Von Klaus Dieter Oehler, 08.02.10, 09:10h, aktualisiert 08.02.10, 21:11h
Der Vertriebsmann Bill McDermott und der Produktentwickler Jim Hagemann Snabe werden gleichberechtigte Vorstandschefs. Neu in den Vorstand wurde der Inder Vishal Sikka, bisheriger Chief Technology Officer, berufen.
Plattner selbst werde der neuen Führungsmannschaft beratend zur Seite stehen, erklärte der Aufsichtsratschef. Und damit wird deutlich, dass der Mitgründer und Großaktionär von SAP, der sich seit seinem Ausscheiden aus dem Tagesgeschäft im Jahr 2003 mehr dem Mäzenatentum gewidmet und viel Zeit in Südafrika verbracht hat, wohl künftig wieder häufiger in Walldorf auftauchen wird. Grundsätzlich, so betonte Plattner, solle auch das neue Team die bisherige Strategie und den Fokus auf profitables Wachstum beibehalten und weiter vorantreiben. Ziel sei es, mit den Innovationen die führende Position im Markt 2010 noch auszubauen. Das hatte auch Leo Apotheker auf der Bilanzpressekonferenz Ende Januar angekündigt.
Nach einem Krisenjahr mit starken Rückgängen bei Umsatz und Ertrag sowie einem deutlichen Stellenabbau sollte es bei SAP auch wieder Einstellungen geben. Auch wenn Plattner versuchte, die „einvernehmliche Trennung“ von Apotheker nicht näher zu kommentieren, so konnte man doch aus einer Nebenbemerkung erkennen, woran es dem geschassten Vorstandschef offenbar gemangelt hat. „Wir sind ein Unternehmen, das Gewinn machen muss“, sagte Plattner. „Das werden wir aber nur tun, wenn wir auch ein glückliches Unternehmen sind und auch unsere Kunden glücklich sind. Ich werde alles dafür tun, dass SAP wieder eine glückliche Firma wird“, sagte der Aufsichtsratschef. Apotheker aber hatte mit seiner Entscheidung, die Wartungsgebühren deutlich anheben zu wollen, bei den Kunden für erhebliche Verärgerung gesorgt. Viele Großunternehmen hätten daraufhin ihre Verträge mit SAP gekündigt oder zumindest angekündigt, sie kündigen zu wollen, heißt es in der Branche. Der Vorstand machte die Erhöhung daraufhin rückgängig. Auch bei den Mitarbeitern kam der Umgangston des Vorstandschefs nicht gut an.
Durch den Führungswechsel zeigten sich die Anleger verunsichert. Die im Dax notierte Aktie führte gestern die Verlierer mit einem Minus von 2,5 Prozent an. Es sei anzunehmen, dass der Rücktritt eine Reaktion auf die ungewöhnlich hohe Unzufriedenheit unter Kunden und Mitarbeitern sei, sagen Analysten. Die sofortige Wirksamkeit des Rücktritts deute darauf hin, dass es „innerhalb des Managements und zwischen Konzernführung und Aufsichtsrat Streit gegeben“ habe. Apotheker wurde im Juni 2009 alleiniger Vorstandschef. Sein Vertrag wäre dieses Jahr im Sommer ausgelaufen.
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