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Circus Roncalli

„Wunderbar. Ganz wunderbar“

Von Norbert Ramme, 11.03.10, 08:59h, aktualisiert 11.03.10, 13:39h

Gefeiertes Heimspiel: Der Circus Roncalli riss mit seinem neuen Programm das Premierenpublikum von den Sitzen. Stehende Ovationen für Artisten, Musiker und Clowns – und wie gehabt zur Finale ein Tänzchen mit den Zuschauern.

Roncalli 2010
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Sensationell: David Larible ist als Clown das Zentrum der Roncalli-Show. (Bild: Worring)
Roncalli 2010
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Sensationell: David Larible ist als Clown das Zentrum der Roncalli-Show. (Bild: Worring)
Köln - Zuneigung und Liebe der Kölner zu „ihrem“ Zirkus scheinen auf Dauer angelegt zu sein – und auf Gegenseitigkeit. „Ich muss hier in der Manege arbeiten. Das erwarten die Leute“, sagt Zirkus-Direktor Bernhard Paul. Und das sei auch sein ganz persönlicher Dank an Köln. Daher will er beim Gastspiel auf dem Neumarkt so oft es geht dabei sein. In anderen Städten, die anschließend auf dem Terminplan stehen, wird man ihn nur noch sporadisch als Clown Zippo sehen. „Köln ist halt immer etwas ganz Besonderes für unseren Zirkus“.

Das ist dann auch Chefsache, auch wenn seine Nummer noch nicht so ganz fertig ist. Denn für die Proben blieb im Vorfeld nicht allzu viel Zeit. Schließlich eröffnete Roncalli die Saison erstmals mit einem Heimspiel und da ließ Paul die Bären los. Doch die vier Eisbären, die er schön hinter Gittern - in der Pause war der Raubtierkäfig aufgebaut worden - zu den Beatles-Hits „Back in the USSR“ oder auch „Hard Days Night“ tanzen ließ, waren aus weißem weichem Plüsch. Hergestellt von derselben Künstler- und Artisten-Kommune aus der Nähe von Barcelona, die dem vergangene Programm schon die Flusspferde beigesteuert hatte.

Zuvor hatte es schon echte Tiere gegeben: acht Zwergpferde und Ponys – vorgeführt von Dresseur Karl Trunk. Aber brauchen Pferde wirklich einen Kinderspielplatz mit Karussell und Wippe und muss ein Pony ins Bett gesteckt werden?

Der erklärte Liebling der Zuschauer war aber einmal mehr Clown David Larible. Nach großen Erfolgen in Amerika zählt Labrible nun im fünften Jahr zum Roncalli-Ensemble und beeindruckt das Publikum mit kleinen und feinen Gags - und lässt sie mitspielen. „Leute zum Lachen zu bringen ist schon eine große Kunst“, weiß auch Schauspielerin Janine Kunze, die mit Ehemann und Diskotheken-Inhaber Dirk Budach und ihren beiden Kindern in der ersten Reihe mitfieberte. „Dieser Clown ist nicht nur richtig gut, er beherrscht auch ein ganz weitgefächertes Repertoire. Das ist eher selten.“

In der Tat. Larible hat stets die Lacher auf seiner Seite. Die lauten Brüller genau wie die leisen Schmunzler. Mal kämpft er mit einem Besen gegen einen Lichtkegel auf dem Boden an, dann dirigierte er mit einer imaginären Fernbediendung die Scheinwerfer, das Orchester und den Applaus des Publikums.

Mehrmals holt er Zuschauer in die Manege, die im Stil einer komischen Oper zu italienischen Arien agieren oder Glocken erklingen lassen. Und die Parodie auf weltbekannte Magier à la David Copperfield funktioniert wohl auch nur in Köln richtig gut. Da steckt er einen Zuschauer zunächst in ein FC-T-Shirt, sperrt ihn dann in einen Käfig, lässt ihn verschwinden und verwandelt ihn letztendlich noch in einem Geißbock. Ob der Hennes-Zwilling auch noch dem FC helfen kann? Larible hat sich jedenfalls schon zu einem Elfmeter-Wettschießen mit Lukas Podolski am Geißbockheim angesagt.

Außer Larible sind auch einige andere Artisten dem Kölner Publikum vertraut. So Oxana und Vitaly Bobrov, die ihre Luftakrobatik am Vertikalseil hoch über der Manege in eine kleine mal melancholische, mal dramatische, mal pathetische Geschichte aus Liebe, Lust und Leidenschaft verpacken. Oder auch Elena und Victor Minasov aus Moskau, deren äußerst turbulente Modenschau immer wieder gerne gesehen wird. Denn schneller kommt wohl keine Frau in die Kleider. In Sekundenbruchteilen werden die Klamotten gewechselt. Da kommen die Augen der Zuschauer nicht mehr mit. Übrig bleiben Verblüffung und Ratlosigkeit.

Wie es genau geht, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben. Da hatte auch im Vorjahr eine Super-Zeitlupe im österreichischen Fernsehen nicht für eine Auflösung sorgen können. Ähnlich trickreich auch die Zauberkünste des brasilianischen Duos Vik & Fabrini. Der eine flink, dynamisch und verrückt, der andere wie eine Mischung aus Schaufensterpuppe, Pantomime und Roboter. Diese beiden waren neu in Köln. Genau wie Shirley Larible, Tochter des Clowns, die an den Strapaten begeisterte, oder Handstandakrobat und Kraftpaket Encho Keryazov dessen sichtlich schweißtreibenden Übungen bejubelt wurden.

> Da staunte auch Alfred Biolek, der die Vorbereitungen für seinen Umzug nach Berlin für die Zirkuspremiere unterbrochen hatte. Die Krekel-Schwestern Hildegard und Lotti schwärmten von den drei „Golden Girls“ und ihren wunderschönen und synchronen Akrobatik-Bewegungen, und für Höhner-Muiker Jens Streifling war Darren Burrell der Favorit. Ein Amerikaner im Kostüm eines Inders auf den Spuren des Schweizers Pic. Zu Sitar-Klängen formte Burrell Seifenblasen - teils mit Rauch gefüllt - mit seinen Händen, seiner Brille oder einer Perlenkette.

Wer schon immer wissen wollte, mit welchen Tricks ein Schornsteinfeger arbeitet, oder wie der Weihnachtsmann durch den Kamin kommt, findet die Antwort bei Andrey Romanovsky. Dieser Gummimann geht im Spagatschritt vorwärts, klettert auf eine schornsteinartige Röhre, turnt darauf herum und fällt der Körperlänge nach zusammengefaltet hinein. „Das ist gekonnt und witzig“, sagt Modedesignerin Maria Lucas, die beim Finale mit Clown Larible im Walzertakt durch die Manege schwebte. „Die ganze Show wirkt wie ein fröhlicher Kindergeburtstag.“ Und Oberbürgermeister Jürgen Roters kommentierte den Abend stellvertretend für alle Kölner knapp und präzise: „Wunderbar. Ganz wunderbar.“

Das Roncalli-Gastspiel auf dem Neumarkt dauert bis zum 11. April. Eine Verlängerung ist diesmal - im Gegensatz zu den Vorjahren - nicht möglich. Gespielt wird am Abend von Montag bis Samstag jeweils um 20 Uhr; an Sonntagen um 18 Uhr. Die Nachmittagsvorstellungen sind Mittwoch, Donnerstag und Samstag jeweils um 15 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr. Eintrittskarten (zwischen 24 und 49 Euro) gibt es im Vorverkauf über Köln-Ticket (Telefon 0221/28 01), an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie an den Zirkuskassen auf dem Neumarkt.



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