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Scharfe Kritik

Kubanischer Dissident beigesetzt

Erstellt 25.02.10, 10:50h, aktualisiert 25.02.10, 15:40h

Der nach einem 85-tägigen Hungerstreik verstorbene kubanische Regimegegner Orlando Zapata Tamayo ist unter scharfer Bewachung begraben worden. Menschenrechtler fordern die Freilassung aller politischen Gefangenen auf Kuba.

Kubanischer Dissident
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Der kubanische Dissident Orlando Zapata Tamayo, hier auf einem Archivfoto, hat sich zu Tode gehungert. (Bild: afp)
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Der kubanische Dissident Orlando Zapata Tamayo, hier auf einem Archivfoto, hat sich zu Tode gehungert. (Bild: afp)
HAVANNA/MEXIKO-STADT/WASHINGTON - Der nach einem Hungerstreik im Gefängnis gestorbene kubanische Dissident Orlando Zapata ist am Donnerstag beigesetzt worden. Unter scharfer Beobachtung von Sicherheitskräften sei der Sarg ihres Sohnes vom Haus der Familie im ostkubanischen Banes zum Friedhof der Stadt gebracht worden, sagte Zapatas Mutter, Reina Luisa Tamayo, der Nachrichtenagentur AFP. Viele Weggefährten ihres Sohnes seien bei der Beerdigung an ihrer Seite gewesen, allerdings seien sie von Agenten der Staatssicherheit bedrängt und "bis zum letzten Moment eskortiert" worden, sagte die 60-Jährige. Ein Trauermarsch zu Ehren des mit nur 42 Jahren verstorbenen Zapatas sei verboten worden.

Zapata war am Dienstag an den Folgen eines zwölfwöchigen Hungerstreiks gegen seine Haftbedingungen gestorben. Er war 2003 nach einer Verhaftungswelle zusammen mit 75 anderen Dissidenten zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, die während seiner Haftzeit auf insgesamt 32 Jahre erhöht wurde.

Kubas Präsident Raúl Castro äußerte sein Bedauern über den Tod Tamayos. Zugleich wies Castro im staatlichen Nachrichtenportal "Cubadebate" jegliche Verantwortung der kommunistischen Regierung zurück. "Es existieren keine Gefolterten, es gab keine Gefolterten, es gab keine Hinrichtung", betonte Castro.

Der Oppositionelle Vladimiro Roca verurteilte die Erklärungen Castros als "zynisch". Der Vorsitzende der illegalen sozialdemokratischen Partei Kubas machte die Regierung für den Tod Zapatas verantwortlich. Wie Roca gegenüber der exilkubanischen Internetzeitung "Diario de Cuba" erklärte, zeigte der Leichnam Zapatas Spuren von Schlägen mit Gummiknüppeln.

Trauerfeiern gewaltsam unterbunden

Mit großem Polizeiaufgebot verhinderte Kuba mögliche Trauerkundgebungen in Havanna sowie im zentralkubanischen Ort Banes. Rund 25, nach Angaben von Dissidenten 30 Oppositionelle wurden vorübergehend von der Polizei festgenommen, weitere Dissidenten wurden am Verlassen ihrer Häuser gehindert. Damit habe die Regierung von Präsident Raúl Castro offenbar versucht, die Opposition an der Teilnahme an der Beisetzung von Zapata ím Osten der Insel zu hindern.

"Sein Tod ist eine Tragödie ohnegleichen", sagte der Vorsitzende der Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Versöhnung, Elizardo Sánchez. Die USA, die Europäische Union, Spanien, Frankreich und amnesty international forderten von Kuba die Freilassung aller politischen Häftlinge. Deren Zahl wird von Kubas illegaler Menschenrechtskommission (CCDHRN) auf etwa 200 beziffert.

Nach Ansicht von Amnesty International ist der Hungertod des Dissidenten "eine schreckliche Anklage gegen die fortwährende Repression politische Abweichler in Kuba". Havanna müsse umgehend internationale Experten einladen, um die Menschenrechtslage in dem Land zu untersuchen.

Kritik an Brasiliens Präsident

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" kritisierte scharf die zögerliche Haltung von Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in dem Fall. Er befand sich bis Mittwoch auf Staatsbesuch in Kuba zu Gesprächen mit Raúl Castro sowie dessen Bruder und Vorgänger Fidel Castro. Zuvor hatten 50 politische Häftlinge Kubas Lula in einem gemeinsamen Schreiben aufgefordert, sich für ihre Freilassung, darunter auch Zapatas, einzusetzen. Darauf reagierte Lula nicht, erklärte jedoch am Mittwoch in Havanna sein Bedauern über den Tod Zapatas.

Zapata war Mitglied der Oppositionsgruppe "Republikanische Alternative". Der 42-Jährige wurde bei den Massenurteilen gegen kubanische Oppositionelle im sogenannten schwarzen Frühling 2003 zu drei Jahren Haft verurteilt. Wegen seiner unnachgiebigen Haltung und seiner Proteste gegen die Haftbedingungen erhielt Zapata weitere Strafen, die sich schließlich auf 25 Jahre summierten. Er begann seinen Hungerstreik Anfang Dezember, um seinem Protest Nachdruck zu verleihen.

Die kubanische Führung bestreitet, dass es im Land politische Gefangenen gibt. Oppositionelle und Andersdenkende bezeichnet sie als Spione und Handlanger der US-Geheimdienste und des US-Imperialismus. (dpa, kna, afp)



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