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Brief

Vom Leben der Zombies

Erstellt 10.03.10, 23:19h

Der Absender dieses Briefes war selbst im Alter von 10 bis 14 Jahren Schüler der Klosterschule Ettal (1951 bis 1955) und dort den vielfältigen Attacken von kriminellen Ordensgeistlichen ausgesetzt.

Ettal
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Das Kloser Ettal (Bild: afp)
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Das Kloser Ettal (Bild: afp)
Durch heftige Gegenwehr blieb dem Autor des Briefes sexueller Missbrauch erspart, dafür war er aber einer jahrelangen sadistischen Quälerei durch Schläge, Essenentzug, Abstrafung durch schlechte Schulnoten, Schlafentzug und anderes ausgesetzt. Am Ende dieser „Lehrjahre“ in der Hauptwachstumsphase seines Körpers rang er mehrere Monate mit dem Tode und verlor frühzeitig viele Zähne. Er konnte in dieser Zeit die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs auf gleichaltrige Schüler beobachten, die sich von fröhlichen Jugendlichen in Zombies verwandelten.

Vom Leben in der Klosterschule Ettal in den 1950er Jahren und von Missbrauch, Strafe und Leid

Der Brief eines anonymen Betroffenen

Ich glaube nicht, dass die derart Geschädigten eine lebenslange negative Vorprägung jemals wieder ganz abschütteln können. Ein 40 Jahre späteres Treffen der Altettaler, an dem ich erstmals teilnahm, bestätigte diesen Eindruck. Wegen der intensiven religiösen Indoktrination waren diese Jungen nicht so naiv, nicht zu wissen, wozu sie genötigt wurden. Die große Zahl dieser nach dem Zubettgehen auf das Zimmer des päderastischen Erziehers und Geistlichen gebetenen Kinder hießen im Internatsjargon „Herzepopperl“ und wurden wie offizielle Geliebte behandelt, die Vorzugsbehandlungen erfuhren durch Sonderrationen Essen, gute Noten und vieles mehr bis in den religiösen Bereich hinein.

Es gab also ein ausgefeiltes System von Zuckerbrot und Peitsche, um sich die hübschen Jungen gefügig zu machen. Ich kann mich noch heute nicht der Tränen erwehren, wenn ich mich an diese Leidenszeit erinnere. Es würde mich noch schlimmer belasten, wenn nicht indirekt durch mich der schlimmste kriminelle Erzieher und Geistliche ins Zuchthaus gekommen wäre. Das geschah so: Der Vater eines Herzepopperls aus Frankfurt war Protestant. Er erzählte meiner Mutter eines Tages, dass er im Höchstmaß über seinen Sohn irritiert wäre, weil er nur Einsernoten nach Hause brächte, während er andererseits keine vernünftige Zeile nach Hause zu schreiben in der Lage wäre. (Dieser Junge, den ich in Tat noch heute nach über 50 Jahren wie leibhaftig vor mir sehe, war auch sonst sehr zombiehaft seltsam geworden, was jeder Vater hätte bemerken müssen).

Darauf sagte meine Mutter zu ihm: Bei unserem Sohn ist es genau umgekehrt: „Gute Briefe, katastrophale Noten! Ob vielleicht doch etwas an den Geschichten dran ist, die mein Sohn immer erzählt!“ und sie gab ihm dann meine Wahrnehmungen wieder, die ich oftmals zu Hause zum Besten gegeben hatte. Dieser Vater nahm dann seinen Sohn in den Ferien ins Gebet und kurz danach erschien in Ettal die Kriminalpolizei und dieser „Erzieher“ verschwand für viele Jahre im Zuchthaus.

Was diese Erfahrung so bedrückend machte, war, dass alle Eltern unserer Schilderung von Missbrauch und Misshandlung keinen Glauben schenkten und die Ursache für alles Unglück immer nur bei ihren Kindern suchten. Das Auftreten dieser kriminellen Priester gegenüber den Eltern war so überzeugend, dass Ihnen einfach niemand solche Schandtaten zutrauen wollte.

Dieses Ereignis spielte in der ersten Hälfte der 50-Jahre, die bisher nicht in den Fokus der Öffentlichkeit geraten ist. Bisher sind durch den Sonderermittler des Kardinals über 100 Fälle seit den 60er Jahren in Ettal bekannt geworden. Welche Unverfrorenheit, unbeirrt mit diesen Methoden fortzufahren, nachdem ein Mitglied dieses Kollegiums wenige Jahre zuvor ins Zuchthaus musste!

Ettal war meinen Eltern von einem befreundeten Pater aus Lebenhan empfohlen worden, der seinerseits persönlich mit dem Ettaler Internatsleiter befreundet war. Ich vermute deshalb, dass das, was bisher über Lebenhan bekannt geworden ist, auch nur die Spitze eines Eisberges ist.

Der Ettaler Internatsleiter war ein übler Sadist. Es bleibt noch nachzutragen, dass es auch in Ettal Geistliche gab, die ihrem Beruf mit höchster Aufopferung und tadelloser Disziplin nachgingen. Die wunderbare Ordensregel „Ora et labora“ (Bete und arbeite) des Benedikt von Nursia wurde von Ihnen vorbildlich vorgelebt. Ihr Fehler war aber doch, keine wirksamen Kontrollmechanismen eingebaut zu haben, um die extreme Entartung ihrer Mitbrüder zu verhindern.

Die Hauptschuld trägt in meinen Augen der Vatikan, weil er das Zwangszölibat erlassen hat und stur daran festhält, obwohl Paulus die Ehelosigkeit, und hier besonders den Priestern - wie er ausdrücklich betont im direkten prophetischen Auftrag Gottes - verbietet.



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