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Tarif-Konflikt

Krankenhausärzte streiken

Von Kirsten Boldt, 22.03.10, 10:33h, aktualisiert 22.03.10, 17:46h

Die 55.000 Ärzte der kommunalen Klinikenhaben mit ersten bundesweiten Warnstreiks auf ihre Forderungen nach mehr Lohn aufmerksam gemacht. Zum Auftakt der Tarifverhandlungen gab es eine zentrale Kundgebung in Köln.

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(Symbolbild: dpa)
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(Symbolbild: dpa)
KÖLN - „Mit uns kostet's Geld, ohne uns das Leben“, allein schon dieser Satz in roten Lettern auf weißem Betttuch zeigte die kampfbereite Stimmung an, in der sich viele Ärzte in Deutschland mittlerweile befinden. Nach drei erfolglosen Tarifgesprächsrunden in den vergangenen Wochen hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) rund 55 000 kommunal angestellte Ärzte zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen. Aus bundesweit rund 80 Kliniken waren Abordnungen nach Köln gereist. In weißen Kitteln, mit orange-blauen Kappen und Trillerpfeifen machten laut Marburger Bund 1200 Mediziner auf dem Roncalliplatz ihrem Unmut über ihre Arbeitsplatzlage Luft. Mittags zogen sie in einem Demonstrationszug durch die Stadt bis zum Hilton-Hotel, wo sich am Abend die Tarifpartner zu einer neuen Gesprächsrunde trafen.

Die Ärztegewerkschaft fordert eine Gehaltssteigerung von durchschnittlich fünf Prozent sowie eine Erhöhung der Entgelte für Bereitschaftsdienste in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) spricht derzeit noch von einer Neun-Prozent-Forderung der Gewerkschaft. Di Forderung weist sie als unerfüllbar zurück und forderte vom Marburger Bund einen „ernsthaften Kompromisswillen“. Sie hat vorgeschlagen, die Ärzte-Gehälter genau wie die der übrigen Krankenhaus-Beschäftigten um 2,3 Prozent zu erhöhen. Die deutschen Ärzte verdienten ohnehin schon Spitzengehälter im europäischen Vergleich, sagte VKA-Verhandlungsführer Joachim Finkenburg.

Gehaltserhöhungen seien unumgänglich, sagte der Chef des Marburger Bundes, Rudolf Henke: „Wir haben derzeit in Deutschland 5000 unbesetzte Stellen, ein unhaltbarer Zustand.“ Oft gingen gute Ärzte ins Ausland, weil die Bezahlung da besser sei. Es gebe aber in Deutschland auch 4000 bis 5000 so genannte Leih- oder Wander-Ärzte, die einspringen und besser bezahlt würden. Henke plädierte für Festanstellungen: „Da sind Arzt und Patient über einen längeren Zeitraum in Kontakt.“ Die Bezahlung im kommunalen Bereich sei auch so unattraktiv, dass „die Gesundheitsämter leer laufen.“ Eine Erfahrung, die auch das Kölner Gesundheitsamt macht, wie Dr. Anne Bunte, Leiterin des Gesundheitsamtes, weiß. Dort können seit Monaten drei Arztstellen nicht besetzt werden.

Auch die Wochenendtarife müssten erhöht werden, sagte Henke: „Wer nachts arbeitet, soll das auch auf dem Gehaltszettel sehen können.“ Der Kollege einer Kölner Klinik fand auch die Art der Abrechnung nicht hinnehmbar: „Wenn ich mehr als zehn Stunden arbeite, dann werden mir nur zehn Stunden angerechnet und davon noch 45 Minuten als Pause abgezogen - obwohl ich vor lauter Arbeit gar keine Pause machen konnte. So etwas darf gar nicht sein.“ Die Anzahl unbezahlter Überstunden wachse damit ständig.

Kein Patient in den bestreikten Kliniken habe unter der Abwesenheit von Ärzten leiden müssen, betonte Henke: Überall seien Notdienste eingerichtet worden. Vielleicht habe der eine oder andere operative Eingriff verschoben werden müssen. „Da tut der Warnstreik nur kurz weh“, rief der Kölner Arzt Michael Krakau, Mitglied der Ärztekammer Nordrhein, den Demonstranten von der Gewerkschaftsbühne zu und warnte in Richtung Arbeitgeber: „Aber wenn wir nicht bald ein sinnvolles Angebot bekommen, dann wird es auch mal wirklich wehtun, und zwar ohne Narkose.“



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