Schriftgröße

Generalstreik

Stillstand und Randale in Athen

Erstellt 11.03.10, 14:33h, aktualisiert 12.03.10, 18:44h

Aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung haben die Gewerkschaften das öffentliche Leben in Griechenland mit einem Generalstreik erneut weitgehend lahmgelegt. Beteiligt sind unter anderem Busfahrer, Fluglotsen und Journalisten.

Randale in Athen
Bild vergrößern
Wieder schwere Ausschreitungen in Athen. (Bild: dpa)
Randale in Athen
Bild verkleinern
Wieder schwere Ausschreitungen in Athen. (Bild: dpa)
ATHEN - Schulen und Behörden blieben am Donnerstag geschlossen, der Flug-, Eisenbahn- und Schiffsverkehr stand im ganzen Land still. Allein in der Hauptstadt Athen gingen mehrere tausend Demonstranten gegen die Sparpläne der Regierung auf die Straße, vereinzelt kam es auch zu Ausschreitungen.

Die Fluglotsen hatten bereits ab Mitternacht für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt, sämtliche Flugzeuge blieben am Boden. Auch die Fähren zu den Inseln fuhren nicht, Züge, Busse und Straßenbahnen blieben in den Depots. Schulen und die gesamte öffentliche Verwaltung blieben geschlossen, in Kliniken gab es nur eine Notversorgung. Geschäfte und Banken hatten dagegen geöffnet.

In Athen fuhr nur eine U-Bahn-Linie, um die Streikenden zu den Kundgebungen im Stadtzentrum zu bringen. Allein in der griechischen Hauptstadt gingen mehrere tausend Menschen gegen die Sparpläne der Regierung auf die Straße. "Wir sind Menschen, keine Nummern" war auf einem der Transparente zu lesen, die die Demonstranten durch die Innenstadt zum zentralen Syntagma-Platz trugen.

Am Rande der Proteste kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen jungen Demonstranten und der Polizei. Jugendliche warfen Molotow-Cocktails und Wurfgeschosse auf Polizisten, die das Parlament bewachten. Die Beamten setzten Tränengas ein. Auch vor der Polytechnischen Universität in Athen kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Die Jugendlichen zerschlugen rund ein Dutzend Schaufensterscheiben, setzten Autos und Papierkörbe in Brand.

ksta.tv: „Kaufmanns Woche“

Die maskierten Demonstranten hatten sich an die Spitze der Demonstration gesetzt, die vom griechischen Gewerkschaftsbund GSEE und der Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst, ADEDY, organisiert worden war. Dem Protestzug schlossen sich auch streikende Polizisten und Feuerwehrleute an. Der Chef der Polizeigewerkschaft, Christos Fotopoulos, begründete das mit "schmerzhaften" Einschnitten. Einer zweiten Demonstration der kommunistischen Gewerkschaft PAME schlossen sich ebenfalls tausende Menschen an.

In Thessaloniki beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen an zwei Demonstrationen. Ein Regierungsgebäude in der zweitgrößten griechischen Stadt wurde von den Demonstranten mit Eiern und Yoghurt-Bechern beworfen.

Mit den Streiks und Protestzügen protestierten die Gewerkschaften gegen die Sparpläne von Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Das griechische Parlament hatte in der vergangenen Woche ein Sparprogramm im Umfang von 4,8 Milliarden Euro verabschiedet, mit dem die Regierung das hohe Haushaltsdefizit in den Griff bekommen will. Im öffentlichen Dienst sollen die Gehälter gekürzt werden, Rentner erwarten Nullrunden und die Mehrwertsteuer wird angehoben.

Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, lobte die Spar-Anstrengungen Griechenlands. Die Regierung sei sich bewusst, dass in den vergangenen Jahren keine solide Finanzpolitik betrieben worden sei, sagte der luxemburgische Ministerpräsident. Griechenland habe aber reagiert und mache jetzt seine Hausaufgaben. Juncker begrüßte auch den Vorschlag eines Europäischen Währungsfonds als Konsequenz aus der Griechenland-Krise. Ein solcher Fonds könne aber "nicht alle Probleme lösen". (afp)



Den Kölner Stadt-Anzeiger im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Umfrage

Protestieren Sie gegen ACTA?
Bundesweit sind Proteste gegen das internationale Handelsabkommen ACTA geplant. Es sieht unter anderem vor, Urheberrechtsverletzungen strenger zu ahnden. Kritiker befürchten Zensur und Überwachung vor allem im Internet. Beteiligen Sie sich am Protest?

Bildergalerien


Jahresrückblick


ksta-blogs.de


Kölner Stadt-Anzeiger auf dem iPad


Neue Videos – Politik/Nachrichten




Meistgelesene Artikel


Kolumne


Hintergrund


Die andere Meinung


Mein ksta.de


Forum


Brutto / Netto Rechner

Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.) Steuerklasse

Dienste