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Autofahrer

Die Wut an der Tankstelle wächst

Von Peter Hahne und Friedemann Siering, 11.03.10, 17:47h, aktualisiert 12.03.10, 17:09h

Die hohen Spritpreise sorgen für Unmut: Die Autofahrer in Deutschland müssen für den Liter Benzin mehr als 1,40 Euro bezahlen. Zur Begründung für die hohen Spritpreise müssen einmal mehr auch die Amerikaner herhalten.

Benzinpreise
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Gestern im Kölner Norden: Im Vergleich zum Vortag sind die Benzinpreise deutlich nach oben gegangen. (Bild: Rakoczy)
Benzinpreise
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Gestern im Kölner Norden: Im Vergleich zum Vortag sind die Benzinpreise deutlich nach oben gegangen. (Bild: Rakoczy)
KÖLN/BERLIN - Die Spritpreise steigen nach einer langen Zeit der relativen Ruhe derzeit wieder kräftig an, und sie haben mit 1,43 Euro im Schnitt für einen Liter Superbenzin soeben einen neuen Jahreshöchststand erreicht. Manch einer sieht darin schon einen untrüglichen Vorboten für das herannahende Osterfest, jener Reisezeit also, die die Mineralölkonzerne aller Lebenserfahrung nach gerne zum Aufpeppen ihrer Gewinnmargen nutzen. Doch bis Ostern ist es noch eine Weile hin, und der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) bemüht ohnehin lieber andere Erklärungen für hohe Preise. Das Stichwort aus Hamburg lautet auch diesmal wieder „Rotterdam“. Denn an den dortigen Spotmärkten für Benzin werden die Preise „gemacht“, die das Auf und Ab an Europas Tankstellen maßgeblich mitbestimmen.

Nachfrage aus den USA

Superbenzin, teilt der MWV mit, sei im Vergleich zum letzten Quartal 2009 derzeit um zehn Prozent teurer. Zur Begründung für die hohen Spritpreise müssen einmal mehr auch die Amis herhalten. Denn die Amerikaner decken sich für ihre anstehende „driving season“ bald mit Sprit in Rotterdam ein, weil die Raffineriekapazitäten im Land der großen Autos nicht ausreichen, um die Tanks texanischer Geländewagen und Pick-Ups zu befüllen. Noch ein wenig „Spekulationen an den internationalen Rohölmärkten“, wie der MWV erläutert, der Hinweis auf die Konjunktur in Asien - fertig ist die übliche Argumentationskette.

Der Lobby-Verband will vor allem das Argument der Automobilclubs entkräften, wonach die Ölpreise von derzeit gut 80 Dollar je Fass und Rekordpreise an den Zapfsäulen sich einfach nicht vertrügen. Die Clubs rufen „Abzocke“ und „Spritwucher“, der europäische Automobilclub ACE und der ADAC sind sich einig, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Der ACE argumentiert: Im Rekordsommer 2008 habe ein Barrel (159 Liter) Rohöl bei 150 Dollar notiert und der Super-Preis in Deutschland bei 1,50 Euro. Heute koste das Fass Brent mit rund 80 Dollar kaum mehr als die Hälfte, und der Liter Super liege bei mehr als 1,40 Euro. Der ACE klagt politische Maßnahmen „gegen Wucherpreise und Ölpreisspekulanten“ ein. Bis hin zu „Marktentflechtungen“, im Klartext also eine Zerschlagung von Aral, Shell und Co. kann sich der ACE vorstellen.

Dazu wird es freilich in absehbarer Zeit nicht kommen. Bereits dem Bundeskartellamt ist es in den letzten Jahren in aufwändig angelegten Sektoranalysen nicht gelungen, den Multis Preisabsprachen nachzuweisen. Detlef Brandenburg, Sprecher des deutschen Marktführers Aral, hält den Vergleich der Spritpreise mit dem Rohölpreis für irreführend, „das kann man nicht eins zu eins umrechnen“. Wesentlich für die Kalkulation der Tankstellenbetreiber sei der „Produktpreis“, der von den Raffinerien für das gelieferte Benzin je Tonne in Rechnung gestellt werde. Und der sei seit Anfang Februar von 480 auf jetzt 580 Euro gestiegen. „Der Produktpreis kann steigen, ohne dass sich beim Rohölpreis das Geringste tut.“



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