Von Helmut Frangenberg, 16.02.10, 10:31h, aktualisiert 16.02.10, 18:23h
Die Wagen sind auffällig schön in diesem Jahr, die Motive toll umgesetzt: Nur an Kölns neuem Oberbürgermeister Jürgen Roters muss noch etwas gefeilt werden. Der fährt als fast nackter Pappmaché-Herkules mit, der einen Saustall ausmisten soll. Der Echte geht zu Fuß bei der Kölnischen KG mit als einer von rund 11.000 Zoch-Teilnehmern. Die Berge an Kamelle und Strüßjer, die sie unters jecke Volk werfen, können keinesfalls als Beleg für die hier oft zitierte Wirtschaftskrise herhalten.
Die Jecke bedankten sich mit bester Feierlaune, ab 12.45 Uhr bützt auch Petrus mit. Aus den Lautsprecherboxen scheppert „Wenn de Sonn schön schingk“. Die Kälte stört keinen mehr, und der jungen Dame aus Amerika, die neben dem Autor dieser Zeilen mit roten Pumps auf einer Lastwagenpritsche schunkelt, kann geholfen werden: Ihr werden Fingerhandschuhe über die Füße gezogen. Sie freut sich über ihren Präsidenten, dem „Miss Liberty“ auf dem Wagen der Deutzer KG Schäl Sick Feuer unterm Hintern macht.
Die Wagen persiflierten die Weltpolitik, eine zerstrittene Bundesregierung und die Kölner Kommunalpolitik. Nimmt man die Motive als Gradmesser für Beliebtheit, dürften die KVB nicht mehr zu unterbieten sein. Vor allem kommt der Zoch 2010 jedoch als Kulturbotschafter daher: Künstler wie Bananensprayer Thomas Baumgärtel, Merlin Bauer und Wolfgang Niedecken haben Motive für aufwändige Wagen beigesteuert.
Karnevalisten mischen sich in die kulturpolitischen Debatten ein - mit deutlicher Sprache: Mutter Colonia liegt mit weit aufgerissenen Augen auf dem OP-Tisch, wo ihr „Dr. Politik“ das Herz heraus reißt. Ohne Kultur muss der Patient sterben. Unter dem Motto „Ihr seid Künstler und wir nicht“ wird gegen den Schauspielhaus-Abbruch protestiert.
Am meisten Spaß machen jedoch wieder einmal die vielen kleinen Impressionen: die fliegenden Damen der Tanzgruppe „Rheinveilchen“, die tollen Musikkapellen vor allem aus der Schweiz, die feiernde Belegschaft des Kölner Zoos, die anlässlich ihres Jubiläums mitgehen durfte.
Nach knapp fünf Stunden endet das bunte Spektakel mit dem neuen, sehr schicken Prunkwagen für Prinz Karneval, Markus I. Weit über eine Million Jecke sind von einem wunderschönen Zoch gebützt worden.
Ruhig und diszipliniert ist der Karneval auch aus Sicht der Kölner Behörden verlaufen. "Die Leute waren nicht nur fröhlich, sondern auch friedlich", sagte Polizeisprecherin Cathrine Maus am Dienstag. Schnee und Minusgrade hätten bei den Jecken für "ein nicht ganz so erhitztes Gemüt" und damit im Vergleich zum letzten Jahr für "insgesamt weniger Probleme" gesorgt. Mit dazu beigetragen hat nach Angaben der Stadt auch das Glasverbot während der Karnevalstage. (mit dpa)
Alaaf!: Alle Bilder vom Karneval 2009/2010
Bilanz: Rosenmontag verlief friedlicher
Promis im Zoch: Kamelle-Wurf bald olympisch?
Rosenmontag: Eiseskalt in Kölle jebütz'
Chefredakteur beim Zugleiter: Was für eine heile Welt
Stadtarchiv: Vor dem Loch rechts ab
Bildergalerie: Jeckes Zöch-Publikum: Bilder von Peter Rakoczy
Bildergalerie: Kleine und große Jecken: Bilder von Max Grönert
Bildergalerie: Total jeck: Bilder von Michael Bause
Bildergalerie: Rosenmontag gebützt: Bilder von Arton Krasniqi
Bildergalerie: Promis beim Rosenmontagszug
ksta.tv: Partystimmung beim Rosenmontagszug
ksta.tv: Impressionen vom Rosenmontagszug
Rosenmontagszug / Zuschauer
16.02.2010 | 18.09 Uhr | Zettel
Wenn 1,3 Millionen Menschen am Zugweg gestanden haben sollten, dann waren auf jedem Meter Zugweg 185,7(!) Zuschauer, d.h. 93 Jecke auf jedem Meter…
1,3 Millionen Zuschauer sollen es 2010
16.02.2010 | 17.24 Uhr | StKarl
live vor Ort gewesen sein. Da nicht jeder Kölner den RM-Zoch sehen kann oder will, dürfte also locker mehr als eine halbe Millionen Menschen von…
@besserwisser
16.02.2010 | 12.49 Uhr | pidiwaan
Wohnungsbreite 5 m, 50 Leute macht 5 Reihen, Beispiel Severinsstr. 5 Reihen unten, 3 Stockwerke mit 5 Reihen darüber macht 20 reihen, fehlen…
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige