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Türkische Schulen

Erdogan auf Wählerfang

Von Martin Benninghoff, 24.03.10, 15:25h, aktualisiert 24.03.10, 15:28h

Der türkische Ministerpräsident plädiert für die Einführung von türkischen Gymnasien in Deutschland. Zunächst hat Erdogan durchaus recht, doch seine Begründung zeigt, dass es ihm nicht um Integration geht - Anstoß, der tägliche Kommentar auf ksta.de.

Erdogan
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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. (Bild: afp)
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Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. (Bild: afp)
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat pünktlich zur anstehenden Osterwoche ein besonderes Ei gelegt. Ein Ei, das bunt angemalt ist, bei näherem Hinschauen aber wieder mal eher als hart gekochtes Wurfgeschoss im politischen Diskurs taugt. In einem Interview mit der „Zeit“ plädiert er für türkisch geprägte Ausbildungswege für die türkischstämmigen Zuwanderer in Deutschland. „In der Türkei haben wir deutsche Gymnasien - warum sollte es keine türkischen Gymnasien in Deutschland geben“, fragt er rhetorisch. Das sei zudem gut für die Integration.

Zunächst hat Erdogan durchaus recht: Wenn Jugendliche und junge Erwachsene die Chance bekommen, etwa auf einer deutsch-türkischen Universität in interkulturell ausgerichteten Fächern zu studieren, ist das ein Gewinn für die deutsche Bildungslandschaft. In Istanbul wird derzeit eine solche Universität aufgebaut, deren Absolventen später sowohl bei deutschen als auch türkischen Unternehmen unterkommen sollen.

Auch was die Schulen angeht, ist eine interkulturelle Ausrichtung mit zwei Sprachen gut - wenn darauf geachtet wird, dass Kinder mit und ohne Zuwanderergeschichte beisammen sind. Es ist unverständlich, dass bilinguale Grundschulen in Deutschland mit dem Hinweis auf angebliche „Parallelgesellschaften“ zurückgewiesen werden. Kein Mensch regt sich über deutsch-französische Schulen auf. Im Gegenteil: Wenn Kinder gut Deutsch und gut eine zweite Sprache sprechen, ist das ein Gewinn. Schlimm ist doch nur, wenn beide Sprachen Probleme machen.

Jetzt kommt jedoch das große Aber: Denn Erdogans Begründung zeigt, dass es dem Mann bestimmt nicht um Integration geht. Man müsse „zunächst die eigene Sprache beherrschen, also Türkisch - und das ist leider selten der Fall“, urteilt er über die türkischstämmigen Menschen in Deutschland. Hier irrt der Regierungschef. Denn „die eigene Sprache“ ist für viele gerade junge Menschen mit türkischer Zuwanderergeschichte Deutsch. Zumindest ist das die Sprache ihrer Lebenswirklichkeit in Deutschland.

Schon seit Jahren versucht Erdogan, „seine Türken“ im Netz der Nation zu halten oder wieder einzufangen. Dass er die türkischen Staatsbürger weltweit als potenzielle Wählerstimmen anspricht, ist aus seiner Sicht verständlich. Perfide allerdings ist, dass er auch diejenigen vereinnahmen möchte, die den deutschen Pass in der Brieftasche haben. Ihnen will er weismachen, für ewig „ethnischer Türke“ zu sein. Dieses Denken aus den Mottenkisten europäischer Nationalisten ist zwar in Deutschland nicht unbekannt und war bis vor zehn Jahren noch Teil des Staatsbürgerschaftsrechts. Und auch heute beklagen Zuwanderer, die schon seit 30 oder 40 Jahren hier leben oder gar geboren sind, niemals als Deutsche wahrgenommen und anerkannt zu werden.

Immerhin: Der deutsche Staat und sein Staatsbürgerschaftsrecht haben dazugelernt. Ein Schritt, den Erdogan und seine Leute noch gehen müssen.



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