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Oscar-Verleihung

Eine Nacht für die Filmgeschichte

Von Milan Pavlovic, 08.03.10, 07:32h, aktualisiert 09.03.10, 12:10h

Als bester Film wurde das Kriegsdrama „The Hurt Locker" ausgezeichnet - und bescherte Kathryn Bigelow den ersten Regie-Oscar für eine Frau überhaupt. Auch Christoph Waltz hat es gepackt: Der Österreicher ist bester Nebendarsteller.

Christoph Waltz
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Christoph Waltz gewinnt den Oscar. (Bild: rtr)
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Christoph Waltz gewinnt den Oscar. (Bild: rtr)
LOS ANGELES - Es war nicht der Abend von „Avatar“. Und dies war wenig überraschend. James Camerons Fantasy-Epos ist zwar das derzeit erfolgreichste Werk der Filmgeschichte. Aber es scheiterte an drei Dingen: an der Antipathie der Hollywood-Gemeinde, welcher der Gigantismus des „Titanic“-Regisseurs suspekt ist; an der Urangst der Schauspieler - die den größten Block unter den rund 6000 Wahlberechtigten stellen -, dass Filme wie „Avatar“ sie irgendwann arbeitslos machen könnten. Und schließlich gab es den Kriegsfilm „The Hurt Locker“, der seit seiner Uraufführung im Herbst 2008 von Kritikern weltweit gefeiert wurde, seit Dezember aber geschickt beworben wurde.

Actionsreicher Irak-Film

„The Hurt Locker“ ist der actionreichste und zugleich psychologisch härteste Beitrag aus dem kommerziell wenig lukrativen Genre des Irak-Films: die Geschichte eines US-Bombenentschärfers im Irak. Inszeniert wurde sie obendrein von einer Frau, Kathryn Bigelow, die - Krönung der Ironie - von 1989 bis 1991 James Camerons Gemahlin war. Die beiden kommen allerdings weiterhin gut miteinander aus. Pikanterweise saß Bigelow am Oscar-Abend im Kodak Theatre in Los Angeles direkt vor ihrem Ex-Mann, und die inzwischen 58-jährige, atemberaubende Action-Spezialistin wirkte, als sie nach fast dreieinhalb Stunden auf die Bühne gerufen wurde, wundervoll ungelenk in ihrem eleganten Abendkleid. Sie ist ganz offenbar an Jeans gewöhnt und schätzt es eher, Regie-Anweisungen zu geben als Reden zu halten.

Als Barbra Streisand den Umschlag öffnete, Luft holte, „Nun, die Zeit ist gekommen“ sagte und damit die Regisseurin zu sich bat, stand Cameron hinter Bigelow und wirkte ehrlich enthusiasmiert. Vielleicht hoffte er noch, wenigstens den Film-Preis zu gewinnen. Aber auch die Kernfrage des Abends wurde wie erwartet beantwortet, mit dem insgesamt sechsten Oscar für „The Hurt Locker“, überreicht von Tom Hanks. Es war eine Nacht, in der Filmgeschichte geschrieben wurde, weil Bigelow als erste Frau überhaupt den Oscar für die beste Regie gewinnen konnte.

Zuvor hatten es die meisten der üblichen Verdächtigen getroffen: Der Österreicher Christoph Waltz eröffnete den Reigen mit seinem gefühlten 500. Preis für seine schillernde Nebenrolle in „Inglourious Basterds“ und würdigte Regisseur Tarantino dafür, ihm wie ein Reiseleiter den Weg in ein neues Filmleben gezeigt zu haben. Das Animations-Wunder „Up“ und sein Komponist Michael Giacchino wurden ihrer Favoritenrolle ebenso gerecht wie „Avatar“ bei den Spezialeffekten, der Ausstattung und der Kameraführung. Die Afro-Amerikanerin Mo'Nique triumphierte für ihre Nebenrolle in „Precious“, einem Drama, das die Benachteiligungen der ungebildeten schwarzen Unterschicht vorführt und dafür mit dem Preis für die Drehbuch-Adaption bedacht wurde. Das war eine der wenigen Überraschungen, so wie später der Moment, als weder die deutsche Produktion „Das weiße Band“ noch „Ein Prophet“ noch „Ajami“ als ausländischer Film gewürdigt wurden, sondern der argentinische Beitrag „Das Geheimnis in ihren Augen“. Andererseits sind in dieser Kategorie wegen besonders restriktiver Regeln Favoriten-Niederlagen an der Jahresordnung.

Weil so viele Gewinner vorgezeichnet waren, hätte die Show den Abend herausreißen müssen. Das tat sie freilich nur selten. Das lag auch an der zum Teil unterirdischen Regie, die nur selten die richtige Einstellung fand. Als Kathryn Bigelow gewann, sah man zehn Sekunden lang eine Totale von oben bot statt nah bei der Siegerin zu bleiben. Auf der Bühne blieb vieles Routine, angefangen bei den lustigen, aber selten umwerfenden Gastgebern Alec Baldwin und Steve Martin.

Das setzte sich fort bei den Filmausschnitten, die wie schlechtere Trailer aussahen, sowie den nur selten inspirierten Präsentatoren. (Schönste Ausnahmen: Robert Downey jr., Tyler Perry und Ben Stiller, der als eingeborener Na'vi aus „Avatar“ erschien.) Viele Dankesreden litten unter dem Zeitdruck, dem sich die Preis-Empfänger ausgesetzt sahen. Eine große Ausnahme des Abends war Sandra Bullock, die für ihre Rolle als unorthodoxe Südstaaten-Mama in „The Blind Side“ ausgezeichnet wurde und drei jener Minuten bot, für die man die Oscars eben immer noch lieben muss. Die bald 46-Jährige würdigte ihre Kolleginnen und dankte ihrer Mutter, einer deutschen Opernsängerin; sie wirkte demütig, eloquent, witzig und selbst dann natürlich, wenn man dachte: Das ist so perfekt, dass sie sich vorbereitet haben muss.

Bullock war mit ihrem Sieg gleichzeitig ein kurioses Novum gelungen - als erste Schauspielerin hatte sie binnen 24 Stunden zwei Extreme vollbracht: Am Samstag hatte sie die „Goldene Himbeere“ für die schlechteste Darstellung des Jahres bekommen (für „All About Steve“); sie hatte den „Preis“ sogar persönlich entgegengenommen, in Jeans und entspannt; nun stand sie in einem Abendkleid, das wie angegossen wirkte, auf der größten Bühne des Showgeschäfts und teilte den Moment mit der Welt. Auf eine Art, dass man ihr sogar verzieh, dass sie soeben der zum 16. Mal nominierten Meryl Streep deren 15. Niederlage beigebracht hatte.



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