Von Joachim Sprothen, 28.03.10, 11:43h
Claudia Rauchfuß, die gemeinsam mit ihrem Mann Udo die ED-Tankstelle an der Römerallee gepachtet hat, ist so etwas wie die „geistige Mutter“ dieser Eigeninitiative. Seit das Ehepaar die Tankstelle vor elf Jahren übernahm, wurde dort 13 Mal eingebrochen. Ein Raubüberfall am 18. Oktober vergangenen Jahres brachte das Fass zum Überlaufen. Zwei maskierte Männer hatten den Kassierer mit Pistolen zur Herausgabe von 2100 Euro gezwungen.
Doch Polizeidirektor Kriener wiegelte im Stadtrat ab. Zülpich sei im Kreis Euskirchen keineswegs ein Kriminalitätsschwerpunkt. Kriener räumte allerdings ein, dass das Gewerbegebiet an der Römerallee ein Problem darstelle, da die Geschäftsräume nachts nahezu menschenleer seien. Aus Sicht von Stefan Ogrczall ist es seit dieser Erkenntnis aber keineswegs sicherer geworden. Er ist Geschäftsführer der Firma „Natursteinwelten“. In drei Jahren wurde in sein Unternehmen sechs Mal eingebrochen - zuletzt am 24. Februar.
KrisentreffenBereits einen Monat zuvor, am 21. Januar, hatte es ein Krisentreffen gegeben, bei dem mit rund 40 Teilnehmern etwa die Hälfte aller Unternehmen des Gewerbegebietes vertreten waren. Werner Lorse, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, schrieb daraufhin Sicherheitsfirmen an. Den Zuschlag bekam bei einer weiteren Versammlung am 10. März ein Unternehmen, das in Erftstadt eine Filiale betreibt.
Bürgermeister Bergmann: „Diese Firma machte nicht nur den besten Eindruck, sondern konnte auch mit in Zülpich ortskundigen Hundeführern dienen.“ Für den Security-Service, der bei „Natursteinwelten“ ein Büro beziehen wird, sind pro Monat 3535 Euro fällig. Diese Summe teilen sich rund 40 Betriebe im Gewerbegebiet, die bislang ihre Teilnahme zugesichert haben. Darunter ist auch die Stadt Zülpich, deren Baubetriebshof im Gewerbegebiet steht. Claudia Rauchfuß: „Aber bereits in zwei Monaten werden es mehr sein, weil dann die Vorteile erkannt worden sind. Unser Security-Service ist spätestens nach fünf Minuten zur Stelle.“
Die finanzielle Belastung durch den Sicherheitsdienst finden die Geschäftsleute naturgemäß ärgerlich. Schließlich, so Ogrczall, „zahlen wir bereits mit unseren Steuergeldern für den Schutz durch die Polizei“. Aber anders wisse man sich nicht mehr zu helfen. Obwohl er nach eingehender Beratung durch die Polizei tausende Euro in den Einbruchsschutz seiner Firma gesteckt habe, sei es zu der jüngsten Tat am 24. Februar gekommen.
Wie eine GefängniszelleDie Versicherungen würden mittlerweile wegen der Häufigkeit der Einbrüche schon die Verträge kündigen und die Schadensregulierung ablehnen. In die ED-Tankstelle hat der Konzern als Eigentümer in den vergangenen Monaten sogar über 50 000 Euro in Sicherheitsvorkehrungen investiert. „Seither“, so Udo Rauchfuß, „sieht unser Büro mit den vergitterten Fenstern aus wie eine Gefängniszelle.“
Den Polizeibeamten machen die Geschäftsleute nicht einmal Vorwürfe. Die Kreispolizeibehörde Euskirchen sei personell zu schlecht besetzt, um nur wenige Minuten nach einem Einbruch an jedem Ort zwischen Weilerswist und Dahlem zur Stelle sein zu können. Die Verantwortung trage das Landesinnenministerium. Claudia Rauchfuß rät dazu, jede Straftat zur Anzeige zu bringen, um durch die Erhöhung der Fallzahlen auch auf eine Erhöhung des Polizeipersonals hinzuwirken: „Wir haben schließlich eine Schutzpflicht für unsere Mitarbeiter.“
Ihr Ehemann Udo fügt hinzu: „Der Mitarbeiter, der zum Opfer des Raubüberfalls geworden ist, war früherer Berufssoldat und hat das seelisch noch ganz gut verkraftet. Wenn das einer jungen Mitarbeiterin passiert wäre, säße die in der Klapse.“
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