Von Tobias Kaufmann, 19.02.10, 13:13h
Spätestens an diesem Punkt irrt sich das Regime in Teheran gewaltig. Tatsächlich enthält der Bericht offenbar vor allem Indizien, die alle, die sich mit dem iranischen Atomprogramm näher beschäftigen, seit längerem bekannt sind. Die Geschichte über den Test eines atomaren Sprengkopfs stand, mit Hinweis auf IAEO-Quellen, schon vor zwei Wochen in der Süddeutschen Zeitung – und die Berichte, auf die sich die Experten beziehen, sind zudem nicht brandaktuell. Ein Wissenschaftler aus der ehemaligen Sowjetunion, der bei dem Projekt geholfen hat, arbeitet offenbar seit Jahren nicht mehr für den Iran.
Dennoch ist der Report aus Wien nicht „langweilig“, sondern ausgesprochen brisant. Denn er markiert einen Wandel in der Kommunikationsstrategie der IAEO. Vor einigen Wochen musste sich die Behörde etwa aus Israel den Vorwurf anhören, dass die offiziellen Stellungnahmen weit hinter dem tatsächlichen Kenntnisstand zurückbleiben. Im Klartext: Die IAEO spülte nach Ansicht von Sicherheitsexperten ihre Verlautbarungen weich – offenbar in der Annahme, den Iran so besser am Verhandlungstisch halten zu können und keinerlei Deckung für militärische Fantasien zu geben.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Auftritt des iranischen Außenministers Mottaki bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat selbst bedächtige westliche Diplomaten nachhaltig verstimmt. Die US-Regierung, die das Problem Iran jahrelang anderen überließ, will noch im März spürbare Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat bringen. Selbst Russland wird das iranische Gebahren langsam verdächtig. China aber schwankt noch. Dass in dieser Lage der Druck auf Teheran auch durch ein neues Papier aus Wien unterstützt wird, kann Zufall sein – ist es aber sicher nicht. Vielmehr hat der Iran nun einen klaren Hinweis bekommen, dass es langsam ungemütlich werden könnte.
Allerdings schafft der neue Bericht nicht nur für Teheran Erklärungsbedarf. Wieder einmal stellt sich die Frage, warum die Weltgemeinschaft und deren Institutionen nicht schon längst eine härtere Gangart angeschlagen haben. Und wenn man bei dieser Frage erstmal angekommen ist, wird auch die iranische Coolness nachvollziehbar. Bisher nämlich ist noch jeder brüllende Sanktionstiger im Atomstreit mit dem Iran als Verhandlungs-Bettvorleger gelandet.
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Danke für
23.02.2010 | 22.09 Uhr | Kater_Behemoth
die sehr aussagefähige, naja, "Reaktion". Freude mich schon auf die Stellungnahme der Redaktion, vielleicht haben die ja "mehr Zeit".
Übrigens…
Iran2
20.02.2010 | 14.09 Uhr | coers
Mir scheint, ich habe ins Schwarze getroffen - sonst hätten Sie meinen Kommentar veröffentlicht.
Diese Art des Journalismus kennt man ja zu…
Meine Frage an die Redaktion:
19.02.2010 | 22.41 Uhr | Kater_Behemoth
Wieso werden die Kommentare zum Thema Nahost immer einem bekennenden Verteitiger der israelischen Politik überlassen? Wie gesagt, ein Kommentar ist…
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