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Verbleib in Islamkonferenz

Verbände vertagen Entscheidung

Von Harald Biskup, 12.03.10, 10:27h, aktualisiert 12.03.10, 22:30h

Die islamischen Dachverbände haben ihre Entscheidung darüber vertagt, ob sie weiter an der Deutschen Islamkonferenz des Innenministeriums teilnehmen. Der Koordinationsrat der Muslime sieht noch Diskussionsbedarf.

Islamkonferenz Köln
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Die Vorsitzenden der Muslimverbände um Koordinierungsrat-Sprecher Bekir Alboga (5. v. l.) tagen in Köln. (Bild: dpa)
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Die Vorsitzenden der Muslimverbände um Koordinierungsrat-Sprecher Bekir Alboga (5. v. l.) tagen in Köln. (Bild: dpa)
KÖLN - Die muslimischen Verbände haben ihre Entscheidung über einen Austritt aus der Deutschen Islamkonferenz verschoben. Wie der Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime (KRM), Bekir Alboga, am Freitag mitteilte, sehen die großen muslimischen Dachverbände wegen der Bedeutung der Entscheidung noch Diskussionsbedarf. „Alle Optionen sind offen“, ließ Alboga mitteilen. Die Entscheidung werde voraussichtlich am kommenden Freitag fallen.

Dass man nach achtstündigen Beratungen ergebnislos auseinandergegangen ist, wurde als Indiz für die Uneinigkeit der Verbände gewertet. Ursprünglich war schon für den frühen Nachmittag eine Einigung erwartet worden.

Aufschiebende Wirkung

Immerhin lässt sich aus der Tatsache, dass man sich vertagt hat und keinen Beschluss um jeden Preis erzwungen hat, auch schließen, dass es sich die Repräsentanten der vier beteiligten Islam-Organisationen mit ihrer Entscheidung nicht einfach machen und dass die Appelle aus der Politik, keinen Austritt aus der Islamkonferenz zu beschließen, zumindest aufschiebende Wirkung hatten.

Allen Teilnehmern an dem Treffen in der Ditib-Zentrale in Köln-Ehrenfeld war bewusst, welche schwerwiegenden Konsequenzen die Entscheidung haben würde, das 2006 begründete Forum zu verlassen. Ein Ausstieg würde das zumindest vorläufige Ende des Dialogs bedeuten.

Hauptstreitpunkt war die Frage, wie man auf den faktischen Ausschluss des Islamrates durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) reagieren solle. Einige Teilnehmer der Runde, dem Vernehmen nach vor allem aus den Reihen des Verbandes Islamischer Kulturzentren, teilen offenbar die Haltung de Maizières, dass der Islamrat vorläufig ausgeschlossen bleiben solle. Solange staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen die als islamistisch geltende Gruppierung „Milli Görüs“ liefen, die den Islamrat angeblich dominiert, müsse die Mitgliedschaft des Islamrats zumindest ruhen. Andere Teilnehmer werten das Vorgehen des Innenministers als „Bevormundung“. Aber auch sie wollten es (noch) nicht auf einen totalen Bruch ankommen lassen.

Im KRM sind die vier großen muslimische Verbände zusammengeschlossen, darunter der Islamrat, der Zentralrat der Muslime, die Türkisch-Islamische Union Ditib und der Verein der Islamischen Kulturzentren. Der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) gehören bundesweit mehr als 890 Mitgliedsvereine an. Die größte islamische Organisation hierzulande tritt laut Selbstdarstellung für einen weltoffenen und liberalen Islam ein. Organisatorisch und personell ist die Ditib eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbunden. So werden die Imame, die in Ditib-Moscheen arbeiten, von der Regierung in Ankara bezahlt. Für Kirchen und Behörden ist die Ditib oft der bevorzugte Ansprechpartner auf islamischer Seite.

Am Morgen hatte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) Bereitschaft zur Beilegung des Streits um die Ausrichtung des Gremiums signalisiert. KRM-Sprecher Bekir Alboga begrüßte die Äußerungen de Maizìeres, wonach in den Beratungen Themen wie Rassismus und Islamophobie „durchaus Platz finden“ könnten. Diese Äußerungen des Ministers seien ein „guter Ansatz“ für eine Fortsetzung des Dialogs, sagte Alboga. Sie würden das am Vormittag begonnene Treffen in Köln sicher „wohlwollend begleiten“.

Alboga fügte hinzu, er habe nie von einem „Boykott“ der Islamkonferenz gesprochen. Es gehe ihm um Inhalte und die personelle Zusammensetzung. De Maizìere war mit seiner Äußerung in der „Süddeutschen Zeitung„ vom Freitag den Verbänden nach deren Kritik an seiner Schwerpunktsetzung der Konferenz entgegengekommen. Zugleich kritisierte der Minister die Haltung der muslimischen Verbände nach der Suspendierung der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), gegen die mehrere Ermittlungsverfahren laufen. „Da hätte ich mir unter den Verbänden eine kritischere Haltung gewünscht“, sagte der Minister. (mit epd, afp)



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