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Die Superreichen

Frauen, die richtig Geld scheffeln

Von Bernhard Bartsch, 11.03.10, 13:22h, aktualisiert 11.03.10, 18:08h

Wer die aktuelle Forbes-Liste der reichsten unter der Sonne durchstöbert, stellt fest: Mittlerweile ist jede zweite Self-made-Milliardärin Chinesin. Warum bloß? Unser China-Korrespondent berichtet über die „Milliarden-Dollar-Damen“.

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Frauen gehen voran: In China gibt es besonders viele erfolgreiche Unternehmerinnen. (Bild: afp)
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Frauen gehen voran: In China gibt es besonders viele erfolgreiche Unternehmerinnen. (Bild: afp)
PEKING - Vor einigen Jahren hatte Zhang Xin noch Zeit - aber da war sie ja auch gerade mal Millionärin. „Schauen Sie doch einmal aus dem Fenster: alles grau, alles groß, alles gleich“, sagte sie damals bei einem Gespräch in ihrem Büro, einem schlicht eingerichteten Provisorium im obersten Stock ihres ersten eigenen Hochhauses. „In meiner Kindheit war Peking eine liebenswerte Stadt mit schmalen Gassen und kleinen Häusern“, geriet Zhang ins erzählen. „Aber jetzt wird alles Alte abgerissen und auf den Straßen herrscht Dauerstau. Was ist denn all der neue Wohlstand wert, wenn man ihn nicht in bessere Lebensqualität umsetzen kann?“ Natürlich hatte sie die Frage längst zu Ende gedacht. Auf einer Karte der Hauptstadt waren bereits mehrere Areale markiert, auf denen sie von internationalen Architekten moderne Immobilienkomplexe bauen lassen wollte. „Wir bieten den Pekingern ein neues Lebensgefühl“, warb sie für ihre Pläne. „In unseren Gebäuden kann man nicht nur wohnen und arbeiten, sondern vor allem auch leben kann.“

Heute hat Zhang Xin keine Zeit mehr zum Plaudern, und auch keinen Bedarf, ihren Namen durch Interviews bekannt zu machen. Die 44-Jährige, die als Teenagerin in einer Fabrik arbeitete, an der Abendschule Buchhalterin lernte und dank eines Stipendium in England studieren konnte, gehört zu den prominentesten Wirtschaftsgrößen der Volksrepublik. Vier große Hochhauskomplexe hat ihr Konzern Soho China, den sie zusammen mit ihrem Mann aufgebaut hat, in der chinesischen Hauptstadt verwirklicht. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt Zhangs persönliches Vermögen auf zwei Milliarden Dollar und führt sie auf Platz 488 seiner globalen Reichsten-Liste.

Seit Jahren gehören die Chinesen in der Liga der Super-Vermögenden zu den großen Aufsteigern: Von den weltweit 1011 Dollar-Milliardären, die Forbes in seiner diese Woche vorgestellten aktuellen Auflistung verzeichnet, gehören mittlerweile 64 Chinesen, angeführt von dem sieben Milliarden Dollar schweren Getränke-Tycoon Zong Qinghou. Die wahre Überraschung waren jedoch Frauen wie Zhang: Sieben Chinesinnen haben inzwischen aus eigener Kraft ein Vermögen im zehnstelligen Bereich erwirtschaftet. Damit kommt jede zweite Self-made-Milliardärin der Welt aus der Volksrepublik.

ksta.tv: Der reichste Mann der Welt

Nicht, dass Chinesinnen es einfacher hätten als Frauen anderswo in der Welt. Pro forma herrscht zwar auch in der Volksrepublik Gleichberechtigung, ausgerufen von Mao Zedong persönlich, der Chinas weibliche Bevölkerungshälfte unter dem Motto „Frauen tragen den halben Himmel“ in den Dienst der Revolution stellen wollte. Doch wie alle maoistischen Vorhaben blieb auch die Emanzipation auf halbem Weg stecken. Bis heute sind Spitzenämter in Staat und Partei noch immer Männerdomäne. Im 204-köpfigen Politbüro sitzen gerade einmal 13 Frauen. Auf dem Arbeitsmarkt haben Frauen schlechtere Einstellungschancen, weniger Karrieremöglichkeiten und niedrigere Gehälter. Antidiskriminierungsgesetze gibt es nicht. Viele Frauen ziehen sich daher in klassische Rollenmuster zurück. Laut Umfragen in chinesischen Großstädten würde fast die Hälfte der arbeitstätigen Frauen bereitwillig ihren Job aufgeben, vorausgesetzt ihre Männer verdienen genug.

