Von Kordula Doerfler, 20.03.10, 14:24h, aktualisiert 21.03.10, 17:09h
Zu den Skandalen in anderen Ländern aber schweigt der Papst weitgehend. Der Brief richtet sich „an die Katholiken Irlands“, an Geistliche und Bischöfe, an die Eltern - und vor allem an die Opfer. Doch nur an einer Stelle scheint auf, dass es sich nicht nur um ein irisches Problem handelt: Der Missbrauch von Minderjährigen sei „weder spezifisch für Irland noch für die Kirche“, schreibt der Papst und enttäuschte damit die Hoffnungen all jener in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, die erwartet hatten, dass er den Blick öffnet auf andere Länder.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, beeilte sich dennoch, die universale Bedeutung zu unterstreichen. „Was er sagt, hat Geltung für die ganze Kirche und ist eindeutig eine Botschaft auch an uns in Deutschland.“ Ähnlich äußerte sich der Sonderbeauftragte zur Aufdeckung von Missfällen, der Trierer Bischof Stephan Ackermann. „Ich empfinde diesen Brief als Verstärkung für unseren Weg.“
Benedikt, der sexuelle Übergriffe an Minderjährigen schon mehrmals als „abscheuliche Verbrechen“ gegeißelt hatte, macht auch darin aus seiner „Bestürzung“ und seiner Verurteilung solcher Taten keinen Hehl. Er spricht von „sündhaften und kriminellen Taten“, mit denen Geistliche das in sie gesetzte Vertrauen verraten hätten. „Ihr habt die Achtung des Volkes verspielt“ und „Schande und Unehre auf Eure Mitbrüder gebracht“. Dafür müssten sich die Täter verantworten, „vor dem allmächtigen Gott und weltlichen Gerichten“, und auch „persönlichen Schadensersatz“ leisten.
Nicht weniger hart geht der Papst mit den Bischöfen ins Gericht, die die Fälle teilweise jahrzehnteland vertuscht haben. „Es kann nicht geleugnet werden, dass einige von Euch und von Euren Vorgängern bei der Anwendung der seit langem bestehenden Vorschriften des Kirchenrechts zu sexuellem Missbrauch von Kindern versagt haben.“ Einzelne hätten „schwere Fehlurteil“ getroffen und damit ihre Glaubwürdigkeit untergraben. Den Opfern gegenüber versichert der Papst „die Schande und die Reue, die wir alle fühlen. Ihr habt viel gelitten, und ich bedaure das zutiefst“. Ihre Würde und ihr Vertrauen sei verletzt worden, und nichts könne das Erlittene ungeschehen machen. Dennoch zeigt sich Benedikt optimistisch, dass die irische Kirche die schwere Krise überwinden und geheilt werden könne, auch wenn das viel Zeit brauchen werde. Alle Geistlichen fordert er auf, mit den weltlichen Instanzen zusammenzuarbeiten und kündigt auch Besuche von päpstlichen Kommissionen in einzelnen Diözesen an.
Schon im Februar hatte er die irischen Bischöfe nach Rom zitiert und sie aufgefordert, die Regeln zu befolgen, die die Glaubenskongregation im Jahr 2002 für Missbrauchsfälle erlassen hatte. Ihnen zufolge sind zunächst die einzelnen Diözesen für die Aufklärung solcher Fälle zuständig, in schweren Fällen aber muss nach Rom berichtet werden. Allerdings stehen die obersten Glaubenswächter in Rom, an deren Spitze Kardinal Joseph Ratzinger ein Vierteljahrhundert stand, auch selbst unter Verdacht, wenig Interesse daran gehabt zu haben, dass die Übergriffe nach außen dringen. Ob diese Regeln ausreichend sind, dazu äußert sich der Papst in dem Brief ebenso wenig wie zum Zölibat. Allerdings räumt er ein, dass die Verfahren zur Priesterauswahl nicht ausreichend seien.
Den tieferen Grund für die Verfehlungen aber ortet der konservative Theologe Joseph Ratzinger in einer säkularisierten Gesellschaft und ihrem schnelllebigen sozialen Wandel, die zu einer Schwächung des Glaubens geführt hätten - auch bei den Priestern selbst. Manche, so meint er, hätten wohl die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils falsch verstanden.
Dokumentation: Der Papst-Brief im Wortlaut
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Papst
22.03.2010 | 09.05 Uhr | kischfwm
Wichtig für die Gemeinschaft des ganzen Volkes ist das, was der Papst sagt nur insoweit, wie er nicht den Eindruck bestärkt, die Kirche könne sich…
die Schein heilige Kirche
21.03.2010 | 21.43 Uhr | hellmer
Da ist meine Wut wieder.
Die Wut , die mich vor Jahren aus der Kirche getrieben hat. Im Kloster aufgewachsen, wollte ich selbst einmal Priester…
Armseliger Pabst
21.03.2010 | 19.44 Uhr | Bertes
Was in dem Hirtenbrief des Pabstes steht weiß ich nicht , möchte ich auch nicht wissen , weil das wirklich armselig ist sich in Form eines Briefes…
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