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Aus Kölner Sicht

Kaufmanns Derby-ABC

Von Tobias Kaufmann, 18.03.10, 17:42h, aktualisiert 19.03.10, 10:14h

Anlässlich des Duells Köln-Gladbach im Rheinenergie-Stadion duellieren sich auch die Bolzplatz-Kolumnisten – mit einem eigenen Derby-ABC von und mit dem Erzrivalen. Hier die Variante in Rot-Weiß.

Tobias Kaufmann
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Tobias Kaufmann. (Bild: Hennes)
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Tobias Kaufmann. (Bild: Hennes)
Arie van Lent: Einer auf der unenendlichen Liste von Fußballprofis, die dem 1. FC Köln alles verdanken - weil sie gegen keinen anderen Club so gerne und oft Tore schossen. Deshalb zugleich Auslöser heftiger Kopfschüttel- und Stöhnattacken gedächtnisgeplagter FC-Fans.

Bökelberg: ehemalige Fußballanhöhe, artverwandt mit dem Blocksberg - weil zur Geisterstunde, meist samstags ab 15.30h, von schaurigen Gestalten bevölkert. Seit das Stadion geschleift wurde, hat der Spuk ein Ende - unglücklicherweise hat er aber anderswo überlebt (siehe Wellblechpalast).

Champions League: Nichts für uns.

ksta.tv: Bolzplatz-Duell

Düppdüppdüpp ...: Karussell-Musik, die ertönt, wenn die Elf vom Niederbrain ein Tor erzielt hat. Kommt deshalb eher selten vor, es sei denn Werder Bremen ist zu Gast.

Effenberg: Ex-Borusse und Ex-Tigermähnenträger mit Leitwolfgen. Darüber hinaus Fußball- und Florida-Experte. Deshalb potenziell designierter Trainer und/oder Sportdirektor im Borussia-Park vor, während oder nach der Amtszeit von Matthäus, Lothar in ähnlichen Funktionen. Bevorzugter Vertragsbeginn des Duo Infernale: 1. Juli 2010.

Fahnenraub: Harmloser prä- und postpubertärer Zeitvertreib, der in früheren Zeitaltern Kriege auslösen konnte und deshalb heutzutage mit ironischer Distanz betrachtet werden sollte. Aber dazu sind leider weder Fußballfunktionäre noch Ultra-Rowdies fähig.

Gewalt: In demokratischen Gemeinwesen wie dem unsrigen der Polizei und dem Militär vorbehaltene Methode zur Durchsetzung von Recht, Sicherheit und Frieden. Hat in Fußballstadien und drumherum nichts zu suchen. Ausnahme ist nur der so genannte Gewaltschuss, in Derbys allerdings dem Spieler Lukas P. vorbehalten.

Heimspiel: Nichts für uns.

Igitt! Unfeiner, aber schwer zu unterdrückender Ausruf des Entsetzens, der rechtschaffenen Menschen angesichts der Gladbacher Vereinsfarben entfährt (siehe V, wie Viereck).
Aber auch: Irrgang, Detlef: Ehemaliger Held des FC Energie Cottbus, der Borussia Mönchengladbach im Jahr 2000 durch einen Sieg gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag die Rückkehr in die Bundesliga verwehrte. Die einzige Niederlage, nach der FC-Fans je begeistert über die Tribünen hoppsten.

Jünter: Plüschpferd im Borussia-Dress, in dem an Heimspieltagen vermutlich eine studentische Hilfskraft, ein Leiharbeiter oder ein gestürzter Ex-Profi steckt. Jünters Kolumne auf der Vereinshomepage lässt den Schluss zu, dass es sich auch um einen geliehenen studentischen Amateur handeln könnte. Gestürzt ist die geheimnisvolle Person in jedem Fall - über die deutsche Sprache.

Keller, Thorsten: Meist umgänglicher Kollege mit schreiberischer Begabung, deshalb bei der Bewerbung zum Jünter-Job gescheitert. Bei Pointen recht treffsicher, würde als Wilhelm Tell mit Fußball statt Armbrust allerdings keinen Apfel treffen, sondern kleinen Kindern versehentlich die Rübe vom Hals schießen. Leider zugleich ein Talifan aus dem Swat-Tal des europäischen Fußballs - mag Arsenal und Barcelona, liebt Lachbach. Sollte deshalb aber nicht verdammt, sondern versorgt werden. Bewerbungen von Zivildienstleistenden in Pferdekostüm werden bevorzugt.

Landwirt: Moderne, politisch korrekte Bezeichnung für Vertreter und Anhänger des VfL Borussia Mönchengladbach. Müssten niederknien, wenn sie auf Anhänger und Vertreter des 1. FC Köln treffen, tun es aber nicht. Halten sich deshalb für Wilhelm Tell oder für links - oder beides.

Müngersdorf: Für FC-Fans das Allerheiligste und Standort eines der schönsten Fußballstadien der Republik. Leider in den letzten Jahren erst umbenannt und dann immer wieder von den Ungläubigen erobert. Letzteres ist eine Schmach, die zu tilgen heilige Pflicht jedes Geißbock-Trikot-Trägers sein muss. Fällt zu vielen von ihnen zu oft erst nach dem Abpfiff ein (siehe Heimspiel).

Netzer, Günter: Ikone des Revoluzzer-Images der Gladbacher, das ungefähr so gerechtfertigt ist wie Revolutionsromatik auf Kuba. Eigentlich ein sympathischer Kerl, der seine heutige Bedeutung allerdings seiner Selbsteinwechslung mit anschließendem Zufallstor im Derby-Pokalfinale 1973 verdankt. Deshalb in einer Liga mit Arie van Lent und Co. (siehe Arie van Lent).

