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Rosenmontag

Den Aufschwung wachgeküsst

Von Helmut Frangenberg, 16.02.10, 10:31h, aktualisiert 16.02.10, 18:23h

Auffällig schöne Wagen, toll umgesetzte Motive, gut gelaunte Jecke: Der Kölner Rosenmontagszug war wunderbar. Auch die Polizei zog am Tag danach eine zufriedene Bilanz. Friedlich und ruhig sei der Umzug verlaufen.

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Gerät ins Wanken: Das Kölnische Stadtmuseum kriegt keinen Anbau, die Stifter wurden vergrault. (Bild: Rakoczy)
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Gerät ins Wanken: Das Kölnische Stadtmuseum kriegt keinen Anbau, die Stifter wurden vergrault. (Bild: Rakoczy)
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Treffsicher: Prinz Markus I., Markus Zehnpfennig. lässt die Jecken an seinem Triumph teilhaben - in Form von Schokolädchen. (Bild: Rakoczy)
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Problemlösung auf kölsche Art: Das Historische Archiv der Stadt ist platt. Gelassen und mit dicker Haut sitzt's der (Verwaltungs-)Elefant aus - und wieder will's keiner gewesen sein. (Bild: Rakoczy)
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Köln - Das „Wirtschaftswunderland“ sucht einen Prinzen, der jot bütze kann. Finanzkrise, Wirtschaftsflaute - der Aufschwung will wachgeküsst werden und noch ist unklar, wer diese Aufgabe übernehmen kann. Auf einem tollen Motivwagen, mit dem die Karnevalsgesellschaft Alt Severin durch die Stadt fährt, sind die Gestalten aus dem alten Michael Jackson Video „Thriller“ auferstanden: Es sind untote Banker, die die Gier nicht ruhen lässt.

Die Wagen sind auffällig schön in diesem Jahr, die Motive toll umgesetzt: Nur an Kölns neuem Oberbürgermeister Jürgen Roters muss noch etwas gefeilt werden. Der fährt als fast nackter Pappmaché-Herkules mit, der einen Saustall ausmisten soll. Der Echte geht zu Fuß bei der Kölnischen KG mit als einer von rund 11.000 Zoch-Teilnehmern. Die Berge an Kamelle und Strüßjer, die sie unters jecke Volk werfen, können keinesfalls als Beleg für die hier oft zitierte Wirtschaftskrise herhalten.

Die Jecke bedankten sich mit bester Feierlaune, ab 12.45 Uhr bützt auch Petrus mit. Aus den Lautsprecherboxen scheppert „Wenn de Sonn schön schingk“. Die Kälte stört keinen mehr, und der jungen Dame aus Amerika, die neben dem Autor dieser Zeilen mit roten Pumps auf einer Lastwagenpritsche schunkelt, kann geholfen werden: Ihr werden Fingerhandschuhe über die Füße gezogen. Sie freut sich über ihren Präsidenten, dem „Miss Liberty“ auf dem Wagen der Deutzer KG Schäl Sick Feuer unterm Hintern macht.

Die Wagen persiflierten die Weltpolitik, eine zerstrittene Bundesregierung und die Kölner Kommunalpolitik. Nimmt man die Motive als Gradmesser für Beliebtheit, dürften die KVB nicht mehr zu unterbieten sein. Vor allem kommt der Zoch 2010 jedoch als Kulturbotschafter daher: Künstler wie Bananensprayer Thomas Baumgärtel, Merlin Bauer und Wolfgang Niedecken haben Motive für aufwändige Wagen beigesteuert.

Karnevalisten mischen sich in die kulturpolitischen Debatten ein - mit deutlicher Sprache: Mutter Colonia liegt mit weit aufgerissenen Augen auf dem OP-Tisch, wo ihr „Dr. Politik“ das Herz heraus reißt. Ohne Kultur muss der Patient sterben. Unter dem Motto „Ihr seid Künstler und wir nicht“ wird gegen den Schauspielhaus-Abbruch protestiert.

Am meisten Spaß machen jedoch wieder einmal die vielen kleinen Impressionen: die fliegenden Damen der Tanzgruppe „Rheinveilchen“, die tollen Musikkapellen vor allem aus der Schweiz, die feiernde Belegschaft des Kölner Zoos, die anlässlich ihres Jubiläums mitgehen durfte.

Nach knapp fünf Stunden endet das bunte Spektakel mit dem neuen, sehr schicken Prunkwagen für Prinz Karneval, Markus I. Weit über eine Million Jecke sind von einem wunderschönen Zoch gebützt worden.

Ruhig und diszipliniert ist der Karneval auch aus Sicht der Kölner Behörden verlaufen. "Die Leute waren nicht nur fröhlich, sondern auch friedlich", sagte Polizeisprecherin Cathrine Maus am Dienstag. Schnee und Minusgrade hätten bei den Jecken für "ein nicht ganz so erhitztes Gemüt" und damit im Vergleich zum letzten Jahr für "insgesamt weniger Probleme" gesorgt. Mit dazu beigetragen hat nach Angaben der Stadt auch das Glasverbot während der Karnevalstage. (mit dpa)



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