Von Dirk Risse, 22.03.10, 12:55h
Zentrales Thema der „Nacht der Mystik“ war es, Berührungsängste zwischen den Religionen abzubauen und stattdessen Brücken zu schlagen, mit den Mitteln der Kunst. Improvisationen auf der Orgel von Wolfgang Bretschneider gab es da, und von Maria Jonas gesungene Lieder der Hildegard von Bingen. Tänze, Installationen und Texte rundeten das Programm ab. Dabei führten die Lesungen immer wieder zu den Weisheiten des Zen-Buddhismus. Zum bescheidenen Meister Ryokan, in dessen Haus eingebrochen wurde, und der sich darüber beklagte, dass er dem Dieb außer seinem Hab und Gut nicht auch noch den Mondschein mitgeben konnte. Oder zum Dichter Saichi (1173-1262), der im Ungewissen Zuversicht suchte. „Nicht wissen, warum - nicht wissen, warum: Das ist mein Halt.“
„Wir wollen den Menschen nicht nur beim Verstand, sondern auch mit seinen Gefühlen packen“, sagt Dichans, der nicht nur in der katholischen Gemeinde Seliger Papst Johannes XXIII. aktiv ist, sondern auch Ruhe im Zen-Buddhismus findet. „Mystik erlaubt dem Menschen seine ganz persönliche Erfahrungen zu Gott hin.“ Kein Wunder also, dass Mystiker in vielen Religionen zu allen Zeiten in einem Spannungsverhältnis zu offiziellen Doktrinen gestanden hätten. Meister Eckhart beispielsweise gehörte einerseits zu den großen Kirchengelehrten, musste aber andererseits einige seiner Thesen auf Druck der Kirche wieder zurücknehmen, so Dichans.
Die „Nacht der Mystik“ entstand auch als Reaktion auf eine Studie, nach der sich besonders postmaterielle Menschen von den offiziellen Kirchen abwenden. Mit der Kulturnacht wolle die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde Neue Stadt, der Synagogengemeinde und der Moschee in Feldkassel ein überkonfessionelles Angebot für Menschen machen, die es nicht in den üblichen Gottesdienst zieht. Das dürfte gelungen sein.
Die etwa 400 Besucher werden vom Abend mindestens eine Erkenntnis mitgenommen haben: Dass es in den verschiedenen Religionen ganz ähnliche Glaubensgrundsätze gibt. Zen-Mönche lernen schon einmal Mittelhochdeutsch, erläutert Dichans. „Die können einfach nicht glauben, dass bei Meister Eckhart manches steht, was sie selbst lehren.“
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