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Klitschko

Schlag gegen die Langeweile

Von Susanne Rohlfing, 21.03.10, 00:01h, aktualisiert 21.03.10, 20:51h

Erst fünf Sekunden vor Kampfende gelingt Weltmeister Wladimir Klitschko der entscheidende Schlag, der den amerikanischen Herausforderer fällt. Zu diesem Zeitpunkt lag der Ukrainer schon klar nach Punkten vorn.

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Wladimir Klitschko bringt wieder eine Führhand ins Ziel. (Bild: dpa)
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Wladimir Klitschko bringt wieder eine Führhand ins Ziel. (Bild: dpa)
DÜSSELDORF - Emanuel Steward kritisiert Wladimir Klitschko üblicherweise nicht. Er lobt ihn meistens sogar so sehr, dass sich Zweifel an der Wahrhaftigkeit seiner Worte aufdrängen. Diesmal aber baute der amerikanische Box-Trainer in all seine Begeisterung diesen einen Satz ein: „Der Kampf hätte schon vier Runden früher enden sollen.“ Wladimir Klitschko spricht gar von einem „Streit“, in den er mit seinem Trainer geraten sei.

Tatsächlich war am Samstagabend in der Düsseldorfer Fußballarena elf Runden und 2:55 Minuten lang nichts Spektakuläres zu sehen gewesen. Da standen sich ein großer, starker Mann sowie ein kleinerer, starker Mann gegenüber, und sie taten sich nichts. Der deutliche kleinere Herausforderer Eddie Chambers aus den USA, weil er offenbar nicht konnte, weil er den dominanten Führhänden Klitschkos nicht wie angekündigt auszuweichen vermochte und weil diese ihn in den ersten Runden allen Mutes beraubten. Und Klitschko, Schwergewichts-Weltmeister der Verbände IBF und WBO, Klitschko, weil er - ja warum eigentlich? Weil er nicht wollte, nicht konnte, nicht musste?

„Entspann dich, ich versuche es ja“, antwortete Klitschko in den Rundenpausen seinem grummelnden Trainer, der zunehmend giftig forderte, der Ukrainer möge dem langweiligen Geplänkel ein Ende bereiten. Erfolg mit seinen lange Zeit wenig beherzten Versuchen hatte Klitschko aber erst fünf Sekunden vor Schluss. Plötzlich saß ein linker Haken perfekt, plötzlich fiel Eddie Chambers hilflos in die Seile. Kurz schien es, als wären Sorgen um den bewusstlosen Herausforderer angebracht. Doch einige Zeit später stand er wieder.

Knapp 50 000 Menschen waren zur zweiten Klitschko-Show in einem Fußballstadion nach Düsseldorf gepilgert. Wer sich großen Sport gewünscht hatte, wurde enttäuscht, wer auf viel Pomp und Halleluja gehofft hatte, kam auf seine Kosten. Feuerwerk, goldenes Lametta und ein singender Marius Müller Westernhagen mussten den Pepp bringen, der dem Kampf fehlte.

Chambers hatte mit seiner Schnelligkeit punkten wollen. Gleich in der zweiten Runde brachte ihn jedoch eine trockene Links-Rechts-Kombination ins Wanken. Vielleicht schlug Chambers ein bisschen schneller als andere, wenn er denn mal schlug. Aber das war egal, denn die Schläge kamen nie an Klitschkos Kopf an und nur selten an seinem Körper.

Chambers Promoter Dan Goossen, der zum dritten Mal in drei Jahren versucht hatte, mit einem seiner Boxer einem Klitschko bei zu kommen, sagte: „Sie sind groß, sie sind stark, sie sind knallhart.“ Zu zu stark für Goossens Boxer Tony Thompson, Chris Arreola und jetzt auch Chambers. Alle drei zählten immerhin zum Besten im Schwergewicht, was die USA in den letzen Jahren zu bieten hatten.

Wladimir Klitschko selbst analysierte am Ende immerhin entwaffnend ehrlich: „Ich bin froh über das Ende, sonst hätte man den Kampf wohl als langweilig bezeichnen können.“ Er sei vielleicht ein wenig zu vorsichtig gewesen, gab der 33-Jährige zu. „Ich wollte alles perfekt machen und habe zu lange gewartet.“

Ein Ende der Klitschko-Dominanz ist nicht in Sicht. Am 29. Mai verteidigt Bruder Vitali seinen WBC-Gürtel im Schalker Stadion gegen den weitgehend unbekannten Polen Albert Sosnowski. Auf Wladimir Klitschko wartet als nächster Pflichtherausforderer der für den Berliner Sauerland-Stall kämpfende Russe Alexander Powetkin. Der größte Wunschgegner beider Klitschkos ist der Brite David Haye, Besitzer des vierten großen Schwergewichtsgürtels. Emanuel Steward glaubt nicht daran, dass dieser Kampf zustande kommt. Er prophezeit vielmehr, dass Powetkin und Haye gegeneinander antreten werden.



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