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Oliver Bierhoff

Der ewige Fremdkörper

Von Frank Nägele, 08.02.10, 12:58h, aktualisiert 08.02.10, 22:33h

Nach Ansicht von DFB-Präsident Theo Zwanziger ist Teammanager Oliver Bierhoff für das Scheitern der Vertragsgespräche verantwortlich. Doch der frühere DFB-Kapitän wehrt sich. Unterdessen dementiert Joachim Löw ein Angebot aus der Türkei.

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DFB-Teammanager Oliver Bierhoff (Bild: dpa)
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DFB-Teammanager Oliver Bierhoff (Bild: dpa)
Oliver Bierhoff war schon ein Fremdkörper im großen Körper des deutschen Fußballs, als er 1996 zum ersten Mal in den Kreis der Nationalmannschaft stieß. Seitdem hat der heute 41-Jährige kaum eine Gelegenheit ausgelassen, dieses Image des unverstandenen und nicht richtig gewürdigten Außenseiters zu pflegen. So verlief seine Laufbahn als Profi, die erst in Österreich (Salzburg) und Italien (Udine, AC Mailand) in Schwung kam. So erzielte er im EM-Finale 1996 gegen Tschechien des viel besungene „Golden Goal“ mit einem mehr verunglückten als gelungenen Schuss, der erst durch einen Fehler des Torhüters Petr Kouba im Netz landete. Und so spielt er jetzt die Hauptrolle in der tragischen Posse, die in Deutschland größte Besorgnis im das fußballerische Premium-Produkt Nationalmannschaft auslöst.

Oliver Bierhoff schien den Deutschen immer ein wenig zu glatt, zu kosmopolitisch, zu abgehoben für ihren Fußball, der zur Not auf alles verzichten kann, nur nicht auf das erdige Flair der Volksnähe, das ihn zu einer Angelegenheit macht, die allen gehören darf. Der Managersohn aus Essen hat aber auch inhaltlich viel dafür getan, als Problem der aktuellen Krise zu gelten. „Die Ich-AG vom Starnberger See“, nannte der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge den Geschäftstüchtigen nach der WM 2006, als Bierhoff mithelfen sollte, den urdeutschen Giganten Adidas als Ausrüster der deutschen Nationalmannschaft durch Nike zu verdrängen. Der einstige Nike-Repräsentant Bierhoff selbst übergab das 500-Millionen-Angebot damals dem DFB und löste damit Zweifel an seiner Unabhängigkeit und eine Zerreißprobe aus, die schließlich mit einer Entscheidung gegen den US-Konzern und endete.

2007 musste sich Bierhoff von seinem ehemaligen Teamchef Rudi Völler erneut schmähen lassen, als er von der Bundesliga lehrerhaft eine Verbesserung des allgemeinen Spielniveaus anmahnte. „Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht“, polterte der Sportchef von Bayer 04 Leverkusen, der sich in diesen Tagen zu seinem Intimfeind explizit nicht äußern wollte in dem Wissen, dass dies schon genügend andere für ihn tun: Franz Beckenbauer, Günther Netzer und sogar Oliver Kahn, der seinem Ex-Mitspieler sogar „Amtsmissbrauch“ vorwarf, weil er mutterseelenallein die Verhandlungen für Bundestrainer Joachim Löw und dessen ganzen Stab führte.

Bis heute ist diese entscheidende Frage nicht wirklich geklärt: Warum verknüpft Joachim Löw sein Schicksal als Bundestrainer untrennbar mit dem des Managers Bierhoff, der so viele mächtige Gegner hat? Ist es die Angst vor dem erfolgreichen, extrem ehrgeizigen und schlauen DFB-Direktor Matthias Sammer, der einst von Verbandspräsident Theo Zwanziger gegen den Willen des Löw-Vorgängers Jürgen Klinsmann installiert wurde? Ist es die Befürchtung, das System einer parallel zur Liga existierenden Nationalmannschaft, die gelegentlich wirkt, als throne sie in einem Elfenbeinturm über dem Tagesgeschäft, ohne den Schutz des Wächters Bierhoff nicht aufrechterhalten zu können?

Oliver Bierhoff hat inzwischen offen zugegeben, ein Veto-Recht verlangt zu haben, „dass ohne meine Zustimmung kein Bundestrainer ausgewählt werden kann, aber nur im Zeitraum von 2010 bis 2012.“ Diese in der Geschichte des deutschen Fußballs nie da gewesene Klausel hat offenbar für so viel Panik in Reihen des DFB gesorgt, dass dessen Funktionäre gezielt Interna an die interessierte Öffentlichkeit weiter gaben und die Verhandlungen über die Verlängerungen der 2010 auslaufenden Verträge platzen ließen. „Am liebsten wäre mir jetzt ein Gespräch mit allen Beteiligten, um die Dinge zu klären“, sagt Bierhoff jetzt kleinlaut. Auch sei das Vetorecht „keine Bedingung für ein Weitermachen“. Und: „Natürlich würde man im Nachhinein versuchen, das eine oder andere anders zu präsentieren.“ Es wäre verkehrt, zu sagen, „man habe alles richtig gemacht“.

Das ist ein wahrer Satz, der uneingeschränkt gilt. Für Bierhoff und Löw in der Sache. Und für den Deutschen Fußball-Bund zumindest in der Form.



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