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FC-Taktik

Der klassische Kölner Stil

Von Stephan Klemm, 30.01.10, 17:24h, aktualisiert 06.02.10, 15:04h

Der Sieg des 1. FC Köln bei Eintracht Frankfurt hat erneut gezeigt, wie effektiv die Defensiv-Schule von Trainer Zvonimir Soldo sein kann. Der nächste Gegner ist der Hamburger SV, den in Müngersdorf gewiss der klassische Kölner Stil erwarten wird.

1. FC Köln
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Zweiter Erfolg in Serie in der Femde: Jubel unter den FC-Profis. (Bild: GI)
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Zweiter Erfolg in Serie in der Femde: Jubel unter den FC-Profis. (Bild: GI)
FRANKFURT - Gleich passiert ein Ausrutscher ins Philosophische, ein überraschender Satz, inhaltlich richtig und ästhetisch gelungen. Er stammt von Zvonimir Soldo, der ansonsten nach Fußballspielen wöchentlich Rekorde in Schnellanalysen voller Floskeln aufstellt. Diesmal sagte der Trainer des 1. FC Köln ausgeruht und langsam: „Wir haben verdient glücklich gewonnen.“

2:1 für Köln bei Eintracht Frankfurt, der zweite Sieg in Folge, Luft nach unten, Anschluss nach oben, für den FC also ein gelungener Tag. Außerdem wirkt Soldo auch noch anregend ansteckend, sein Frankfurter Kollege Michael Skibbe jedenfalls findet natürlich: „Wir haben unverdient unglücklich verloren.“ Wahrscheinlich geht das sogar.

Zwei Siege in Folge für Köln also, beide auswärts, wo der FC nun acht Spiele in Folge ungeschlagen ist. Das ist der Ertrag des Soldo-Systems. In Frankfurt war die bei gegnerischem Ballbesitz sich fleißig verschiebende Doppel-Viererriegel-Anordnung wieder in Top-Form, ein Durchkommen ist schwer. Zumal Frankfurt keine Lust hatte, etwas für das eigenen Durchkommen zu tun, entsprechend langweilig war das Spiel lange Zeit.

Soldo lässt die Kölner - vor allem auswärts - wie einen Aufsteiger spielen, vorsichtig, kompakt, defensiv. Mit dieser Taktik lag er in Frankfurt richtig und auch damit, in der zweiten Hälfte plötzlich das Tempo anziehen zu lassen, um Frankfurt zu überraschen und auch mal einen Torschuss zu riskieren. Zweimal ging es gut, beide Mal half mit Marco Russ ein gegnerischer Innenverteidiger. Beim 1:0 durch Maniche berechnete Russ den Pass von Sebastian Freis falsch (59.) und nach dem Ausgleich von Chris (76.) erzielte Russ im nun dichten Schneetreiben fünf Minuten vor dem Abpfiff mit dem Kopf ein Eigentor. Dabei war der Ball ausgetauscht worden und leuchtete in der Signalfarbe Orange. Für die Kölner ist nun nicht alles schon gut, findet Soldo, auch wenn der Trend nach oben weist: „Wir müssen weiter nachlegen.“ Der nächste Gegner ist der Hamburger SV, den in Müngersdorf gewiss der klassische Kölner Stil erwarten wird. Wobei es sein könnte, dass ein Spieler aus der Ordnung drängt.

54 Minuten sind in Frankfurt gespielt, als Soldo seinen Neuzugang Zoran Tosic für Taner Yalcin bringt, die Aufgabe des Neuen: Die rechte Seite bearbeiten. Das gelingt im Tiefschnee auf für Kölner Maßstäbe anarchische Weise: Übersteiger, rasante Dribblings und Drehungen, Flanken, Abschlüsse. Es dauert zwei Minuten, und die Kölner Fans feiern Tosic mit Sprechchören, eine neue Erfahrung: „Das habe ich noch nie erlebt, das macht mich stolz, ein wunderbares Gefühl.“ Doch Tosic fällt einmal auch unangenehm auf: Kopfballduell mit dem gerade eingewechselten Frankfurter Ümit Korkmaz. Tosic trifft Korkmaz dabei mit der Faust im Gesicht, die Folge: Gelb für den Serben und doppelter Jochbeinbogenbruch für Korkmaz. „Das tut mir Leid, das wollte ich nicht“, sagt Tosic.

Im Kabinentrakt leuchten seine Füße, neongelbe Schuhe, auf denen steht: „Tosic 14“, seine Rückennummer in Köln und zuvor bei Manchester United. Ein Tor hätte Tosic auch noch fast erzielt, kurz vor Schluss „da hatte ich den Torhüter schon ausgeguckt, aber leider nicht getroffen“. Alles in allem somit ein ziemlich überzeugender Auftritt, doch Soldo bleibt gelassen: „Tosic hat gezeigt, dass er ein Riesenpotenzial hat. Aber wir bauen ihn weiter behutsam auf.“

Mit Maniche ist das offenbar auch gelungen. Nach der Winterpause spielt der Portugiese wie ein Neuzugang, agil, mit gelungenen Pässen. In Frankfurt erzielte er zudem sein erstes Bundesliga-Tor. „Er hat seine körperlichen Defizite aufgearbeitet. Wir haben ihn ja geholt, damit er uns hilft“, sagt Soldo. Eine Forderung hat er auch noch: „So muss Maniche weitermachen.“



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