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Domspatzen

Ex-Schüler berichtet von Missbrauch

Erstellt 13.03.10, 11:19h, aktualisiert 13.03.10, 13:08h

Laut einem Medienbericht hat es bei den Regensburger Domspatzen bis mindestens 1992 Missbrauchsfälle gegeben. Bislang waren nur Fälle aus den fünfziger und sechziger Jahren bekannt geworden. Auch Domchef Georg Ratzinger sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert.

Georg Ratzinger
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Georg Ratzinger (Bild: dpa)
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Georg Ratzinger (Bild: dpa)
Während die Zahl der Missbrauchsvorwürfe in der katholischen Kirche weiter steigt, streiten sich Politiker von Regierung und Opposition über die Aufarbeitung des Skandals. Dem von der Bundesregierung einberufenen Runden Tisch erteilten die Grünen am Samstag eine Absage. Der Vatikan sieht die Versuche als "gescheitert" an, Papst Benedikt XVI. in den Missbrauchsskandal in seiner früheren Diözese hineinzuziehen.

Missbrauchsfälle auch in den 90er Jahren

Der Missbrauchsskandal beim weltbekannten Knabenchor Regensburger Domspatzen soll nach einem "Spiegel"-Bericht bis in die 90er Jahre gedauert haben - länger als bisher bekannt. Am Samstag berichtete das Magazin vorab, dass sich neue Betroffene gemeldet hätten. Es gehe nicht mehr nur um Vorwürfe aus den 50er und 60er Jahren. Ein Ex-Schüler sagte demnach, dass er in dem Internat bis 1992 sexuelle und körperliche Gewalt allgegenwärtig erlebt habe. Ältere Schüler hätten ihn vergewaltigt, auch in der Wohnung eines Präfekten sei es zu Verkehr zwischen Schülern gekommen.

"Die haben den Druck eines totalitären Systems eben weitergegeben", sagte Thomas M. dem "Spiegel". Der Chor-Chef von 1964 bis 1994 und Bruder des heutigen Papstes, Georg Ratzinger (86), wurde von dem zitierten Ex-Domspatz als "extrem cholerisch und jähzornig" erlebt. Ratzinger habe noch Ende der 80er Jahre bei Chorproben Stühle nach den Jungen geworfen, wenn er wütend gewesen sei. Laut "Spiegel" wollten sich zunächst weder das Bistum Regensburg noch Ratzinger zu den Vorwürfen äußern.

Vor wenigen Tagen hatte Georg Ratzinger der "Passauer Neuen Presse" gesagt, dass er bis Ende der 70er Jahre hin und wieder Ohrfeigen verteilt habe, doch habe er nie jemanden grün und blau geschlagen. Er hatte in dem Interview bekräftigt, von sexuellem Missbrauch nichts gewusst zu haben - auch nicht gerüchteweise.

Papst Benedikt von Vergangenheit eingeholt

Auch Papst Benedikt wurde von seiner Vergangenheit als Erzbischof von München und Freising eingeholt. Er habe 1980 als Erzbischof der Versetzung eines offenbar pädophilen Priesters von Essen nach München zugestimmt, teilte die Erzdiözese am Freitag mit. In München soll sich der Priester erneut an Kindern vergangen haben und wurde wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte dazu am Samstag in Radio Vatikan, es habe in den vergangenen Tagen Leute gegeben, die in Regensburg und München nach "Elementen" gesucht hätten, um den Papst persönlich mit dem Skandal in Verbindung zu bringen. "Es ist klar, dass diese Versuche gescheitert sind".

Nach Verstimmungen zwischen CDU und FDP über die Einrichtung Runder Tische wird nun Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) doch zum Runden Tisch über Kindesmissbrauch eingeladen, den Bildungsministerin Annette Schavan und Familienministerin Kristina Schröder (beide CDU) für den 23. April einberufen haben, berichtete die "Welt am Sonntag". Bei dem Treffen mit Kirchenvertretern und Fachleuten soll über Präventionsmaßnahmen beraten werden.

Die Bundesjustizministerin sprach sich nun allerdings für die Einsetzung einer unabhängigen Regierungskommission aus. Der Blick auf Länder wie Irland oder die USA zeige, dass solche Kommissionen "einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung leisten können", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte ebenfalls solch eine Kommission statt Runder Tische: Die Aufklärung dürfe nicht allein der Kirche überlassen werden, sagte Roth der "Bild am Sonntag". Die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast plädierte in der "Leipziger Volkszeitung" vom Samstag für finanzielle Sanktionen, falls die Kirche die Fälle nicht völlig aufkläre.

Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, erteilte Runden Tischen ebenfalls eine Absage. Mit ihnen ließe sich das Problem nicht lösen, denn es gebe "kein Erkenntnis- sondern ein Handlungsproblem", sagte er der Tageszeitung "Rheinpfalz am Sonntag".

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, plädierte in der "Süddeutschen Zeitung" für eine Lockerung des Zölibats und forderte von der Kirche den "Willen zur vorbehaltlosen Aufklärung".

Der Vatikan erfuhr nach eigenen Angaben seit 2001 von rund 3000 Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche aus den vergangenen 50 Jahren. Doch nur 300 Fälle handelten von pädophilen Übergriffe Geistlicher, sagte ein Vertreter der päpstlichen Glaubenskongregation am Samstag der italienischen Bischofszeitung "Avvenire". (afp, dpa)



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