Erstellt 14.02.10, 10:53h, aktualisiert 14.02.10, 13:04h
Rund 6400 Rechtsextreme hatten sich am Samstag nach Polizeiangaben zu einer von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) angemeldeten Kundgebung in Dresden versammelt. Stundenlang harrten sie auf dem abgesperrten Platz vor dem Neustädter Bahnhof aus, ausgerechnet an jenem Ort, der während der Nazi-Herrschaft Ausgangspunkt oder Zwischenstation für die Deportation jüdischer Familien war. Von dort aus wollten die Rechtsextremen zu einem sogenannten Trauermarsch durch die Stadt starten. Dies aber scheiterte letztlich am Widerstand tausender Gegendemonstranten - für die Rechtsextremen eine klare Niederlage.
Dass die Neonazis nicht vom Fleck kamen, war vor allem ein Erfolg des Bündnisses "Dresden Nazifrei". Bereits im Vorfeld hatte das Bündnis, das unter anderem von den Jusos, Gewerkschaften, den Grünen, Bundestagsabgeordneten, antifaschistischen Initiativen und Künstlern unterstützt wird, zu Massenblockaden aufgerufen mit dem Ziel, den Neonazi-Aufzug zu verhindern.
Die Gegendemonstranten blockierten strategisch wichtige Punkte wie Brücken, Kreuzungen oder Unterführungen rund um den Treffpunkt der Rechten. Zeitweilig besetzten sie sogar Bahngleise, so dass der Zugverkehr zwischen den innerstädtischen Bahnhöfen Neustadt und Hauptbahnhof vorübergehend lahm gelegt wurde. Diese Blockadestrategie zahlte sich aus. Erstmalig sei es gelungen, den größten Naziaufmarsch Europas zu stoppen, freute sich Bündnis-Sprecherin Lena Roth.
Zusammenstöße vermeiden
Die Polizei, die mit tausenden Kräften aus mehreren Bundesländern im Einsatz war, hatte vor allem ein Ziel - Rechtsextreme und Gegendemonstranten zu trennen, um Zusammenstöße zu vermeiden. Dennoch kam es zu einigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern beider Lager sowie zu Angriffen auf Polizisten. Die Polizei zählte mindestens 27 Leichtverletzte, darunter 15 Beamte. 29 Anhänger der linken und rechten Szene kamen demnach in Gewahrsam.
Ein Großteil der Menschen zeigte an diesem Samstag aber friedlich Flagge gegen Rechts. Rund 15.000 Bürger und damit deutlich mehr als erwartet beteiligten sich an der Menschenkette um die Dresdner Innenstadt, zu der Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zusammen mit Kirchen und Vereinen aufgerufen hatte. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und die Vizepräsidentin des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt (Grüne), beteiligten sich.
Stummes Zeichen der Trauer
Viele trugen eine weiße Rose an der Jacke als stummes Zeichen der Trauer, aber auch der Mahnung. Über drei Kilometer lang reihten sich die Menschen aneinander, vorbei an der Synagoge und am Altmarkt, wo tausende Tote nach den Luftangriffen eingeäschert wurden. Die Menschenkette umschloss die historische Altstadt zugleich wie eine symbolische Schutzmauer gegen die Rechten. "Den Jung- und Altnazis, die heute wieder versuchen, unseren Tag der Trauer zu missbrauchen, stellen wir uns entgegen. Dresden will sie nicht", sagte Orosz unter dem Beifall der Tausenden.
Ilse und Helga Robel sehen die zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen mit gemischten Gefühlen. "Das Treiben der Rechtsextremen darf nicht toleriert werden", meinte Helga Robel. Gemeinsam mit ihrer Schwester wollte sie aber lieber still der Opfer des Bombardements gedenken und vor der wiederaufgebauten Frauenkirche eine Kerze entzünden. (afp)
Ergänzung des Artikels
14.02.2010 | 15.11 Uhr | Nixalsverdruss
... und die Vizepräsidentin des Bundestages, Katrin Göring-Eckardt (Grüne), ....
sowie Petra Pau (ebenfalls Vizepräsidentin des Bundestages) neben…
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