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„Simon's Cat” - Keine Samtpfote

Von Thomas Stillbauer, 05.03.10, 21:00h

„Simon's Cat” kratzt und prügelt sein Herrchen. Mittlerweile wurde das Video bereits 14 Millionen Mal im Internet angesehen. Das Porträt einer rabiaten Comic-Katze, die im weltweiten Netz zum Star wird.

Simon Tofield
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Zeichner Simon Tofield hat noch vier echte, unbekannte Katzen. (Bild: Goldmann Verlag)
Simon Tofield
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Zeichner Simon Tofield hat noch vier echte, unbekannte Katzen. (Bild: Goldmann Verlag)
Es gibt gewisse Regeln im Leben. Erstens: Für ein anständiges Porträt braucht man einen Vor- und möglichst auch einen Nachnamen. Zweitens: Die Frage „Bist du'n Junge oder'n Mädchen?“ sollte geklärt sein. Drittens: Schlafenden Leuten einen Knüppel überzuhauen ist eher keine Empfehlung. Aber man muss auch mal eine Ausnahme machen können.

Ja: „Simon's Cat“ ist kein ordnungsgemäßer Name. Und ja: Das Viech macht mit dem armen Simon noch ganz andere Sachen als die Knüppel-Nummer. Aber die Leute haben sich den Trickfilm 14 Millionen Mal im Internet angeguckt. Und die Geschichte mit der Gartentür auch 14 Millionen Mal. Und das Buch zu den Filmen steht beim Online-Händler Amazon in drei Kategorien auf Platz eins. Höchste Zeit, so einen Star zur Kenntnis zu nehmen.

Wo also kam „Simons Katze“ her? Aus England. Das Erste, was man von ihr sah, waren zwei Ohren, die 2008 im Film „Cat Man Do“ über die Bettdecke des schlafenden Simon Tofield wuchsen, gefolgt von den Augen, das Ganze dann noch einmal kopfüber unter dem Bett. Millionenfache Reaktion im Internet: „Ist – das – süüß!“

Alsbald sprach das Zeichentricktier zum müden Simon (und zu uns): „Meow. Meow!“ Wir übersetzen mal frei: „Mau. Miau. Miau!“ Oder: „Hunger!“ Denn das ist ein Leitmotiv in Leben und Werk von Simon's Cat: Kohldampf. Ein Tier will fressen. Und es ist bereit, fast alles dafür zu tun. Am Ohr ziehen. Gartentüren zerschmettern. Mit dem Knüppel zuhauen.

Na und? Alle Untermieter in Katzenhaushalten kennen das. Katzen wollen fressen, und Katzen bringen die Leute, die sie bei sich wohnen lassen, wenn schon nicht ums Leben, so doch um den letzten Nerv, sollte der Napf leer sein. Mau. Mau. Mau. Was Simon's Cat zum Superstar macht, ist ihre perfekte Mimik und Gestik etwa zum Thema „Schläfst du immer noch!?“ oder „Jetzt schau dir mal an, was für eine super Fliege ich gefangen habe.“ Wie sie sich im Filmvorspann kurz putzt – und dann die Zunge ein bisschen draußen hängen lässt. Genau so sehen Katzen aus. Obwohl diese britische Katze doch nicht mehr ist als vier, fünf Striche und 25 Bilder pro Sekunde.

„Ich arbeitete zu Hause und versuchte, eine neue Computersoftware zu lernen“, erinnert sich der Animationszeichner Simon Tofield. Daraus wurde nichts. An diesem Morgen kam Hugh, seine Katze, und sprang auf ihm herum – Zeit fürs Frühstück. Geboren war die Idee für einen kleinen Film, der seinen Weg ins Videoportal Youtube fand.

Ist Simon's Cat also ein Kater und müsste eigentlich Hugh heißen? Nicht wirklich, denn im Hause Tofield gibt es vier Katzen mit echtem Hunger: Hugh, Maisie, Jess und Teddy. Sie sind Ideengeber für die Geschichten, die Simon über ein Pad und das Programm Adobe Flash direkt in den Computer zeichnet. „Cat Man Do“ löste ein solches Echo aus, dass weitere Abenteuer folgen mussten. Inzwischen sind es sieben teils preisgekrönte Filme von maximal zweieinhalb Minuten, die Tofield zeichnete – und selbst synchronisierte. Mau. Schnurr. Scratch.

Längst veröffentlichen Menschen Filme bei Youtube, in denen echte Katzen so tun, als wären sie Simon's Cat. Besonders rührend: eine winzige Mieze, die den Streifen „Fly Guy“ am PC ansieht und versucht, gemeinsam mit der Filmkollegin die kleine Fliege zu fangen. Zur Serie gehört auch ein Spot für den Tierschutzverein. Der soll die Leute davon abhalten, ihre Liebsten zu mästen. Die Rolle wollte Simon seiner Katze aber nicht zumuten. Dafür nahm er den Hund seiner Schwester – „Simon's Sister's Dog“.



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