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Bundeswehr

Rohe Leber bis zum Erbrechen

Erstellt 10.02.10, 08:34h, aktualisiert 10.02.10, 08:52h

Über entwürdigende Mutproben und Schikane berichten oberbayerische Gebirgsjäger. Sie seien gezwungen worden, rohe Leber zu essen und bis zum Erbrechen Alkohol zu trinken. Wehrbeauftragter Robbe befürchtet eine „Angelegenheit größerer Dimension“.

Gebirgsjäger
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Gebirgsjäger mit Mulis und Haflingerpferden. (Bild: ddp)
Gebirgsjäger
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Gebirgsjäger mit Mulis und Haflingerpferden. (Bild: ddp)
MITTENWALD/SIGMARINGEN - Die Bundeswehr sieht sich neuen Missbrauchsvorwürfen ausgesetzt: Ein ehemaliger Soldat der im oberbayerischen Mittenwald stationierten Gebirgsjäger hat sich beim Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, über entwürdigende Mutproben und Aufnahmerituale beschwert. Demnach sollen Bundeswehrangehörige ihre Kameraden unter anderem dazu gezwungen haben, bis zum Erbrechen Alkohol zu trinken und rohe Schweineleber mit Hefe zu essen. Ein Bundeswehrsprecher kündigte rasche Aufklärung an.

Den Vorwürfen zufolge mussten sich Soldaten in Mittenwald ferner vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden ausziehen. Robbe sprach von einer "Angelegenheit von offenbar größerer Dimension". Deshalb müsse den Vorwürfen mit Nachdruck und Priorität nachgegangen werden. In einer Mitteilung an den Verteidigungsausschuss des Bundestags spricht Robbe von Aufgaben, die zum Teil "als erniedrigend und herabwürdigend" anzusehen seien. Vorgesetzte hätten davon Kenntnis gehabt, seien aber nicht eingeschritten.

Mit den Ermittlungen wurde begonnen

Der zuständige Presseoffizier der 10. Panzerdivision in Sigmaringen, Peter Wozniak, sagte der Nachrichtenagentur ddp, die Beschwerde des Soldaten beziehe sich auf einen Vorfall aus dem Juni 2009. Er bestätigte den Eingang der Beschwerde bei dem in der Edelweiß-Kaserne in Mittenwald untergebrachten Gebirgsjägerbataillon 233. Seit 4. Februar liege den zuständigen Stellen die Eingabe des ehemaligen Soldaten zur Stellungnahme vor. Die Verantwortlichen hätten "unmittelbar mit den Ermittlungen begonnen".

Bei der Beschwerde des Soldaten handele es sich um einen Vorfall, der sich vermutlich ohne Wissen von Vorgesetzten nur innerhalb von Mannschaftsdienstgraden abgespielt habe, sagte Wozniak. Erniedrigungen durch Vorgesetzte seien nicht bekannt. Allerdings bestätigte er auch Untersuchungen von Fällen, in denen Vorgesetzte von den Vergehen gewusst haben sollen, aber nicht eingeschritten seien.

Der Bundeswehrsprecher räumte ein, dass sich in der Truppe solche "Rituale seit Ende der 1980er Jahre eingebürgert" hätten. In den vergangenen Jahren hätten sie sich in ihrer Ausprägung und Intensität noch gesteigert. Die Bundeswehr nehme die Sache "sehr ernst". Nach bisherigem Erkenntnisstand hätten die Erniedrigungen größtenteils außerhalb der Dienstzeit und weitgehend außerhalb der Kaserne stattgefunden. Daran waren nach Angaben Wozniaks auch mittlerweile aus dem Dienst ausgeschiedene Männer beteiligt. Sollten sich die Vorwürfe im Laufe der Ermittlungen bestätigen, würden disziplinarische und strafrechtliche Maßnahmen ergriffen. Die Bandbreite der möglichen Konsequenzen reiche von schriftlichen Zurechtweisungen bis hin zur Entlassung aus dem Militärdienst.

Im bislang jüngsten Missbrauchsskandal bei der Bundeswehr hatte das Landgericht Münster 2008 fünf ehemalige Ausbilder unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und entwürdigender Behandlung von Untergebenen zu Bewährungsstrafen verurteilt. Nach Ansicht des Gerichts hatten die Angeklagten im Sommer 2004 bei vier simulierten Geiselnahmen mehr als 160 Rekruten der Coesfelder Freiherr-vom-Stein-Kaserne in Nordrhein-Westfalen misshandelt.

Der Bundeswehrstandort in Mittenwald war bereits 2006 in die Schlagzeilen geraten, nachdem Fotos aus Afghanistan aufgetaucht waren, auf denen Bundeswehrsoldaten mit einem Totenschädel posierten. Die Aufnahmen sollen auf einer Patrouillenfahrt 2003 entstanden sein.



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