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Remis gegen HSV

Momente des Glücks im Stadion

Von Christian Löer, 06.02.10, 20:40h, aktualisiert 09.02.10, 16:38h

Mit sieben Pukten aus vier Spielen befindet sich der 1. FC Köln derzeit auf Erfolgskurs. Doch um Kraft und Konzentration für das Pokalspiel in Augsburg aufrecht zu erhalten, wird sogar auf traditionelle Feierlichkeiten verzichtet.

Youssef Mohamad
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Youssef Mohamad bejubelt seinen Treffer. (Bild: dpa)
Youssef Mohamad
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Youssef Mohamad bejubelt seinen Treffer. (Bild: dpa)
KÖLN - Im Angesicht des Erfolgs bricht sogar ein Traditionsverein wie der 1. FC Köln mit seinen Gewohnheiten: Spieler, Trainer und Betreuerstab der Profimannschaft werden der Karnevalssitzung des Vereins am Montagabend fern bleiben. Und das, wo die Kölner doch derzeit durchaus Anlass hätten zu einem Abend voller Frohsinn. Nicht nur wegen des spektakulär erkämpften 3:3 (1:2)-Remis am Samstag daheim gegen den Hamburger SV, sondern wegen des insgesamt erfreulichen Starts in die Rückrunde mit nun sieben Punkten aus vier Spielen. Doch schon am Mittwoch (19 Uhr) treten die Kölner beim FC Augsburg zum Pokal-Viertelfinale an. Für Ausgelassenheit bleibt da keine Zeit, man will sich auf das Millionenspiel konzentrieren. „Die Schlagzeilen würde ich gern sehen, wenn wir Karneval feierten“, sagte FC-Manager Michael Meier am Samstagabend.

Zuvor hatten 50 000 Zuschauer im Rhein-Energie-Stadion ein hinreißendes Fußballspiel erlebt, an dessen Ende die Kölner ihren Gegner nach zwischenzeitlichem 1:3-Rückstand nach allen Regeln der Kunst niedergekämpft hatten. „Das fühlt sich an wie ein Sieg. Wir haben eine klasse Moral gezeigt“, resümierte Adil Chihi, Schütze des späten 3:3-Ausgleichs (88.). Während alles um ihn herum im Glück versank, zeigte sich Kölns Trainer Zvonimir Soldo gewohnt ungerührt. „Das war ein interessantes Spiel“, untertrieb der Kroate.

Der aus Kölner Sicht wunderbare Nachmittag hatte allerdings einen eher tragischen Beginn gehabt, und einer der Hauptdarsteller in dieser Phase war Zoran Tosic. Der von Manchester United ausgeliehene Serbe hat das Potenzial zum nächsten Kölner Superhelden, doch in der 36. Minute glaubte er, er könne Marcell Jansen mit einiger billigen Finte überraschen. Es folgten ein Ballverlust sowie der gescheiterte Versuch, Jansen in die Knochen zu springen. Jansen passte perfekt vor das Kölner Tor, Petric setzte sich leicht gegen Womé durch - 2:1 für Hamburg. Für Momente wussten die Zuschauer nicht, was sie anfangen sollten mit ihrem neuen Helden. Doch Tosic (22) behielt seine Zuversicht, zeigte ein Hochgeschwindigkeits-Dribbling nach dem anderen und wurde bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss mit großem Applaus verabschiedet.

Zvonimir Soldo hatte später dennoch vor allem die zu verrichtende Schleifarbeit vor Augen, die ihm dieses Juwel noch abverlangen wird. „Er ist ein junger Spieler, dem Erfahrung und Rhythmus fehlen. Aber er hat natürlich ein riesiges Potenzial“, sagte der Coach. Auch Stürmer Sebastian Freis wollte sich nicht nur am Spektakel berauschen, sondern stellte auch die Frage nach der Effektivität. „Tosic ist unheimlich gut am Ball. Wenn er aber hin und wieder den Kopf hochnähme, könnte er vielleicht noch besser die Bälle zu den Stürmern durchstecken. Obwohl: bei diesem Tempo ist das auch schwierig.“

Michael Meier ist nicht überrascht, weder von Tosics Fehlern noch von dessen zirkusreifen Momenten. „Das kaufst du mit. Dass er ein begnadeter Dribbler ist, haben wir vorher gewusst. Er kann den Gegner verrückt machen“, beschrieb der Manager. Tosic ist nur bis zum Ende dieser Saison ausgeliehen. Eine Kaufoption wollte Manchester United den Kölnern nicht gewähren. „Wenn er überragend spielt, werden wir keine Chance haben. Dann holt Manchester ihn zurück“, sagt Meier. Eine gute Idee wäre, Alex Ferguson eine DVD mit Tosics Ballverlust vor dem 1:2 zu schicken. Womöglich bekommen sie den Serben dann glatt geschenkt.

Bereits das Kölner Gegentor zum 0:1 war aus einer Kaskade schlimmster Abwehrfehler entstanden, Pierre Womé und Keeper Faryd Mondragon hatten Marcell Jansen bereits in der zweiten Minute einen Treffer geschenkt. Dann hatte Youssef Mohamad per Kopf zwar das 1:1 erzielt, doch es folgten weitere schlimme Patzer: Erst das Hamburger 2:1 nach Tosics Tölpelei, in der 50. Minute klärte Innenverteidiger Pedro Geromel dann eine Hereingabe mit der Hand, Petric verwandelte den Strafstoß. Doch wie schon in Wolfsburg und Frankfurt ließen die Kölner trotz der Gegentore nicht nach. Der bis dahin beinahe unsichtbare Novakovic traf in der 75. Minute mit einem direkt verwandelten Freistoß zum Anschluss, dann krönte Adil Chihi eine weitere starke Leistung mit dem Tor zum 3:3 und stürzte Müngersdorf in eines der größten Feste der jüngeren Vergangenheit.

Nun beginnt die Vorbereitung auf das Pokalspiel. „In unserer momentanen Verfassung brauchen wir keine Angst vor Augsburg zu haben“, sagt Freis. Die Vorfreude ist groß. Auf die Karnevalsfeier am Montag werden die FC-Profis da gern verzichten.



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