Doch gerade weil in China noch immer die konfuzianische Devise „Der Mann steht über der Frau“ gilt, werden die Karrieren der chinesischen Milliarden-Dollar-Damen von Öffentlichkeit umso interessierter verfolgt. Wie Zhang Xin haben die meisten von ihnen ihr Geld mit Immobilien gemacht, denn mit keinem anderen Geschäft ließ sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr verdienen als mit dem Bau von Häusern in Chinas boomenden Großstädten. Wu Yajun, laut Forbes mit 3,9 Milliarden Dollar die reichste Frau des Landes, trägt in ihrer westchinesischen Heimatstadt Chongqing den Spitznamen „Immobilienkönigin“. 1964 geboren studierte sie zunächst Ingenieurwissenschaften, arbeitete in einer Textilfabrik und als Redakteurin einer Zeitung, bevor sie 1993 ihre Immobilienfirma Longfor Properties gründete. Welche Kontakte es ihr ermöglichten, sich ein ums andere Mal die besten Grundstücke und hohe Kredite zu sichern, ist unklar, denn Wu lässt sich nicht in die Karten schauen. „Keine Autogramme, keine Fotos, keine Interviews“ lautet ihr Grundsatz. Als Chongqings Polizei vergangenes Jahr einen Großangriff auf Chongqings Mafia startete, blieb Wus Geschäft jedenfalls unbeschädigt, was chinesischem Internetgetuschel zufolge dafür spricht, dass sie entweder besonders wenig oder besonders viel Bestechungsgelder gezahlt habe.

Weniger geheimnisvoll gibt sich Chen Lihua (1,1 Milliarden Dollar). Die 69jährige Mandschurin, deren Familie in der Kaiserzeit zum Pekinger Adel zählte, wurde zunächst Tischlerin und arbeitete alte Möbel auf. Nach Beginn der Wirtschaftsreformen gründete sie eine Möbelfabrik und siedelte nach Hongkong über, wo sie das Geschäft mit Luxusimmobilien kennen lernte. Mit geliehenem Geld kaufte sie zwölf Villen im kalifornischen Beverly Hills und verdiente mit dem Verkauf wenige Jahre später Millionen. Später baute sie einige der angesagtesten Immobilien in chinesischen Städten, darunter den Pekinger Changan-Club, einen exklusiven Treffpunkt der Reichen und Mächtigen. Für Aufsehen sorgt auch ihr Privatleben: Ihr Mann Chi Zhongrui ist ein berühmter Schauspieler – und mehr als zehn Jahre jünger als sie.

Weniger positiv ist dagegen das Image von Zhang Yin, Chinas umstrittener „Altpapierkönigin“. Ihr börsennotiertes Unternehmen „Nine Dragons Paper“, das in seinen fußballfeldgroßen Recyclinganlagen Altpapier aus aller Welt in Kartonpappe verarbeitet, machte sie 2008 zur reichsten Frau der Welt – damals berechnete Forbes ihr persönliches Vermögen auf über zehn Milliarden Dollar. Aufgrund der Finanzkrise ist es 2009 jedoch auf 1,7 Milliarden Dollar geschrumpft. Lange galt Zhang in China als Vorzeigeunternehmerin: Die 1957 geborene älteste Tochter eines unter Mao als „Rechtsabweichler “ inhaftierten Offiziers musste als Kind Geld verdienen, um ihre sieben Geschwister zu ernähren. Die Erfahrung lehrte sie Durchsetzungsfähigkeit, als sie Anfang der Achtziger begann, mit recyclingfähigem Müll zu handeln, zunächst in Hongkong, dann in den USA, von wo sie Containerweise Altpapier in die Volksrepublik schickte. Doch je erfolgreicher Zhang war, umso genauer beobachteten die Chinesen ihr Auftreten, und als sie 2007 in einer schriftlichen Eingabe an die Regierung forderte, Reiche niedriger zu besteuern und die Sozialleistungen für Arbeiter zurückzufahren, fiel sie in der Öffentlichkeit in Ungnade. Jedes Stück Papier in ihren Fabriken sei „mit dem Blut von Arbeitern getränkt“, schrieb die einflussreiche Zeitschrift Sanlian Shenghuo. Menschenrechtsgruppen recherchierten die Arbeitsbedingungen in ihren Fabriken und sprachen von „Sweatshop-Papier“. Seitdem ist Zhangs Ansehen zerstört – und die Papierkönigin bemüht sich nach Kräften um Unauffälligkeit.

Ebenfalls zum Club der chinesischen Milliardärinnen gehört die 40-jährige Zhu Linyao (2,1 Milliarden Dollar), die seit 1990 mit Aromazusätzen für Zigaretten handelt. Die Wissenschaftlerin Lei Jufang, 57, verdiente mit dem Vertrieb von tibetischer Medizin auf 1,1 Milliarden Dollar. Dai Xiuli, 46, fand in der Baubranche eine Nische, indem sie alte Luftschutzbunker in Gewerbeimmobilien umwandelte, was ihr 2,1 Milliarden Dollar einbrachte.

Allerdings wird Chinas Milliardärs-Club sich bald auf einen folgenschweren Wachwechsel einstellen müssen. Nach drei Gründerjahrzehnten gehen viele Familienunternehmen in die zweite Generation. Die zweitreichste Frau der Volksrepublik, Yang Huiyan hat ihr Vermögen nicht selbst erwirtschaftet, sondern von ihrem Vater, einem Immobilienunternehmer, geerbt. Bisher steht die Milliardärinnenkarriere der geheimnisumwobenen 28-Jährigen, von der nur ein einziges Foto existiert, unter keinem guten Stern: Von den 16,2 Milliarden Dollar, die sie 2007 überschrieben bekam, sind nach der Finanzkrise nur noch 3,4 Milliarden Dollar übrig. In ihren Kreisen gilt das fast schon als Bankrott.



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