Von Tim Stinauer, 08.03.10, 11:19h, aktualisiert 12.03.10, 15:57h
Der abendliche Einsatz in Bayenthal gestaltete sich schwieriger als angenommen. 600 Menschen im direkten Umfeld des Fundortes sollten ab 18 Uhr für die Dauer der Entschärfung ihre Wohnungen verlassen, etwa 35 aber weigerten sich standhaft. „Wir erleben so etwas bei solchen Einsätzen regelmäßig, aber diesmal waren es deutlich mehr Leute, die nicht aus ihren Wohnungen wollten“, berichtete Thomas Klein vom Ordnungsamt. „Wir sind zuerst immer freundlich, dann freundlich und bestimmt, notfalls sehr bestimmt, und erst dann holen wir die Polizei zur Hilfe.“
Auch in diesem Fall konnten erst Polizisten die Anwohner zur Vernunft bringen. Viele der 600 Betroffenen wärmten sich in der Turnhalle einer Schule an der Cäsarstraße auf, in der die Stadt Essen und Getränke bereitgestellt hatte. Die Entschärfung selbst dauerte länger als gewöhnlich. Der Sprengkörper lag knapp unterhalb der Erdoberfläche, er musste erst vorsichtig angehoben werden, bevor der Feuerwerker den Zünder unschädlich machen konnte.
Anschließend durften die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren. Gehbehinderte Menschen brachten die Ordnungskräfte im Auto nach Hause. Von der kurzfristigen Sperrung des Bayenthalgürtels waren auch zwei Buslinien der KVB betroffen. Die Verkehrsbehinderungen hielten sich nach Auskunft des Ordnungsamtes in Grenzen.
Bombe an der Uni
Bereits am Morgen gegen 10 Uhr war auf einer Baustelle zwischen Uni-Hauptgebäude und de4m Wiso-Hochhaus eine englische Fünf-Zentner-Bombe entdeckt worden. Die Evakuierungen rund um die Universität verliefen zwar reibungslos, haben aber für mehrere hundert Studenten ein unangenehmes Nachspiel: Sie müssen ihre Examensklausuren nachschreiben, auf die sie sich wochenlang vorbereitet haben. Es war kurz nach 10 Uhr, die halbe Examensklausur war schon geschrieben, „es lief richtig gut“, erzählt Chemie-Lehramtsstudentin Sarina Heyder. Dann kam ein Institutsmitarbeiter in den Raum. „Wir müssen hier leider unterbrechen“, sagte er. „Es wurde etwas gefunden, das entschärft werden muss. Ich bitte Sie, ruhig zu bleiben und den Raum zu verlassen.“
Sarina Heyder und ihre Kommilitonen dachten an einen Scherz, aber die Mitarbeiter des Ordnungsamtes meinten es ernst. Auf einer Baustelle zwischen dem Uni-Hauptgebäude und dem Wiso-Hochhaus hatten Arbeiter eine englische Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Im Umkreis von 200 Metern wurden alle Gebäude evakuiert - außer einigen Wohnhäusern waren auch das Hauptgebäude der Universität betroffen, das Philosophikum, das Hörsaalgebäude, das Kunsthistorische Institut und das Wiso-Hochhaus. Zwar sind zurzeit Semesterferien, doch im Hörsaal 1 des Wiso-Hochhauses schrieben mehrere Hundert Studenten ihre entscheidenden Examensklausuren. „Darauf konnten wir leider keine Rücksicht nehmen“, sagt ein Ordnungsamts-Mitarbeiter. Insgesamt mussten etwa 5000 Studenten, Dozenten und Verwaltungsmitarbeiter das Gelände der Universität verlassen.
Viele Studenten reagieren fassungslos. In kleinen Gruppen versammeln sie sich auf dem Campus vor dem Hauptgebäude. „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, ich bin gerade völlig planlos, niemand von uns weiß, wie es jetzt weitergeht“, berichtet Sarina Heyder. „Nur noch zwei Stunden, dann wären wir fertig gewesen. Sekt und Cocktails waren schon kaltgestellt“, sagt ihre Freundin Yvonne. Patrick Honecker, Sprecher der Universität, hat Mitleid: „Natürlich ist das schlimm, das verstehe ich sehr gut, aber es gab leider keine Wahl. So etwas ist hier in den letzten 20 Jahren nicht mehr passiert.“
Kurz schöpfen die Studenten noch einmal Hoffnung: Die Nachricht macht die Runde, dass die Klausuren an einem anderen Tag an jener Stelle fortgesetzt werden dürften, wo sie unterbrochen wurden - immerhin. Aber das stimmt so nicht. „Eine Klausur, die abgebrochen wurde, darf nicht weitergeschrieben werden“, stellt Honecker klar. „Die Studenten werden völlig neue Klausuren bekommen.“
Unterdessen sperren Ordnungsamts-Mitarbeiter den Park hinter dem Hauptgebäude. Polizisten bereiten die Sperrung der Universitätsstraße zwischen Zülpicher und Bachemer Straße vor. Der Kampfmittelräumdienst rückt an. Zwei bettlägerige Hausbewohner werden in Sicherheit gebracht. Die übrigen 500 betroffenen Anwohner gehen einkaufen oder zu Freunden und Verwandten. Nur zwei nehmen das Angebot der Stadt an und suchen das Ausweichquartier im Aposteln-Gymnasium in der Biggestraße auf.
Um 12.30 Uhr gibt Entschärfer Wolfgang Wolf Entwarnung: Die Bombe ist unschädlich gemacht. Um diese Zeit wollten die Studenten eigenlich längst ihr Examen feiern. Das müssen sie nun in einigen Wochen nachholen.
Warum abends?
08.03.2010 | 21.20 Uhr | drfloyd
Also eins verstehe ich nicht. Jetzt lag die Bombe da in Marienburg 60 Jahre, da wäre es auf eine Nacht mehr nicht angekommen. Da hätte man ne Wache…
Examensklausur...
08.03.2010 | 16.47 Uhr | fettegrobe
...war im Wisohochhaus, im Hörsaal I um genau zu sein, nicht im Hauptgebäude!
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
22. April 2012,
E-Werk Köln
Foto auf Leinwand günstig vom Testsieger
Werbeagentur Verzeichnis Köln Bonn
Werbeagentur / Internetagentur, Köln
Kfm. Umschulungen + Seminare in Köln
Holzspielzeug gesucht, gefunden, geliebt