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Nach dem Derby

Systemkritik per Pfeifkonzert

Von Stephan Klemm, 20.03.10, 13:07h, aktualisiert 22.03.10, 10:01h

Der Manager des 1. FC Köln ist ungehalten über die Pfeifkonzerte der Fans, die sich besonders gegen Pierre Womé richteten. Michael Meier warf den Anhängern vor, dem Team zu schaden. Doch auch die Kritik an seiner Arbeit wird lauter.

Meier und Overath
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Ratloses Duo: FC-Manager Michael Meier (l.) und Präsident Overath. (Bild: Dahmen)
Meier und Overath
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Ratloses Duo: FC-Manager Michael Meier (l.) und Präsident Overath. (Bild: Dahmen)
KÖLN - Pfiffe hat es gegeben, vor allem gegen einen, Pierre Womé, den Linksverteidiger. Es stand 0:1, nichts lief, der 1. FC Köln war kurz davor, wieder zu verlieren, diesmal vor eigenem Publikum gegen Borussia Mönchengladbach. Auch der Trainer wurde weg gewünscht am Freitagabend: „Soldo raus“. Damit hatte Michael Meier allerdings überhaupt kein Einordnungsproblem: „Das ist der übliche Reflex“, findet der Kölner Manager. Der übliche Reflex in Zeiten der Ergebnis- und Tabellenplatz-Krise, in Zeiten der Abstiegsnot. Doch Meier fragt: „Warum Womé?“ Ein ordentliches Spiel des Abwehrspielers will Meier gesehen haben und schimpft über die Kritik an seinem Abwehrspieler: „Dafür habe ich kein Verständnis. Dass es einen Farbigen trifft, macht mich nachdenklich, aber ich will jetzt nicht von Rassismus anfangen.“ Das würde den Bogen auch viel zu weit spannen, und deshalb ist dieser Gedanke auch eher ein Ablenkungsversuch. Meier hat schließlich den Kameruner verpflichtet und mit einem üppig dotierten Vertrag versorgt. Wie auch Petit. Und Maniche. Kritik an diesen Spielern ist insofern auch Kritik an Meier.

Womé ist ein umstrittener Profi, dessen gelassene Auftritte und vielen Fehlpässe - exemplarisch gegen Mönchengladbach zu sehen - eine provokante Note haben. Bei Maniche ist es ähnlich, sein spätes Ausgleichstor zum 1:1-Endstand gegen Mönchengladbach schönt den Gesamteindruck nicht. Der Portugiese steht für langsames, ideenloses, flapsiges Spiel. Petit wiederum ist ein Sonderfall, kämpferisch stark in seiner ersten Saison, lange Zeit blass im zweiten Kölner Jahr, zuletzt allerdings einigermaßen stabil. Trotzdem ist auch Petit neben Maniche und Womé Teil einer Söldner-Debatte. „Ich hätte mir gewünscht, das Publikum reagiert sensibler auf die Söldner-Neid-Missgunst-Vorwürfe an die Mannschaft“, sagt Meier. Für ihn existiert keine Legionärs-Krankheit beim FC. Wäre es so, würde das gelten, was Meier am vergangenen Donnerstag bereits über sich und seine Transfer-Politik gesagt hat: „Wenn das wirklich alles Einzelkämpfer wären, dann müsste ich rauslaufen und sagen, dass ich meinen Job katastrophal gemacht hätte.“

Zu Spielern der Kategorie Womé, Petit und Maniche hat Präsident Wolfgang Overath nun allerdings eine ganz spezielle Meinung: „Was wir jetzt zwei Jahre gemacht haben, mit erfahrenen Spielern zu versuchen, die Klasse zu halten, das können wir ab dem nächsten Jahr in dieser Größenordnung nicht mehr machen.“ Das sei finanziell nicht mehr möglich, die Zukunft soll jungen Leuten gehören, zur Not solchen aus der Zweiten Liga. Das ist ein Hinweis an Meier, künftig ganz anders zu disponieren, sparsamer, innovativer. Overaths Offensive bedeutet: Junge Spieler sichten und für den Klub zu interessieren, sie so weit zu bekommen, dass sie von sich aus gerne kommen. In Köln jedoch gibt es kein lockendes Spielsystem, keine Taktik-Innovation, keinen Konzept-Fußball. Warum also sollte ein Talent nach Köln kommen?

Am Freitag hat Marco Reus für die Gladbacher Führung gesorgt. In dieser Saison gilt er als große Entdeckung, als richtige Ergänzung für den abgewanderten Marko Marin. Es ist gewiss genau diese Art Spieler, die Overath mit dem Blick in die Zweite Liga verbindet - Reus spielte in der vergangenen Saison bei Rot-Weiß Ahlen. Es heißt, der Spieler sei dem FC angeboten worden, allerdings habe der Klub abgewunken.

40 Punkte sind das Saisonziel - „und das ist auf die ganze Spielzeit angelegt, also immer noch erreichbar“, glaubt Meier. Sieben Spiele vor Saisonschluss sind noch 21 Zähler zu vergeben, würden die Kölner alle holen, hätten sie am Ende 49 - was zeigt, wie schwierig Meiers Vorgabe ist.

Am Ende gibt es womöglich eine ganz einfach Erklärung für die Pfeif-Kritik des Publikums im Spiel gegen Mönchengladbach. Das Kölner Spiel war schwach, und das ist vor eigenem Publikum seit dem Wiederaufstieg eine Konstante. In dieser Saison gab es zwei Heimspiel-Siege für den FC. In der vergangenen Spielzeit vier.



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