Von Ralf Johnen, 09.02.10, 10:40h, aktualisiert 10.02.10, 09:52h
Konkret möchte der Gönner das ungeliebte Stadthaus aus der Skyline der Bundesstadt entfernen. Das graue Hochhaus gilt in Bonn nicht nur als hässlich, sondern auch als Energie fressender Sanierungsfall. Auf dem Areal, das sich auf der Grenze von Innenstadt und Altstadt befindet, soll stattdessen ein Gebäudekomplex entstehen, der sich in Höhe und Fläche den städtebaulichen Maßstäben der Umgebung anpasst. Auch verfolgt der Entwurf einen modernen stadtplanerischen Ansatz: Neben Geschäften und Büros nämlich sollen darin auch Wohnungen entstehen. Eine Computersimulation, die der potenzielle Stifter vorgelegt hat, zeigt einen fünfgeschossigen Bau mit geschmeidigen Formen. Unter Verwendung von viel Glas passt sich dieser optisch dem nahen Landgericht an.
Als künftige Wirkungsstätte der 1600 Verwaltungsmitarbeiter verhandelt der Stifter derzeit mit dem Land NRW über den Ankauf des ehemaligen Landesbehördenhauses. Dieses befindet sich an der B 9 auf halbem Wege nach Bad Godesberg und ist seit vier Jahren ungenutzt. Für den Fall, dass der Deal gelingt, beabsichtigt der potenzielle Wohltäter hier ein neues Technisches Rathaus zu errichten. Alternativ werde geprüft, ob durch Umbaumaßnahmen ein neuwertiger Zustand der Immobilie erreicht werden könne. Auch für diesen Standort liegt der Stadt eine Simulation vor, die ein Gebäude in sachlich-moderner Formensprache zeigt.
Sollte die Stadt auf den Vorschlag eingehen, müsste sie fortan Miete für die Nutzung der Bauten zahlen. Ein Fünftel davon würde der Wohltäter für soziale Projekte in der Stadt zur Verfügung stellen. Der Rest ginge an eine Stiftung. Nach dem Tod des Gönners würde das angehäufte Geld ebenfalls für karitative Zwecke ausgegeben.
Auch die Zahlung von Mietzins dürfte für die Stadt erhebliche Einsparungen mit sich bringen. Das vorhandene Stadthaus aus dem Jahre 1978 gilt nicht nur als hässlich, sondern auch als beispielloser Energiefresser. Ein hausinterner Sanierungsplan sieht allein für die kommenden zehn Jahre Investitionen von 80 Millionen Euro vor.
Das Haus der Bildung würde ebenfalls mitten in der Stadt entstehen. Als Standort ist das ehemalige Stadthaus am Bottlerplatz im Gespräch, das der Stifter über eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts erwerben würde. Zurzeit befindet sich hier noch die Stadtbücherei. In Kombination mit einem angrenzenden Gebäude oder einem Erweiterungsneubau soll der Komplex künftig auch die Volkshochschule beherbergen.
Über die Realisierbarkeit des Vorhabens schwelt aufgrund der Kostenprognosen von etwa 20 Millionen Euro seit Jahren ein politischer Streit. Gleichwohl wurde kürzlich ein Ratsbeschluss für die Verwirklichung des Projekts verabschiedet. Im letzten Entwurf allerdings fehlen Unterbringungsmöglichkeiten für Stadtmuseum und die Bonner Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus. Zurzeit ist unklar, ob die Pläne aufgrund der neuen Sachlage abermals überdacht werden.
Für die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen signalisierten Benedikt Hauser und Dorothee Paß-Weingartz bereits ihre grundsätzliche Zustimmung. Gleichwohl müsse das Angebot „sehr sorgfältig geprüft werden“. Dies gelte auch für die finanzielle Belastbarkeit von Stifter und Stadt. Der Stifter hat seine Bereitschaft erklärt, seine Pläne persönlich einem kleinen Kreis von Entscheidungsträgern vorzustellen.
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