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Cloud Computing

Der PC wird zum Auslaufmodell

Erstellt 06.03.10, 12:19h, aktualisiert 06.03.10, 12:20h

Die nächste Revolution der Computerwelt kommt aus den Wolken: Mit "Cloud Computing" wird das ständige Upgraden des Schreibtisch-PCs überflüssig. Experten sagen dem Markt eine Verdreifachung bis zum Jahr 2013 voraus.

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Schlank, schlanker, die neuen Computer: Mit "Cloud Computing" bahn sich eine Revolution in der IT-Branche an. (Bild: dpa)
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Schlank, schlanker, die neuen Computer: Mit "Cloud Computing" bahn sich eine Revolution in der IT-Branche an. (Bild: dpa)
HANNOVER/MÜNCHEN - "Cloud Computing" nennen IT-Profis die neue Art der Vernetzung, die in Zukunft Arbeit und Leben der Menschen prägen soll. Die Branche wittert ein gutes Geschäft. Daten, Programme und selbst die Rechenleistung des Schreibtisch-PCs sollen in vernetzte Rechenzentren verlegt werden. Der Nutzer braucht dann nur noch eine Verbindung ins Internet, um Word-Dokumente oder Powerpoint-Präsentationen zu erstellen, E-Mails zu schreiben oder Videospiele zu nutzen. Nicht mehr nötig ist der gewöhnliche Computer. Da der Benutzer in der neuen Welt aber nicht mehr genau weiß, von wo seine Daten und die Software auf seinen Bildschirm gespielt werden, wurde der englische Begriff für Rechnerdienste aus der "Wolke" -"Cloud Computing" - geprägt.

"So können IT-Leistungen bedarfsgerecht und in Echtzeit über das Internet bezogen und nach wirklicher Nutzung bezahlt werden", erklärt IBM-Deutschlandchef Martin Jetter. Die Marktforschungsfirma Gartner taxiert den globalen Cloud-Markt für 2009 auf 56 Milliarden Dollar, bis 2013 dürften es 150 Milliarden sein. Software und Dienstleistungen dominieren die "Wolke", das wirft höhere Renditen ab als das umkämpfte Geschäft mit der Hardware. Der Branchenverband Bitkom prognostiziert Umsatzsteigerungen in der EU von 20 Prozent pro Jahr. "Das Prinzip, Software-Anwendungen und Rechenleistung nach Bedarf zu nutzen, wird sich auf breiter Front durchsetzen", sagt Verbandschef August-Wilhelm Scheer.

Die klassische IT-Industrie reagiert mit neuen Angeboten. Fujitsu warb auf der IT-Messe Cebit für einen Bildschirm-Arbeitsplatz ohne Computer. Der "Zero Client" besteht nur aus Display, Tastatur und einer Netzverbindung. Der herkömmliche Computer könnte zum Auslaufmodell werden.

Stau auf der Datenautobahn

Doch so weit ist es laut Microsoft-Vorstand Kevin Turner noch nicht. "Neue Produktgattungen wie Apples iPad, Tablet-Computer oder das elektronische Buch Kindle entstehen gerade erst, und in den Schwellenländern wächst der PC-Absatz nach wie vor." Die Zuwächse der PC-Industrie würden auf absehbare Zeit nicht nennenswert gedämpft. "Wir investieren 9,5 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung in diesem Jahr, weil wir das Cloud Computing anführen wollen." Neben klassischen IT- und Softwareanbietern wie IBM oder Microsoft preschen vor allem Internetkonzerne wie Google und Amazon vor. Richtig Geld verdienen bereits die vergleichsweise unbekannten US-Spezialanbieter Citrix und VMWare.

Für Microsoft-Deutschlandchef Achim Berg ist das Thema viel mehr als eine Modeerscheinung: "Cloud Services sind kein Hype, sondern ein Technologiesprung, so wie einst die Einführung des PCs in die Arbeitswelt."

Sicher ist, dass den Netzen eine Datenexplosion bevorsteht, die sie ohne einen massiven Ausbau nur schwer bewältigen können. In Deutschland stieg laut Bitkom allein im vergangenen Jahr das Volumen im Festnetz um 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Gigabyte, im Mobilfunk vervierfachte sich das Aufkommen auf 40 Millionen Gigabyte. Doch das ist nichts gegen die Datenmengen, die sich künftig durch Leitungen und Handynetze quetschen sollen. Der Netzausrüster Nokia Siemens Networks schätzt, dass durch die Verbreitung des mobilen Internet und des Cloud Computing der Datenverkehr bis 2015 um 10.000 Prozent auf 23 Exabytes pro Jahr anschwellen wird. Solche Datenmengen fielen beispielsweise an, wenn 6,3 Milliarden Menschen ein Jahr lang täglich ein digitalisiertes Buch herunterladen würden.

Der gigantische Transfer birgt auch Risiken für die Datensicherheit. So speichern etwa Anbieter von virtuellen Festplatten im Internet die Daten ihrer Nutzer meist in mehreren Rechenzentren rund um den Globus. Die Datenmissbrauchsfälle der Vergangenheit machen die Politik misstrauisch. Kanzlerin Angela Merkel erkundigte sich auf der Cebit am Fujitsu-Stand, wo denn die "Cloud" des Unternehmens schwebe. Der europäische Konzernableger, der bis 2009 zur Hälfte Siemens gehörte, hatte eine halbwegs beruhigende Antwort parat: in Augsburg. (Reuters)



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