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Amelie Fried

Strip-Poker in der Odenwaldschule

Erstellt 13.03.10, 14:01h, aktualisiert 16.03.10, 10:20h

Amelie Fried, die selbst Schülerin an der Odenwaldschule war, hat schwere Vorwürfe erhoben. In einem Zeitungsbericht beschreibt sie, wie sich ihr sogenannter Familienvater in den Mädchen-Duschraum gedrängt und die Mädchen zu "Strip-Poker-Runden" genötigt habe.

Amelie Fried
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Amelie Fried (Bild: ddp)
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Amelie Fried (Bild: ddp)
HEPPENHEIM - In der Affäre um sexuelle Übergriffe an der südhessischen Odenwaldschule hat sich die Ex-Schülerin und Schriftstellerin Amelie Fried (51) ausführlich zu Wort gemeldet. Sie beschreibt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Samstag, wie sich ihr sogenannter Familienvater in den Mädchen-Duschraum gedrängt habe und "uns zu Strip-Poker-Runden in seiner Wohnung genötigt hat". In der Reformschule, die Fried Anfang der 70er Jahre besuchte, lebten Schüler und Lehrer in "Familienverbänden" zusammen.

Fried forderte den damaligen Schulleiter Gerold Becker (73) auf, sich bei den Opfern zu entschuldigen. Sie kritisierte Erzieher von damals, die ihr Verhalten jetzt teilweise in "schmierigen Pamphleten" verteidigten und die Ursache für den Missbrauch gar bei den Schülern suchten. Bisher haben dem Internat 33 ehemalige Schüler Übergriffe aus den Jahren 1966 bis 1991 gemeldet.

Beckers Lebensgefährte, der renommierte Reform-Pädagoge Hartmut von Hentig (84), hatte der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass Becker je den Willen eines Kindes gebrochen habe. Wenn überhaupt, könnte allenfalls mal ein Schüler seinen Lehrer Becker verführt haben.

Fried schreibt in ihrem Beitrag, dass sie sich an Andeutungen anderer Schüler über die Vorliebe Beckers für kleine Jungen erinnere. Dass sich keiner jemandem anvertraut habe, erklärt die Autorin damit, Kinder könnten sich nicht vorstellen, dass "ein Lehrer etwas Unrechtes tut. Lieber gibt man sich selbst die Schuld".

   Ein Ex-Schüler der Odenwaldschule in Heppenheim verlangt nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" rund 80.000 Euro Schadenersatz. Dies entspreche drei Jahresbeiträgen für die Privatschule und habe eine "symbolische" Bedeutung, zitiert die Zeitung Opfer-Anwalt Thorsten Kahl. Durch die Zahlung würde die Schule "ihre Verantwortung und ihre Schuld eingestehen". Der frühere Schüler sei Ex-Schulleiter Gerold Becker ausgeliefert gewesen. (dpa)



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