Von Jan Christian Müller und Thomas Kilchenstein, 09.02.10, 14:13h, aktualisiert 09.02.10, 20:03h
Er könne inzwischen nachvollziehen, dass Präsident Zwanziger verärgert gewesen sei darüber, wie die Verhandlungen vonstatten gegangen seien. „Wenn ich eines gelernt habe, dann dieses“, sagte Bierhoff kleinlaut, „ich werde nie wieder bei ersten Vertragsgesprächen schriftlich etwas vorlegen, sondern immer erst atmosphärisch vorfühlen.“
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Der smarte Manager der Nationalmannschaft hatte Mitte Januar die DFB-Spitze mit einem schriftlichen, millionenschweren Vertragswerk für den kompletten Trainerstab inklusive Manager und Scout vor den Kopf gestoßen, in dem eine Reihe von Maximalforderungen aufgelistet waren, die Zwanziger so nicht akzeptieren konnte und wollte. „Ich habe die Verträge gesehen und gedacht, so geht es aber nicht“, sagte Zwanziger am Dienstag auf einer Pressekonferenz, auf der ein Deckel auf einen brodelnden Topf gelegt werden sollte. „Der WM ist alles unterzuordnen“, so Zwanziger, der einräumte, in den letzten Tagen sei bei ihm „emotional etwas kaputt“ gegangen.
Alle Beteiligten waren am Dienstag sichtbar bemüht, die Wogen zu glätten und wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Dass das nicht ganz einfach werden würde, war ebenfalls mit Händen zu greifen. Die Verletzungen sind noch zu frisch. „Wir hatten“, fasste DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zusammen, „richtig Stress miteinander gehabt.“
Letztlich hatten sich an diesem Dienstag alle vier Granden aus der Führungsspitze ein bisschen entschuldigt. Auch Bundestrainer Joachim Löw räumte Fehler ein, ohne allerdings konkret zu werden. Generalsekretär Wolfgang Niersbach, jahrzehntelang für die externe Kommunikation beim DFB verantwortlich, kritisierte sich selbst für die tagelange Sprachlosigkeit und den fehlenden direkten Kontakt unter Männern, die sich eigentlich gar nicht so schlecht verstehen würden. Niersbach: „Was sind wir eigentlich für Hornochsen! Wir sind uns in so vielen einig und dann lassen wir es zu, dass wir nach außen einen solchen Eindruck hinterlassen.“ DFB-Boss Zwanziger schließlich mühte sich zu einer Erklärung für die als ungebührlich empfundene 48-Stunden-Frist für Löw. „Ich wollte nie ein Ultimatum setzen. Es war vielmehr ein Versuch zu retten, was noch zu retten ist.“
Neben dem brüchigen Frieden, der da im Frankfurter Stadtwald mühevoll zusammengezimmert wurde, bleibt an Fakten festzuhalten: Der Vertrag mit Bundestrainer Löw und dem Trainerstab wird vor der WM in Südafrika definitiv nicht verlängert. „Vertragsgespräche wird es erst nach der WM geben“, sagte Präsident Zwanziger. Denn: „Wenn eine gut gemeinte Idee so in die Hose geht, macht es keinen Sinn mehr, sie weiter aufzugreifen.“ Zwanziger plädierte dafür, erst einmal Zeit verstreichen zu lassen. „Jetzt spielen wir die WM und dann sehen wir weiter.“ Er musste aber auch eingestehen, dass der öffentlich ausgetragen Zwist bei allen Beteiligten Narben hinterlassen hat: „Jetzt ist morgen nicht wieder alles wie gestern.“
Ob Löw, dessen Vertrag bis zum 31. Juli dieses Jahres ausläuft, tatsächlich nach den Spielen von Südafrika weitermacht, ist momentan ungewiss. Derzeit sieht es eher nicht danach aus. Für Löw ist seine offene Zukunft aber kein Problem: „Damit kann ich hervorragend leben. Damit gehe ich sehr professionell um.“
Zwanziger ließ keinen Zweifel daran, dass für ihn der Bundestrainer unantastbar ist: „Erfolg ist nur mit diesem Trainer machbar. Alle anderen sind irgendwie auswechselbar.“ Das gelte auch für Oliver Bierhoff, dessen Weiterbeschäftigung nach der WM in Frage steht. Der DFB kann sich durchaus vorstellen, weiter mit Löw, aber ohne Bierhoff zu arbeiten. Das erste Länderspiel nach der WM findet am 11. August in Dänemark statt.
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