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Roman

Als der Werwolf wütete

Von Dennis Vlaminck, 06.04.10, 13:08h

„Tauben konnte sie mit zwei Fingern den Hals umdrehen, für Hühner brauchte sie das Beil.“ Schon die ersten Zeilen des historischen Romans deuten an, dass er nichts für zartbesaitete Leser ist.

Flugblatt
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Alte Flugblätter - die Zeitungen von damals - berichten über den Fall des vermeintlichen Werwolfs Peter Stubbe. (Repro: Vlaminck)
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Alte Flugblätter - die Zeitungen von damals - berichten über den Fall des vermeintlichen Werwolfs Peter Stubbe. (Repro: Vlaminck)
Ruben Philipp Wickenhäuser
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Ruben Philipp Wickenhäuser. (Bild: Vlaminck)
Ruben Philipp Wickenhäuser
Bedburg - „Die Seele des Wolfes“ heißt das Buch, das erstmals den bekanntesten Werwolf-Prozess der Kriminalgeschichte in Romanform behandelt: Der Fall um den Epprather Peter Stubbe hielt das Bedburger Land im ausgehenden 16. Jahrhundert in Atem.

Bauer Stubbe, der sich mit Hilfe eines Gürtels in einen Werwolf habe verwandeln können, wurden Morde, Vergewaltigungen, Kannibalismus, Inzest und Zauberei vorgeworfen. Flugblätter - die Zeitungen von damals - beschreiben den Fall, die Verhaftung, das Verhör und schließlich die Hinrichtung Stubbes am Reformationstag 1589 auf dem Bedburger Richtplatz, die von vielen Menschen verfolgt wurde. Die Schriften wurden in ganz Deutschland gedruckt, selbst in England und Dänemark erschienen Fassungen.

Der Berliner Autor Ruben Wickenhäuser hat den Stoff nun aufbereitet. Er taucht tief ein in die Historie des Erftlands und schildert die Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten im 16. Jahrhundert. Landsknechte verwüsten das Land, es ist eine Zeit, in der eine Reihe von Morden zunächst keine große Beachtung findet - bis das Gerücht von einem Werwolf die Runde macht. In Verdacht und damit mitten in die Glaubenskämpfe gerät der Bauer und Protestant Peter Stubbe, der auf Schloss Bedburg verhört wurde.

Für seine Recherchen war Wickenhäuser auch an den Orten der Handlung unterwegs. „Beim Besuch in Bedburg war neben dem Schloss auch der Werwolfwanderweg eine schöne Überraschung“, sagt der Berliner.

Auf den Bedburger Fall stieß der 36-Jährige bei der Suche nach einem historischen Kriminalfall für sein Buch. Gemeinsam mit dem Kriminologen Frank J. Robertz, einem Experten für Serienmorde, habe er alte Mordfälle gesichtet. „Peter Stubbe fiel uns ins Auge, weil es ein quasi massenmedial und international über Flugschriften verbreiteter Fall gewesen ist“, berichtet Wickenhäuser. Zudem passe die Metapher des Werwolfs einfach ausgezeichnet auf einen Serienmörder: „Unauffällig, ja beliebt im Alltag, verwandelt er sich dann und wann gewissermaßen in eine Bestie - teilweise, ohne es selbst vorherzusehen. Und danach ist er wieder der nette Nachbar.“ Der Autor liefert eine eigene Interpretation des Kriminalfalles, baut das moderne Psychogramm eines Serienmörders ein und füllt reichlich lokalhistorischen Hintergrund ein, etwa die Belagerung der Burg Kerpen. Das Buch, das auch Abbildungen enthält, ist spannend und in einem gefälligen Stil geschrieben und wechselt die Perspektiven: Mal wählt der Autor einen gewöhnlichen Erzählduktus, dann beschreibt er das Geschehen durch die Augen des Mörders. „Ein stilistisches Experiment, das mich gereizt hat“, sagt Wickenhäuser.

„Die Seele des Wolfes - Der zweifelhafte Ruhm des Peter Stubbe“ von Ruben Philipp Wickenhäuser, 412 Seiten, Gmeiner-Verlag, 12,90 Euro, ISBN 978-3-8392-1038-3.



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