Erstellt 21.03.10, 17:35h
Die „Bild am Sonntag“ berichtete, es gebe amerikanische Investoren unter den sechs Interessenten für die insolventen 120 Karstadt-Warenhäuser, die Metro auch die 113 Kaufhof-Häuser abkaufen wollten. Die Namen der möglichen Karstadt-Bieter sind nicht bekannt. In der Branche werden Namen wie die US-Fonds TPG, Blackstone und Apollo und die britische Permira gehandelt. In Finanzkreisen hieß es allerdings, TPG, Permira und Blackstone hätten abgewunken.
Ein Metro-Sprecher sagte: „Wir reden immer wieder mit Interessenten, die solch ein Geschäft gerne machen würden. Es gibt derzeit aber keine konkreten Verkaufsgespräche.“ Metro halte sich alle Optionen offen. Grundsätzlich will der Konzern die Kaufhaus-Sparte loswerden: „Wir werden Kaufhof erst dann verkaufen, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist und der Preis stimmt“, hatte Vorstandschef Eckhard Cordes erst vor wenigen Tagen gesagt.
Der Versuch, eine „Deutsche Warenhaus AG“ aus den beiden Ketten zu bilden, war schon zweimal in den vergangenen zwei Jahren gescheitert. 2008 wollte der damalige Arcandor- Chef Thomas Middelhoff Kaufhof übernehmen und mit Karstadt fusionieren. Vor knapp einem Jahr hatte Metro der damals kurz vor der Insolvenz stehenden Arcandor angeboten, Karstadt oder Teile davon zu übernehmen.
Bei einer Fusion dürften zehntausende Arbeitsplätze zur Disposition stehen, weil die Standorte von Karstadt und Kaufhof in vielen Städten nahe beieinander liegen. Wegen der immensen Sanierungskosten, die sich daraus ergeben, bietet Metro nicht für Karstadt mit. Cordes hatte allenfalls an der Hälfte der 120 Häuser Interesse angemeldet, Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg will das Unternehmen mit 26 000 Mitarbeitern jedoch als Ganzes verkaufen und hat nur 13 Häuser geschlossen. Nur dann greift der Insolvenzplan, in dem sich Vermieter, Belegschaft und andere Gläubiger zu finanziellen Zugeständnissen in dreistelliger Millionenhöhe bereit erklärt hatten.
Am 12. April soll die Gläubigerversammlung von Karstadt den Insolvenzplan billigen, in den Tagen darauf erwartet Görg Kreisen zufolge die bindenden Gebote. Bis spätestens Ende April muss er einen Käufer auswählen. Ziel sei „eine Sanierung durch einen Investor, der an die Existenzberechtigung von zwei Warenhausketten im deutschen Markt glaubt“, hatte der Verwalter gesagt.
Findet sich bis in den kommenden sechs Wochen kein Käufer, droht eine Zerschlagung der Warenhauskette Karstadt. Darauf spekulieren Branchenkreisen zufolge Metro und einige Finanzinvestoren, die sich dann die attraktivsten Standorte herauspicken könnten.
„Die Branche schreit nach Konsolidierung, aber die wird schmerzhaft“, sagte ein Handelsmanager. „Es ist fraglich, ob sich das einer antut und den Buhmann spielt, wo doch die Finanzinvestoren ohnehin unter einem Negativ-Image leiden.“ (rtr)
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