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Homophobie im Fussball

Alles halb so wild?

Von Hendrik Buchheister, 19.03.10, 19:22h, aktualisiert 19.03.10, 19:24h

Großer Andrang im Deutschen Sport- und Olympiamuseum: Der Fußball-Verband Mittelrhein hatte zum Thema „Homophobie im Fußball“ eingeladen. Und es hörte sich so an, als sei es gar nicht schwer für Schwule und Lesben im Fußball.

Sport & Olympia-Museum
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Die Diskussionsrunde im Sport & Olympia-Museum mit Moderatorin Ulrike von der Groeben (3.v.r.). (Bild: Dahmen)
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Die Diskussionsrunde im Sport & Olympia-Museum mit Moderatorin Ulrike von der Groeben (3.v.r.). (Bild: Dahmen)
Mehr als 300 Leute waren da, am Donnerstagabend im Deutschen Sport- und Olympiamuseum. Mit einem solchen Andrang hatten die Organisatoren nicht gerechnet, viele Zuhörer mussten stehen, weil es nicht genug Stühle gab. Das zeigte, dass das Interesse groß ist an jenem Thema, das auf dem Podium besprochen werden sollte. Der Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) hatte zum Themenabend eingeladen. Homophobie im Fußball, darum sollte es gehen. Nicht unbedingt in den Profiligen, sondern in den unteren Spielklassen. Die Umgebung des Spiels sei offenbar ein Milieu, in dem Spieler Scheu hätten, zu ihrer Homosexualität zu stehen, hatte Jan F. Orth, Präsidiumsmitglied des FVM, tags zuvor im „Kölner Stadt-Anzeiger“ gesagt.

Die Diskussion hatte einen anderen Klang. Es hörte sich an, als sei es gar nicht schwer für Schwule und Lesben im Fußball. „Ich habe mich mit 22 geoutet“, erzählte zum Beispiel Dominik Sievers, Bezirksligaspieler aus der Nähe von Paderborn, „die meisten Leute haben positiv reagiert.“ Hilko Paulsen, Amateur-Schiedsrichter, sagte: „Ich konnte zum Weihnachtsessen meinen Freund mitbringen, das war kein Problem.“ Andreas Stiene diskutierte auch mit, der Organisator des Come-Together-Cups. Die Öffentlichkeit solle nicht darauf warten, dass sich ein prominenter Spieler zu seinen Neigungen bekenne, sagte er. Viel wichtiger seien Fußballer wie Philipp Lahm vom FC Bayern München, der einen unverkrampften Umgang mit dem Thema Homosexualität pflege. Viele seiner Bekannten seien schwul, hatte Lahm mal gesagt, na und?

Nach zwei Stunden war die Diskussion vorbei, das Publikum applaudierte. Natürlich machten die Aussagen vom Podium denjenigen Mut, die sich nicht trauen, ihre Neigungen mit zum Fußball zu bringen. Doch der Abend warf Fragen auf. Fragen, die weder die Moderatorin Ulrike von der Groeben stellte, noch das Publikum. Wenn es so einfach wäre im (Amateur-)Fußball, hätte der FVM die Veranstaltung ja gar nicht zu organisieren brauchen.

Dass es nach wie vor Barrikaden gibt, hat Rudi Assauer neulich illustriert, der ehemalige Manager des FC Schalke. Er sagte, schwule Bundesligaprofis sollten sich lieber einen neuen Beruf suchen. Und die Veranstalter hatten das Problem, dass eine lesbische Spielerin aus einer unteren Liga ihr Kommen versprochen hatte, aber kurzfristig absagte, weil ihr Umfeld offenbar nicht wollte, dass sie mit ihren Vorlieben allzu offensiv umgeht.

Die ehemalige Bundesligafußballerin Claudia Bubenheim sagte im Olympiamuseum, sie sei in ihrer aktiven Zeit nicht bekannt genug gewesen, um sich in den Zeitungen zu ihrer Homosexualität bekennen zu müssen.

Doch aktuelle Profis haben genau dieses Problem. Ihr Leben findet in den Medien statt, von allen Seiten ausgeleuchtet. Bezirksligaspieler Sievers erzählte, so lange die sportliche Leistung stimme, sei es egal, ob sich einer in Frauen oder Männer verliebe. Die Anschlussfrage stellte niemand: Was mit denjenigen sei, deren Leistung nicht stimmt.



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