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Fish & Chips

Großbritanniens fettiger Stolz

Erstellt 11.03.10, 11:45h, aktualisiert 11.03.10, 12:31h

Dieses Essen ist das Symbol für britische Kochkunst - Fish and Chips. Es ist das Traumpaar der Fritteusen dieser Welt und der Horror für Gourmets. Sehen die Engländer deshalb so bleich und ungesund aus? Ein historischer Abriss einer Anti-Speise.

Fish and Chips
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Das britische Nationalgericht Fish and Chips - ein Symbol für schlechten Geschmack. (Bild: dpa)
Fish and Chips
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Das britische Nationalgericht Fish and Chips - ein Symbol für schlechten Geschmack. (Bild: dpa)

London - Es ist das Traumpaar der Fritteusen dieser Welt. Bis es im 190 Grad heißem Fett endlich zueinander fand, hat es allerdings lange gedauert. Jetzt feiert das britische Nationalgericht Fish and Chips seinen 150. Hochzeitstag bzw. Geburtstag.

Über Dekaden hinweg verbrachten die beiden ein recht einsames Leben. Heute würde man es wohl eine Fernbeziehung nennen: Auf der einen Seite die dicken Kartoffelstäbchen, auf der anderen der Backfisch.

Als Mitbringsel jüdischer Einwanderer aus Iberien verschlug es den frittierten Fisch Ende des 17. Jahrhunderts nach London. Im Süden Englands angekommen, eroberte er Herzen und Mägen wie im Sturm. Selbst Literaten ließen sich vom goldgelben Schein des fettigen Backteiges blenden: Charles Dickens soll sich in «Oliver Twist» (1837) angeblich zum ersten Mal darüber ausgelassen haben.

Die Kartoffelstäbchen warteten derweil noch darauf, wach geküsst zu werden. Im 18. Jahrhundert erblickten sie in Frankreich als «Pommes Frites» das Licht der Welt. Die günstige und sättigende Erfindung fand in den Industriestädten im Norden Englands reißenden Absatz. Darüber, wo dann letztendlich zusammen fand, was zusammen gehörte, wird bis heute gestritten. «Ob nun der Norden oder der Süden - die Diskussion beweist doch nur die Zuneigung des gesamten Landes», sagte der der Parlamentarier Lindsay Hoyle im Rahmen der nationalen Fish and Chips-Woche.

Manche bezeichnen es als kulinarisches Harakiri, andere als schmackhaftes Vergnügen. In einem ist man sich jedoch einig: Fish and Chips gehört zu Großbritannien wie die Pizza zu Italien. Mehr als 11 500 Läden verkaufen das Nationalgericht, von Cornwall bis ins schottische Hochland. Und trotz der Konkurrenz durch Döner Kebab, Burger, Pizza und indischem Curry: Der Backfisch und die Fritten sind auf der Insel nach wie vor die Nummer eins des Fast Foods. 300 Millionen verkaufte Portionen im vergangenen Jahr sprechen für sich.

«Das Gericht ist eine nationale Institution», bekräftigt auch Ahmet Ziyaeddin. Der 40-jährige führt zusammen mit seinem Bruder Ali in zweiter Generation Londons ältesten Fish and Chips-Laden - das «Rock & Sole Plaice». Dort wird mitten in der Innenstadt seit 1871 gebraten und frittiert was die Ölwanne hergibt. Berühmtheiten wie Anthony Hopkins und Lily Allen haben es sich hier schon schmecken lassen.

Während sich Shops wie die «Great British Eatery» in Birmingham neuerdings auch dem Gourmet-Publikum widmet, findet sich bei Ziyaeddin kein moderner Schnickschnack auf der Speisekarte. «Die Hälfte unserer Kunden sind Touristen», erzählt er, «die wollen das Gericht in seiner Reinform.»

Auf ein einst ganz wesentliches Detail der britischen Delikatesse muss aber auch Ziyaeddins traditionalistische Kundschaft inzwischen verzichten: Die Verpackung. Um die Preise möglichst niedrig zu halten, wurden Fish and Chips ursprünglich in der Boulevardzeitung des Vortags gereicht. Seit den 80er Jahren und dem Einzug moderner Hygienevorschriften ist dieser Brauch aber Bratenfett von gestern.

Pünktlich zum 150. Geburtstag bemüht man sich von offizieller Seite, das Ansehen des britischen Nationalgerichts weiter aufzupolieren. Mit 42 Prozent weniger Fettgehalt als ein Döner Kebab wird das Gericht etwa von der «National Federation of Fish Friers» angepriesen. Mit rund 1000 Kalorien kommt es trotzdem sehr stramm daher. Augenzwinkernd findet Ahmet Ziyaeddin schließlich einen Kompromiss: «Fish and Chips ist das gesündeste unter den ungesunden Gerichten.»

(dpa)

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