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Digitales Hörvergnügen

Der Boom des Webradios

Erstellt 09.02.10, 11:50h, aktualisiert 09.02.10, 14:36h

Das klassische Radio mit UKW-Empfang bekommt zunehmend Konkurrenz. Die meisten Sender haben begonnen, ihr Programm im Internet anzubieten. Das bietet dem Nutzer eine beinahe unbegrenzte Auswahl und Vielfalt.

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Das Angebot an Internetradios ist ausufernd. (Bild: dpa)
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Das Angebot an Internetradios ist ausufernd. (Bild: dpa)
HANNOVER - Es ist ein vertrautes Bild: Morgens steht der Kaffee auf dem Küchentisch, und dazu läuft das Radio. Doch der UKW-Empfang bekommt zunehmend Konkurrenz. Ungezählte Stationen senden heute im Internet. Auch die klassischen Radiosender bieten ihr Programm längst im Netz an. Spannend sind aber vor allem neue Formate, die nur für und durch das Web entstanden sind. Im Vergleich zum altgedienten Radiosound in der Küche bieten sie vor allem eine ungezählte Vielfalt an Programmen.

Der große Vorteil von Webradio liegt darin, dass sich der Hörer Sender, Programme und Musikrichtungen ins Haus holen kann, die für ihn ansonsten kaum erreichbar sind, erklärt Sven Hansen von der in Hannover erscheinenden Zeitschrift „c't”: „Durch das Internet kann im Prinzip jede Nische und jeder Geschmack bedient werden.” Wer sich ein wenig auskennt und weiß, was er sucht, könne sich auf verschiedenste Hörangebote aus aller Welt freuen.

Neben den klassischen Radiostationen finden Hörer Spartensender mit eigenem Web-Format, Audioarchive, Bezahlmusikdienste und Musik-Communitys, bei denen der Netzwerkcharakter des Internets im Vordergrund steht, sagt Hansen. Eigenes Webradio mit Vollprogramm gibt es zum Beispiel bei www.byte.fm aus Hamburg, das auf moderierte Sendungen mit DJ-Sets und Mitschnitte von Live-Konzerte setzt.

Der Sender www.rautemusik.fm des gleichnamigen Anbieters aus Aachen wartet mit ultramodernem Design und gleich neun verschiedenen Live-Streams auf, die neben Mainstreamsound aus zurückliegenden Jahrzehnten auch Sparten wie Funk oder Hardrock bedienen.

Noch speziellere Angebote findet der Musikenthusiast bei www.soulsender.de oder www.sonett77.de - bei letzterem Sender läuft vorrangig Elekronisches. Umfangreiche DJ-Sets liefert zum Beispiel www.play.fm aus Österreich.

Aber nicht nur Musik aller Schattierungen hat inzwischen einen festen Sendeplatz im Netz: Der Fußballkanal www.90elf.de überträgt die Partien der ersten und zweiten Bundesliga in voller Länge und zusätzlich in einer Konferenzschaltung. Nach Angaben des Anbieters Regiocast Digital in Leipzig haben in der Hinrunde dieser Saison insgesamt 10,3 Millionen Menschen in das Programm reingehört.

Auch die klassischen Radiosender bauen sich im Netz ein zweites Standbein auf - sie sind fast alle mit einem Webableger vertreten, so Hansen. „Alle Hörfunkangebote des NDR sind als Livestream im Internet abrufbar”, sagt zum Beispiel Ralph Coleman vom Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Darüber hinaus werden Schleifen bestimmter Sendungen in „Loopstreams” zum Nachhören angeboten. Viele NDR-Sendungen und Beiträge - von Reportagen über Comedy bis zu Nachrichtenmagazinen -gibt es als "Audio on Demand” in der NDR-Mediathek oder als Podcast.

Populäre Portale wie Last.fm oder Deezer kombinieren Radio und soziales Netzwerken. „Hier wird versucht, den Netzwerkcharakter des Internets in Musik-Communitys zu integrieren”, erklärt Hansen. Nutzer tauschen sich aus, empfehlen sich gegenseitig Musik und stellen ihre Playlists auf - und sie lernen andere Radiohörer und Musikbegeisterte kennen.

Auch kostenpflichtige Musikdienste wie Napster oder Musicload orientierten sich zunehmend an den Hörgewohnheiten der Nutzer. Gegen einen monatlichen Festbetrag lassen sich über die Plattformen viele Millionen Musiktitel per Stream hören. Noch vergleichsweise neu in diesem Bereich ist Aupeo, das nur noch auf Streaming setzt.

Andere Portale wie das vom Hamburger Anbieter www.radio.de haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt zu ordnen und schnell verfügbar zu machen. Wie das funktioniert? Einfach den Sendernamen gefolgt von „.radio.de” in den Browser tippen, und der entsprechende Livestream startet mit nur einem Klick, erklärt Geschäftsführer Karl Krainer. So erhält der Nutzer kostenlosen Zugriff auf mehr als 4000 deutsche und internationale Radiosender, Webradios und Podcasts. Ein ähnliches Prinzip verfolgt beispielsweise www.surfmusik.de.

Viele WLAN-Audiogeräte und Küchenradios mit Webzugang holen das Radioerlebnis genau dorthin, wo der Hörer sich am liebsten aufhält, sagt Sven Hansen von der „c't” - so schließt sich der Kreis. Und je mehr sich webfähige Mobilgeräte ausbreiten, umso mehr würden Audiodienste auch klassischen MP3-Spielern Konkurrenz machen. Die meisten Angebote seien kostenlos, Auswahl und Vielfalt nahezu unbegrenzt. Zunehmend mobil und in ein soziales Netzwerk eingebunden, entspricht Webradio damit den Gewohnheiten vieler junger Menschen: „Das Radio erfindet sich durch das Internet neu.” (dpa)



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