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USFO - der Auftakt

Stefan Raab als „Anti-Bohlen“

Von Thorsten Keller, 03.02.10, 08:05h, aktualisiert 10.03.10, 08:49h

Jury-Präsident Stefan Raab behandelt die Kandidaten der ersten „Unser Star für Oslo“-Show nach eigener Aussage anständig und hält sich im Studio sogar an diese Vorgabe. Peinliche Aussetzer im Casting werden gar nicht erst gesendet.

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Stefan Raab mit den Juroren Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen. (Bild: dpa)
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Stefan Raab mit den Juroren Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen. (Bild: dpa)
Köln - Während die Fernsehzuschauer daheim an den Geräten für das Talent ihrer Wahl telefonieren und simsen, sorgt im TV-Studio in Köln-Mülheim ein Mann mit Rasta-Locken und akustischer Gitarre für Furore. Unkonventionell macht er sich über den Deep-Purple-Klassiker „Child In Time“ her, seine Gesangsstimme erinnert dabei kaum an Ian Gillan, eher an ein abgestochenes Ferkel. Die schlechte Nachricht für den unbekannten Sänger: Bei „Unser Star für Oslo“ wird er nur als Pausenclown während des letzten Werbeblocks gebraucht. Die gute Nachricht: Eine Karriere als landesweite Schießbudenfigur bleibt dem Mann, im Gegensatz zu vielen gescheiterten DSDS-Kandidaten, erspart. Die Szene wird nicht gesendet, sondern nur zur Gaudi des Studiopublikums (1000 Menschen) eingespielt.

Die Teilnehmer könnten „sich darauf verlassen, dass sie bei uns anständig behandelt werden“, formuliert Jury-Präsident Stefan Raab am Ende der ersten „Unser Star für Oslo“-Show noch mal das erste Gebot seiner Casting-Reihe, an deren Ende ein konkurrenzfähiger deutscher Beitrag für den „Eurovision Song Contest“ stehen soll. Zwar müssen in der ersten Sendung fünf von zehn Kandidaten nach Hause fahren, doch es soll eine Auslese mit menschlichem Antlitz werden. „Seien Sie freundlich zu den Kandidaten“, bittet Raab das Studiopublikum kurz vor Sendebeginn, er hätte hinzufügen können: „Ich bin es auch“.

Notizen am Klemmbrett

Und so gibt Raab, der neben den Gast-Juroren Yvonne Catterfeld und Marius Müller-Westernhagen in einem Ledersessel am Bühnenrand sitzt und sich auf einem Klemmbrett eifrig Notizen macht, den seriösen, nur auf die Musik fokussierten Anti-Bohlen. Nur einmal an diesem langen Abend liegt ein Hauch von Verriss in der Luft: Nachdem sich Daliah aus Freiburg an dem Soul-Klassiker „At Last“ von Etta James abgearbeitet hat, äußert Westernhagen milde Zweifel: „Sich an derart schwarze Musik ranzuwagen (längere Pause), ist nicht leicht.“ Das genügt schon, um sich bei einigen Zuschauern im Saal unbeliebt zu machen. Stefan Raab formuliert es noch weicher, mit einem am Ende offenen Statement. „Du hast natürlich gute Anlagen…“

So geht es weiter mit der codierten Zeugnissprache: Katrin Walter aus Köln muss sich sagen lassen, ihr Vortrag sei „fast schon zu glatt“ (Westernhagen) beziehungsweise „technisch ganz weit vorn“ (Raab). Michael Kraus, dem wollbemützten Gartenbau-Azubi aus Bergisch Gladbach, wird von Catterfeld bescheinigt, „wahnsinnig authentisch“ zu sein. Soll heißen: Toller Typ, gute Ausstrahlung, aber etwas Gesangsunterricht könnte nicht schaden. Zeit dafür hätte Kraus nun wieder: Für ihn ist USFO seit Dienstagabend 22.45 Uhr beendet.

Zu der „anständigen Behandlung“ gehört, dass die Kandidaten einen Song ihrer Wahl mit Raabs großartiger Show-Band „Heavytones“ einstudieren dürfen: Robbie Wiliams ist dabei, Seal, Paolo Nutini und Michael Bublé – gediegener Pop-Mainsteam jüngeren Datums also. Besonders gewagt, weil jeder das Original kennt, ist nur die Entscheidung von Cyril Krueger aus Hannover: Er interpretiert, locker vom Barhocker, das gut abgehangene „Hotel California“ der Eagles und kommt damit durch – als einziger der fünf Männer in der Vorauswahl.

Zu Recht schon im Vorfeld aussortiert worden ist eine angehende Reiseverkehrskauffrau aus Wesel. Sie wusste im Casting auf die Frage „Wo liegt denn Oslo?“ keine Antwort, und entschuldigte ihre Ignoranz damit, „im ersten Lehrjahr“ zu sein. Auch diese Sequenz zum Fremdschämen gibt es nicht in der offiziellen Show zu sehen, sondern nur als Pausenfüller im Studio. Stefan Raab befindet sich seit Dienstagabend auf einer humanitären Mission.



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