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GutenMorgenKöln

Schunkeln zu Alphorn-Klängen

Von Beatrix Lampe, 29.01.10, 09:04h, aktualisiert 29.01.10, 15:01h

Der Kölner Karneval hat einen Neuzugang: Lustig, ein bisschen leiser und kölsch - so gibt sich die neue Kneipensitzung „Jeckespill“ der „Loss mer singe“-Aktivisten Mica und Helmut Frangenberg. Guten Morgen, Köln war bei der Premiere.

Jeckespill Karneval
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"Jeckespill"-Macher Helmut Frangenberg bei der Premiere der neuen Weetschaffssitzung. (Bild: Worring)
Jeckespill Karneval
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"Jeckespill"-Macher Helmut Frangenberg bei der Premiere der neuen Weetschaffssitzung. (Bild: Worring)
Köln - Machen Sie das mal nach: Willi Ostermanns „Heimweh nach Kölle“ auf die Melodie von Brings’ „Superjeile Zick“ zu singen - und umgekehrt den Brings-Text auf Ostermanns Heimathymne über Colonia. Unmöglich? Nein, das geht! Und dann hat nicht nur der Pitter Ärm in Ärm me’m Appollonia eine superjeile Zick, dann ist auch ein bunt gemischtes, närrisches Publikum beim „Jeckespill“ richtig glücklich.

Im Brauhaus „Freischem’s“ fand die Premiere dieser neuartigen Weetschaffssitzung statt, bei der kölsche Sprache, ein nicht ganz so pointenknallender Humor und richtig handgemachte Musik im Mittelpunkt stehen. Da nehmen die Sängerinnen von „Eau de Milljöh“ mit dem unverdrossen schunkelnden Publikum voller Selbstironie die liebste Bewegung des Kölners auf die Schippe: „Schunkeln ist Scheiße“ - in Anlehnung an eine Nummer der aktuellen Stunksitzung. Da bespielt Musiker Ebasa vom sagenhaft guten „Orchester der Liebe“ mit seinem Alphorn fast die ganze Länge des Zuschauerraums und entlockt dem im Karneval eher ungebräuchlichen Instrument eine temporeiche Fassung des „Wassers vun Kölle“.

Da machen sich Helmut Frangenberg, im "ernsten" Leben Redakteur des "Kölner Stadt-Anzeiger", und seine Frau Mica in witziger Resignation über das eigene Altern samt Abwärts-Tendenz alles Körperlichen her. Da rocken die „Häckenjecks“ als Gäste die Wirtschaft mit der Aufforderung, „Tostbrot“ (genau, Tostbrot ohne „a“) singend zu buchstabieren.

Wie man in feinstem Kölsch sowohl die gröbsten Beschimpfungen für ungeliebte Zeitgenossen als auch eine Kurzfassung von Wagners „Lohengrin“ liefern kann, ist Sache der Krätzcher-Sänger des „Drei-Mann-Quartetts“. Ihnen wie auch den Rednern beim Jeckespill - vom Festkomitee Kölner Karneval geförderter Nachwuchs aus der Akademie des Literarischen Komitees - schenkt das Publikum eine Art von Aufmerksamkeit, die in großen Sälen oft verloren geht.

Lustig, ein bisschen leiser, kölsch, traditionell und modern ist die Mischung. Genau so haben es sich die „Jeckenspill“-Macher vorgestellt, als sie den Jecken eine „handgemachte“ Alternative zum karnevalistischen Hochleistungsbetrieb geben wollten. Dass die Gäste sich gern zum Mitmachen bitten lassen, weiß das Jeckenspill-Team, das schließlich aus dem Umfeld der erfolgreichen Mitsing-Initiative „Loss mer singe“ stammt. Deshalb bekommt bei der Weetschaffssitzung jeder Gast eine „Mitsinghilfe“, also ein Textheft für „Krätzcher, Klaav un Kälverei“ - und überdies die Chance, im Verlauf des Premierenabends die eigenen musikalischen oder närrischen Talente zu zeigen.

Weitere Möglichkeiten, beim „Jeckespill“ die Lust am Karneval neu zu beleben, haben Besucher bei Veranstaltungen im Consilium und Em Hähnche. Für das letzte „Jeckespill“ der Session am Mittwoch, 10. Februar, 20 Uhr, im Gaffel am Dom gibt es am Kneipentresen noch Karten.



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