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USA-Reise

Jürgen Rüttgers im Schneesturm

Von Günther M. Wiedemann, 10.02.10, 12:26h, aktualisiert 10.02.10, 12:34h

Washington wirkt gespenstisch leer in diesen Tagen - ein heftiger Schneesturm hat die Ostküste der USA getroffen. Zu den Leidtragenden zählen auch auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und seine Delegation.

Rüttgers in Washington
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Im Wahlkampf muss man sich warm anziehen - in Washington DC auch...
Rüttgers in Washington
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Im Wahlkampf muss man sich warm anziehen - in Washington DC auch...
The White House
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Das Weiße Haus im Schnee. (Bild: dpa)
The White House
WASHINGTON - Jürgen Rüttgers nimmt es mit Humor: „Es gibt existenziellere Krisen, als in diesem Hotel zwei Tage länger zu bleiben.“ Dem Ministerpräsidenten aus Düsseldorf droht, im tief verschneiten Washington so gut wie sicher stecken zu bleiben. Er nimmt es dennoch gelassen.

Die US-Hauptstadt wirkt gespenstisch ruhig; nur wenige Autos fahren, nein kriechen auf schlecht geräumten Straßen. Fußgänger müssen an Kreuzungen durch große Schneemassen stapfen; der heftigste Schneesturm seit 1922 hat am letzten Wochenende 50 Zentimeter Niederschlag gebracht. Viele Behörden und Geschäfte sind geschlossen. Alle Schulen sind dicht. Busse und U-Bahnen fahren nur sporadisch.

Und allein schon die Ankündigung eines neuen Schneesturms für die Region lähmt das öffentliche Leben in Washington weiter und bläst viele Termine des CDU-Politikers einfach weg; Gesprächspartner können nicht nach Washington kommen oder verlassen die Stadt vorzeitig. Bewohner der Alpen können sich nur wundern.

Die US-Hauptstadt wird zum „Gefängnis“ für jeden, der es nicht rechtzeitig schafft wegzukommen. Zu diesen „Gefangenen“ zählen auch Jürgen Rüttgers und seine Delegation. Die geplante Weiterreise nach Kalifornien ist praktisch ausgeschlossen. Flüge sind gestrichen. Züge raus aus dem Schneechaos sind entweder ausgebucht (nach New York) oder bieten keine Garantie, von Philadelphia aus an die Westküste der USA fliegen zu können.

Abwarten ist also für die Gruppe aus NRW angesagt. Warten, ob nicht doch noch ein Flieger nach Los Angeles abhebt. Oder warten, bis die Lufthansa wieder von Washington nach Deutschland fliegt. Vielleicht an diesem Donnerstag, vielleicht am Freitag. Im Hotel Hay Adams, wo Barack Obama die Nacht vor seiner Amtseinführung verbracht hat, fällt das Warten leicht. Das renommierte Haus gegenüber dem Amtssitz des US-Präsidenten ist ein recht luxuriöses „Gefängnis“.

Trotz all der Widrigkeiten kann Jürgen Rüttgers in Washington dennoch mit dem einen oder anderen Kongressmitglied darüber sprechen, welche Erfolgschancen der US-Präsident bei seinen Reformplänen noch hat. Mit John Podesta, dem Chef einer wichtigen amerikanischer „Denkfabrik“, kann er sich austauschen über die künftige Klimapolitik Washingtons.

Auch der Empfang des deutschen Botschafters für die Delegation aus NRW findet statt. Allerdings mit kleinerer amerikanischer Besetzung. Vor der wirbt Jürgen Rüttgers für eine starke transatlantische Partnerschaft. In seinem Manuskript für einen Vortrag an der University von Georgetown - die Rede fällt wegen des Schnees aus - mahnt er, die „Einheit des Westens“ nicht aus Spiel zu setzen, sondern zu stärken, wozu die Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ unabdingbar sei. Der CDU-Politiker ruft dazu auf, „die Herzen und Köpfe von Hunderten Millionen Menschen in der islamischen Welt zu gewinnen“. Denn den Kampf gegen den Terror „können Europäer wie Amerikaner nicht allein auf den Schlachtfeldern in Afghanistan, im Irak oder wo immer gewinnen.“

Obwohl der Ministerpräsident nicht zum ersten Mal bei seiner traditionellen Vor-Karneval-Reise in die USA witterungsbedingt Abstriche beim Programm hinnehmen muss, hält er an diesem Zeitfenster für den nächsten USA-Besuch fest; denn „2011 ist Rosenmontag erst am 6. März“. Vorher aber ist erst noch die NRW-Landtagswahl; die entscheidet, ob er dann als Ministerpräsident oder nur als CDU-Politiker reisen wird.



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