Von Olaf Bachmann, 13.03.10, 13:13h, aktualisiert 15.03.10, 08:27h
Dem Umstand, dass er als bester deutscher Starter seinem einstigen Vorbild Michael Schumacher (41) bei dessen Comeback die Show stahl, vermochte Vettel nichts abzugewinnen: „Es bedeutet mir nicht viel, vor Nico (Rosberg) und Michael zu landen, wenn man das Rennen hätte gewinnen können“. Welch ungewöhnliche Leistung ihm dennoch gelungen war, dürfte sich ihm vielleicht erst nach eingehender Analyse des Zwischenfalls gegen Mitte der 49-Runden-Jagd erschließen. „Ich habe ein komisches Geräusch gehört. Bis dahin war alles glatt gelaufen, der Start, die Runden bis zum ersten Boxenstopp, alles unter Kontrolle“, sagte Vettel, der seine Pole Position bis dahin souverän gegen das Ferrari-Duo verteidigt hatte. Dahinter herrschte abgesehen von der kurzen Konfusion nach dem Start, als Adrian Sutil (Force India) und Robert Kubica (Renault) nach Drehern weit zurückfielen, weitgehend Ruhe im Feld. Aus Sorge um ihre Reifen verzichteten die meisten Piloten der mit bis zu 230 Liter Benzin beladenen Autos auf Positionskämpfe.
Vettels technische Probleme wurden offenkundig, als Alonso und Massa den Red Bull binnen weniger Runden ein- und in der 34. Runde mühelos überholten. Drei Runden später schob sich am Ende der Zielgeraden auch Hamilton an dem Heppenheimer vorbei. In der Folge schrumpfte auch Vettels signifikanter Vorsprung auf das Silberpfeil-Duo bedrohlich zusammen. Dass er trotz erheblichen Leistungsverlusts auf den Geraden seine stärksten deutschen Konkurrenten in Schach halten konnte, spricht eindeutig für das Potenzial des Red-Bull-Renault, der allerdings schon während der Wintertests Zweifel an der Standfestigkeit hatte aufkommen lassen. Fernando Alonso zollte dem Gegner nach seinem 22. Grand-Prix-Erfolg dennoch seinen Respekt: „Red Bull war im Qualifying besser als wir, und soweit es ging, auch im Rennen“.
Bei Mercedes sollten nach diesem WM-Auftakt eigentlich schon die Alarmglocken läuten. 40 Sekunden Rückstand auf Alonso deuten auf einen Klassenunterschied hin. „Ferrari und Red Bull fahren momentan in einer eigenen Liga“, urteilte als sachkundiger Zuschauer Christian Geistdörfer, langjähriger Beifahrer der deutsche Rallye-Ikone Walter Röhrl. Schumacher mühte sich derweil zumindest um verbale Schadensbegrenzung. „Ich habe schon oft erlebt, dass es zu Saisonbeginn große Abstände gibt, und trotzdem ist es mir gelungen, am Saisonende um die Meisterschaft zu kämpfen.“ Auch für seinen Rückstand auf den jungen Teamkollegen fand der siebenmalige Champion eine betont entspannt klingende Erklärung: „Es gelingt mir noch nicht, das Auto dazu zu bringen, besser mit den Reifen zu arbeiten. Das Auto sollte so um die Kurve fahren, wie ich das will“.
Offenbar sind die Balanceprobleme des MGP W01 hartnäckiger, als es das Team einräumen mag. „Wir müssen versuchen, das Auto gemeinsam zu verbessern“, betonte derweil Nico Rosberg seine Rolle als Teamplayer. Stolz darüber, den Superstar Schumacher sowohl im Qualifying als im Rennen beherrscht zu haben, verkniff sich der gebürtige Wiesbadener. Die Frage, ob seine Brust angesichts der Resultate in Bahrain nicht breiter werde, konterte Rosberg schlagfertig: „Die war schon immer breit“.
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