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Grosseinsatz

Fliegende Ziegel, umgekippte Bäume

Von F.A. Heinen und Thomas Schmitz, 28.02.10, 14:55h, aktualisiert 28.02.10, 18:53h

Das Sturmtief „Xynthia“ leistete am Sonntag im Kreisgebiet ganze Arbeit. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, der Leitstelle wurden 230 Sturmschäden zwischen 13 und 17 Uhr gemeldet. Ein Passant wurde verletzt.

Xynthia Vussem
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In Vussem löste sich das Dach der Firma IHZ Feytal. Rund 80 Quadratmeter Wellblech wurden auf die Trierer Straße gefegt. Da sich ein noch größeres Stück ebenfalls vom Dach löste, wurde die Hauptdurchgangsstraße bis Montagmorgen komplett gesperrt. (Bild: Schmitz)
Xynthia Vussem
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In Vussem löste sich das Dach der Firma IHZ Feytal. Rund 80 Quadratmeter Wellblech wurden auf die Trierer Straße gefegt. Da sich ein noch größeres Stück ebenfalls vom Dach löste, wurde die Hauptdurchgangsstraße bis Montagmorgen komplett gesperrt. (Bild: Schmitz)
Dachziegel auf Auto
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Dachziegel lösten sich von einem Haus an der Mittelstraße und stürzten auf die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. (Bild: Schmitz)
Baum auf Dach
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In Schönau wurde ein Baum auf das Dach eines Hauses geblasen. Wegen des Sturmtiefs mussten außerdem etliche Straßen gesperrt werden. (Bild: Görgen)
Dachziegel auf Auto
Baum auf Dach
Kreis Euskirchen - Der schwere Sturm „Xynthia“ mit Orkanböen sorgte ab Sonntagmittag für einen Großeinsatz nahezu aller Feuerwehren im Kreisgebiet. Auf den Eifelhöhen wurden bereits mittags Spitzenböen von deutlich über 120 Stundenkilometern gemessen. Durch den Sturm wurde ein Mensch verletzt. Nach den Vorhersagen sollte das Unwetter bis in die Nachtstunden andauern. Auch am Montag wird es vermutlich noch stürmisch sein. Begleitet wurde „Xynthia“ von ungemütlichem Dauerregen.

Der erste große Einsatz war bereits gegen 11 Uhr bei der Firma IHZ Feytal in Vussem. Dort hatte sich von einem Gebäude das Dach gelöst. Etwa 80 Quadratmeter Wellblech wurden auf die Trierer Straße, also auf die Hauptdurchgangsstraße, geweht. Weitere 120 Quadratmeter drohten sich ebenfalls komplett zu lösen. Weil es für die Feuerwehr und ein Dachdeckerunternehmen lebensgefährlich gewesen wäre, das Dach zu sichern, wurde die Trierer Straße in Vussem von Polizei und Feuerwehr komplett gesperrt.

Ab 13 Uhr meldeten die Bürger dann stellenweise im Sekundentakt bei der Rettungsleitstelle Sturmschäden an. Das Leitstellenpersonal musste dementsprechend aufgestockt werden. Bis 17 Uhr waren 230 Einsätze zu verzeichnen.

Straßen durch Waldgebiete insbesondere in den Höhenlagen mussten durch die Feuerwehr zur Gefahrenabwehr gesperrt werden. Betroffen war beispielsweise die Bundesstraße 258, die kurz vor 14 Uhr durch die Feuerwehr zwischen Blankenheim-Wald und Milzenhäuschen in Absprache mit der Polizei dichtgemacht wurde, zwei Stunden später war dann auch der Streckenabschnitt zwischen Schöneseiffen und Schleiden unpassierbar.

Kein Durchkommen

Auch auf der Landesstraße 115 zwischen Autobahnauffahrt und Freilingen kippte ein Baum nach dem anderen um, die Straße musste gesperrt werden, das galt auch für die L 165 bei Nöthen und die L 159 zwischen Hellenthal und Schöneseiffen. Auf den Kreisstraßen 50 bei Odesheim und 62 bei Hecken war ebenfalls kein Durchkommen mehr.

Ungemütlich war es auf der Landesstraße 113 zwischen Mahlberg und Reckerscheid. Dort waren zwei Bäume umgekippt. Genau dazwischen befand sich ein Autofahrer. Er musste in seinem Fahrzeug verharren, bis die Feuerwehr die Bäume zersägt hatte. In Stotzheim war zwischenzeitlich sogar die Bahnstrecke gesperrt.

Meistens waren es große Bäume, von denen die Gefahren ausgingen. Sie wurden vom Sturm auf die Straßen geblasen, so dass es für die Feuerwehren teilweise lebensgefährlich war, im Wald für freie Straßen zu sorgen. Vielerorts sperrten die Einsatzkräfte deshalb die Verkehrswege rigoros ab. Bäume kippten aber nicht nur auf die Verkehrswege, sondern auch auf Häuser, so etwa auf das Hotel Tannenhof in Iversheim. Bei Burg Zievel wurde ein Auto von einem Baum getroffen.

Anderswo flogen Dachziegel von Häusern auf die Straßen. An der Mittelstraße in Euskirchen wurde ein fahrendes Auto von zwei Dachziegeln an der Windschutzscheibe getroffen. Das Verbundglas wurde beschädigt, hielt aber stand, so dass die Ziegel nicht in den Innenraum eindrangen. „Ich habe echt gedacht, mir wäre jemand reingefahren“, meinte der erschrockene, aber unverletzte Fahrer. Schlimmer erwischte es einen Passanten in Stotzheim. Als er an einem Haus vorbeiging, wurde er von Dachziegeln getroffen und zum Glück nur leicht verletzt.

Auffallend war gestern, dass der Sturm in der Voreifel fast ebenso wütete wie in den Höhenlagen der Eifel. Betroffen waren dort neben Bäumen auch beispielsweise große Werbetafeln. In Mechernich löste sich am Parkplatz eines Supermarktes die Bedeckung des Unterstellhäuschens für die Einkaufswagen und ging schließlich fliegen. Am Parkhaus des Kreiskrankenhauses löste sich eine große Glasscheibe der Verkleidung. In Hellenthal wurde ein Pferdeunterstand weggeweht, in Wüschheim ein Gartenhäuschen. Selbst einzelne Masten waren betroffen, wie etwa bei Oberelvenich, wo ein Funkmast der Telekom umzustürzen drohte. Auch die Stromversorgung einiger Ortschaften brach zusammen, etwa in Houverath und Baasem. Im Nettersheimer Gemeindegebiet versagte sogar das Mobilfunknetz.

Die Einsatzorte der Feuerwehren verteilten sich gleichmäßig im Kreisgebiet, von Schleiden-Wolfgarten bis an die Oberahr und von Zülpich bis ins Münstereifeler Höhengebiet. Die Innenstadt der Kurstadt war im wahrsten Sinne des Wortes leergefegt. Die Polizei fuhr gegen 15 Uhr durch die Gassen der Altstadt und forderte die Bürger auf, in ihren Häusern zu bleiben, weil sich Ziegel von den Dächern lösten.



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