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Kommentar zur Scherl-Ausstellung

Schlicht der falsche Ort

Von Frank Olbert, 25.03.10, 21:23h, aktualisiert 25.03.10, 21:25h

Das Georg-Meistermann-Museum in Wittlich ist einem erklärten Nazi-Gegner gewidmet. Nun soll dort eine Ausstellung der Kunst von Hanns Scherl stattfinden. Kritiker sprechen vom falschen Ort, doch Schweigen wäre der falsche Weg.

Meistermann-Arbeit
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Eine Meistermann-Arbeit in der Lise-Meitner-Schule in Köln. (Bild: Archiv)
Meistermann-Arbeit
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Eine Meistermann-Arbeit in der Lise-Meitner-Schule in Köln. (Bild: Archiv)
Orte verpflichten, Gedenken verpflichtet. Als die Stadt Wittlich verdientermaßen ihr Georg-Meistermann-Museum einrichtete, hat sie damit einem Mann ein Denkmal gesetzt, dessen Kunst während des Nationalsozialismus verfemt und der selbst ein erklärter Nazi-Gegner war: So weigerte sich Meistermann, einen Eid auf Hitler zu leisten, riskierte damit Kopf und Kragen und wurde nur deshalb verschont, weil sein Vorgesetzter ihn für verrückt erklärte. Auch nach dem Krieg wurde der Künstler nicht müde, über seine Erfahrungen im so genannten Dritten Reich zu sprechen und damit gegen die herrschende Verdrängung zu kämpfen.

Das wichtigste Argument der Gegner einer Ausstellung Hanns Scherls in den Räumen des Meistermann-Museums ist moralischer Natur: dieses Museum ist schlicht der falsche Ort. Man kann sich darüber streiten, welche Qualität Scherls Kunst besitzt, was daran volkstümlich oder vielleicht bereits völkisch war und ob man Werke solcher Art nicht am besten in einem didaktisch aufbereiteten Rahmen ausstellen sollte. Über jeden Streit erhaben sollte jedoch die Tatsache sein, dass man einen so umstrittenen Künstler wie Scherl nicht würdigend in einem Museum ausstellen darf, welches den Namen eines so integren Mannes wie Meistermann trägt.

Da irrt die Stadt eben - es ist nicht automatisch eine Diffamierung, wenn die Kritiker der Ausstellung an die dunklen Flecken in Hanns Scherls Vergangenheit erinnern. Sie nehmen viel mehr ihre Verantwortung wahr. Denn wenn der Satz irgendeine Bedeutung haben soll, dass die Verantwortung der Nachgeborenen darin besteht, einer Wiederholung von 1933 vorzubeugen, indem man unnachgiebig an diese Jahre erinnert - wenn dieser Satz also nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, dann verbietet er Schweigen und Zuschauen.



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