ oder „Nachkriegsbaracken“, wie deutsche Kritiker meinten, sind die Boklok-Häuser nicht. Schwedische Architekten haben angeprangert, dass der „Zwang zur Rentabilität die Architektur knickt“. Doch in „Rosenheim“ wohnt es sich weder fantasievoller noch langweiliger als in anderen Reihenhäusern. Dafür billiger. „Wir haben eben ein standardisiertes Produkt, das überall funktionieren soll“, sagt Magnusson. So wie einst Ikea mit Möbeln groß wurde, die sich normale Menschen leisten konnten, versucht es Boklok mit Wohnungen.

Das Projekt war eine Folge der Krisenjahre in den Neunzigern, als man in Schweden reich sein musste, um sich ein Dach über dem Kopf leisten zu können. „Wir wollten beweisen, dass man auch billiger bauen kann“, sagt Ewa Magnusson. Eine Boklok-Wohnung soll sich auch „eine Krankenschwester mit Kind“ kaufen können, rund 100 000 Euro soll die billigste in Offenbach kosten, doppelt so viel das kleinste Reihenhaus in Wiesbaden. „Wir haben ausrechnen lassen, was eine allein erziehende Mutter fürs Wohnen ausgeben kann“, und danach hat man die monatlichen Kosten kalkuliert.“

Als in Schweden 1996 die ersten Häuser verkauft wurden, lagen die Interessenten auf dem Parkplatz vor der Ikea-Filiale zwei Tage lang in Zelten, um einen guten Platz in der Schlange zu ergattern. „Das ging ja nicht, dafür hat die Krankenschwester keine Zeit“, erkannte man. So hat man das Lossystem eingeführt: Jeder willige Käufer gibt seinen Namen ab, und dann wird die Reihenfolge gezogen.

„In der Finanzkrise ging der Verkauf schleppend, aber meistens gibt es mehr Interessenten als Wohnungen“, heißt es bei Boklok. Wer will, kann sich das ganze Haus von Ikea ausstaffieren lassen. Boel Jepsson hat sich die eigenen Möbel mitgenommen, nur ein Ikea-Regal bricht das gediegene Biedermeier. Sie hat eine Wand ihrer Drei-Zimmer-Wohnung niederreißen lassen, jetzt hat sie eine geräumige Zwei-Zimmer-Wohnung. Bei Familie Soraphop haben sie auf gleicher Wohnfläche eine extra Wand hochgezogen. Der 34-jährige Thailänder wohnt mit Frau und zwei Kindern auf 76 Quadratmetern. „Wenn die Kinder groß werden, brauchen wir mehr Platz“, sagt er, „jetzt reicht es noch.“ Nur die feuchten Wände machen ihm zu schaffen. „Da rinnt es durch“, sagt er und klopft auf die Verschalung. Boklok hat das Problem erkannt und beseitigt. Bei den Neubauten, die seit 2005 errichtet wurden, sind die Wände trocken.



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