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U-Bahn

Pfusch beim Bau noch viel größer

Von Andreas Damm und Detlef Schmalenberg, 11.02.10, 16:53h, aktualisiert 23.02.10, 16:01h

An der Baugrube am Heumarkt wurden nur 17 Prozent der notwendigen Eisenbügel eingebaut. Das hat eine Überprüfung der Baustellen für die Nord-Süd-Bahn ergeben. Erste Befürchtungen über eine Einsturzgefahr bestätigten sich nicht.

Nord-Süd-Bahn
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Baustelle Nord-Süd-Bahn. (Bild: Grönert)
Nord-Süd-Bahn
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Baustelle Nord-Süd-Bahn. (Bild: Grönert)
Innenstadt - Oben feierten die Jecke fröhlich Weiberfastnacht, unten in der Grube der U-Bahn-Haltestelle Heumarkt wurde gemeißelt und gerechnet. Baufachleute der Stadt, des Tüv und mehrerer Unternehmen, eiligst herbeibestellt von Oberbürgermeister Jürgen Roters, prüften die Sicherheit einer der größten Baustellen in der Innenstadt. Kurz zuvor hatte der OB eine alarmierende Nachricht erhalten: Experten hatten schwerwiegende Baumängel entdeckt - Einsturzgefahr nicht ausgeschlossen.

Am Donnerstagmorgen waren in der Grube Heumarkt Teile der äußeren Schutzwände aufgestemmt worden. Dabei wurde festgestellt, dass 83 Prozent der Sicherungsbügel aus Eisen fehlten, die die Betonwand stabilisieren sollen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hatte am Dienstag berichtet, dass auch an der U-Bahn-Baustelle Waidmarkt, die als Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs gilt, zahlreiche Bügel nicht eingebaut wurden. Der Polier der Grube und dessen Mitarbeiter sollen die Metallteile gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft haben. Nach Zeugenaussagen sollten an den Baustellen Waidmarkt, Rathaus und Heumarkt etwa ein Drittel bis zur Hälfte der Bügel fehlen, was Experten einem internen Vermerk zufolge als „deutlich problematisch“ ansehen.

Als die Experten am Donnerstagmorgen die U-Bahn-Wände am Heumarkt öffneten, mussten sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass weitaus mehr Bügel fehlten als angenommen. Die bisherigen Berechnungen zur Standsicherheit waren somit hinfällig. Oberbürgermeister Roters rief sofort ein Spezialistenteam zusammen. Stadtspitze, Kölner Verkehrs-Betriebe, Polizei und Feuerwehr wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Vorsorglich wurden Pläne für eine Evakuierung der Umgebung der Baustelle vor dem Maritim-Hotel erarbeitet. Am Abend erfolgte die Entwarnung. Die Baustelle sei sicher.

Der Verkehr sei „nicht beeinträchtigt, die Bahnen fahren wie gewöhnlich“, teilte das städtische Presseamt am späten Abend mit. „Auch die Schul- und Veedelszüge sowie der Rosenmontagszug sind nicht betroffen und können ohne Beeinträchtigung durchgeführt werden.“ Unabhängig vom Ergebnis der statischen Berechnungen ordnete Roters für die Baustelle am Heumarkt Dauerkontrollen an. Techniker und Ingenieure sollen pausenlos vor Ort sein, um jede noch so geringe Veränderung zu melden. Sensoren dienen als weitere Absicherung.

Als Ursache für den Archiveinsturz am Waidmarkt im März 2009 kommen die fehlenden Bügel nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nicht infrage. Fragen, wie der Pfusch bei der Abnahme des Bauabschnitts unbemerkt bleiben konnte, wollte die KVB dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht beantworten. Dies sei „Teil der umfangreichen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen“.

Nach dem Archiveinsturz, bei dem zwei Männer gestorben sind, ist die Bauaufsicht von der KVB auf die Bezirksregierung Düsseldorf übertragen worden. Mit der örtlichen Überwachung der Baustelle am Waidmarkt hat das städtische Verkehrsunternehmen nach dem Unglück eine externe Fachfirma beauftragt.



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