Von KARIN BILLANITSCH, 19.03.10, 15:25h
Islamkonforme Geldanlage, das bedeutet das Verbot von Zinseinnahmen und Zinszahlungen ("Riba"). In bestimmte Branchen, wie zum Beispiel in die Alkohol- und Tabakbranche, in Glücksspiel und Wetten, Erotik und die Musikindustrie darf nicht investiert werden. Auch konventionelle Versicherungen und Banken und der Waffenhandel sind tabu. "Hätte sich die Finanzwelt an die islamischen Regeln gehalten, hätte es die Immobilienkrise in dieser Form nicht gegeben", sagt Michael Saleh Gassner, der für den Zentralrat der Muslime in Deutschland islamische Finanzprodukte zertifiziert. Weltweit sind einer ifibaf-Studie zufolge bereits rund eine Billion Euro in diesem Sektor angelegt - und der Markt wächst jedes Jahr zwischen 15 und 20 Prozent.
Die Vermögensverwaltungsgesellschaft Meridio AG, die ihren Hauptsitz in Köln hat, will von dieser Entwicklung profitieren und hat den ersten aktiv gemanagten internationalen islamkonformen Mischfonds auf den deutschen Markt gebracht, den "Meridio Global Islamic Multi Asset". Der Anlageschwerpunkt sind Aktien und islamische Anleihen, sogenannte Sukuks. Primär auf die Bedürfnisse von muslimischen Geldanlegern zugeschnitten, ist der Fonds nach Überzeugung von Meridio als ethisches Investment aber auch für Nichtmuslime interessant.
Wie die ifibaf ermittelt hat, leben in der Europäischen Union rund 14 Millionen Muslime, allein in Deutschland sind es 4,3 Millionen Menschen vor allem türkischer Herkunft. Ihr Jahreseinkommen liegt der Studie zufolge bei 16 bis 20 Milliarden Euro, insgesamt haben sie geschätzte 22 bis 38 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Aus diesen Zahlen leiten die Analysten ein Marktpotenzial für islamkonforme Geldanlage-Produkte von jährlich 1,2 Milliarden Euro ab.
Während es in Frankreich und England bereits eine breite Palette für Investments aus diesem Sektor gebe, "ging der Boom an Deutschland bislang vorbei", sagt Uwe Zimmer, Gründer und Geschäftsführer von Meridio. Zimmer ist zugleich Vorstandsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. 2007 legte Meridio den Fonds Meridio Arab World auf. An diesen Erfolg wolle man jetzt anknüpfen. In Deutschland gibt es gerade mal eine Handvoll Aktienfonds aus dem Sektor. So verkauft etwa die Allianz zwei schariakonforme Fonds, auch die UBS hat einen Islam-Fonds im Angebot.
Meridio-Chef Zimmer erläutert die Gründe, warum in der islamischen Ökonomie Geldzinsen untersagt sind: "Dem Geldzinsverbot liegt der Gedanke zugrunde, dass Geld für sich allein genommen keinen Mehrwert schafft. Es muss in die Realwirtschaft investiert werden." Dem Fonds liegt ein sogenanntes "Rule Book" zugrunde, das präzise die Anlagevorgaben und -grundsätze bestimmt. Über alle Anlagen und Erträge wacht eine nach Angaben von Meridio unabhängige Ethik-Kommission "führender islamischer Gelehrter" aus drei Ländern, wie es im Prospekt heißt. Bei der Auswahl der Wertpapiere können die Fondsmanager auf weltweit mehr als 12 000 Wertpapiere zugreifen, die den Anforderungen des "Rule Books" entsprechen.
Anleger zahlen maximal fünf Prozent Ausgabeaufschlag. Die Verwaltungsgebühr beträgt bis zu 1,5 Prozent pro Jahr. Erzielt das Investment mehr als fünf Prozent Wertzuwachs, erhält das Management zudem eine 15-prozentige Performancegebühr.
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