Opdenhövel, Matthias: Schlimmster Kollateralschaden, den Gladbach dem deutschen Fernsehen seit dem Besserwisser-Satzende-“Ja“ von Berti Vogts angetan hat. Als Stadionsprecher der Landwirte mit dem Vorlesen der Mannschaftsaufstellung adäquat eingesetzt, inzwischen im TV-Dauereinsatz damit beschäftigt, witzlose Kalauer aneinander zu reihen und zwischendurch beim Einatmen hörbar seinen Speichel einzusaugen.

Polster, Anton: Österreichischer Rekordstürmer, der sowohl aus vollem Lauf als auch, häufiger, aus dem Stand Tore schoss - am liebsten im Doppelpack. Zunächst bis zum Abstieg 1998 beim 1. FC Köln als Held angestellt, dann zu Borussia gewechselt. Was zunächst nach Fahnenflucht eines Söldners aussah, entpuppte sich als perfider Schachzug eines Wieners mit kölscher Loyalität: ein Jahr später stieg auch Gladbach mit Polster ab. Heute bei beiden Clubs gern gesehener Gast. Außergewöhnlich.

Qual: Auf Trainingsplatz und Stadionrasen unverzichtbare Vorbedingung für Qualität. Auf den Rängen die direkte Folge eines Mangels an letzterem. Weniger kompliziert ausgedrückt: Wenn die Spieler im Derby zu wenig laufen, dann laufen bei deren Fans die Tränen. In den letzten Jahren ausgeglichen verteiltes Negativerlebnis. Dieses Jahr sind mal wieder die Gladbacher dran, gequält zu werden.

Rhein: Einer der größten Ströme des Kontinents, der durch die Stadt Köln hindurch und an der Stadt Mönchengladbach weit vorbei fließt. Trotzdem möchte die Borussia gerne die Nummer eins am Rhein sein. Spötter nennen den Nordpark deshalb auch so, wie eigentlich das Stadion in Manchester heißt: Theatre of dreams. Nur werden sie in Manchester häufiger erfüllt.

Sieg: Auch ein Fluss, zufällig wortgleich mit dem einzigen Resultat, das in einem Derby gegen Gladbach hinnehmbar ist.

Toleranz: Kölner Tugend, die es ermöglicht, auch Menschen mit seltsamen Vorlieben (Sado-Masochismus, Hunde, Borussia Mönchengladbach) nicht auszugrenzen. Zuletzt gegenüber kleptomanischen Auswärtsteams im eigenen Stadion allerdings überstrapaziert, was ganze Spielfeld-Areale zu No-Go-Areas für Kölner werden ließ. Sollte deshalb dringend nach New Yorker Vorbild um eine Null-Toleranz-Strategie auf dem Rasen erweitert werden. Ansonsten kann ja jeder machen, was er will, aber die Punkte bleiben hier.

Untergang: Von den Maya für 2012 prognostiziertes weltgeschichtliches Ereignis. Was viele nicht wissen: Voraussetzung für sein Eintreffen ist, dass „Männer, deren Erkennungszeichen junge Pferde mit dämlichem Namen sind, auf der anderen Seite des großen Wassers den Kampf um die Silberschale gewinnen“ (Chroniken von Maya, Kapitel XIII unten im Kleingedruckten). Wir alle können also in Ruhe für 2013 Urlaub buchen.

Viereck: Wenn man auf einen Blick alles über Borussia Mönchengladbach wissen will, muss man sich nur das Logo ansehen. Manche Clubs tragen einen pathetischen lateinischen Spruch im Wappen, andere begleiten es mit einem Symbol oder einem Wappentier. Gladbach dagegen bleibt dem Abzeichen treu, das vermutlich von einem Vereinsgründer per Kartoffelstempel hergestellt wurde: Ein schwarzes B auf weißen Streifen, angerichtet in einer schwarzen Raute mit weißem Rand. Einfallslos, bedeutungslos, peinlich. Trotzdem betonen Borussia-Fans und -Spieler ab und zu, die Raute „im Herzen“ zu tragen. Tobias Levels behauptet gar, sein Herz sei eine Raute. Ob diese Anomalie ausreicht, um im Falle eines positiven Dopingtests seltsame Blutwerte zu erklären?

Wellblechpalast: Spitzname und Zustandsbeschreibung für die Spielstätte der Borussia – eine aus Garagentorteilen zusammen geschraubte Billigarena.

Xerxes: Babylonischer Großkönig, der das Meer auspeitschen ließ, nachdem es seine frisch erbauten Brücken weggerissen hatte. Passt mit dieser historischen Kombination aus Anmaßung und Verzweiflung hoffentlich voll zu den Rautenkickern am späten Freitagabend. Und wenn nicht, ist es immer noch ein besseres Wort mit „X“ als Xylophon, Xantippe oder Xpress.

Yeti: Sagenumwobenes Haustier von Reinhold Messner und Frisurenvorbild von Günter Netzer. Laut DNA-Analysen mit – allerdings verunreinigten – Wattestäbchen direkter Verwandter von Jünter.

Zwuusch. Geräusch, das entsteht, wenn ein von Lukas Podolskis linkem Fuß getroffener Fußball im Tornetz einschlägt. Lässt sich weder von Dante wegdenken noch mit einer Flasche Baily übertönen. Gibt’s für Gladbach-Fans kostenlos als Ohrwurm zum Runterziehen. Zwuusch!

Am 22. März, 20 Uhr, sind Kaufmann und Keller zu Gast bei Ralf Friedrichs' „FC-Stammtisch“ im Gaffel am Dom. Es geht um die Nachbereitung des FC-Spiels gegen Borussia (19. März). Der Eintritt zum Duell ist frei.



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