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Doris Dörrie im ZDF

„Alt werden muss scheiße sein“

Von Emmanuel van Stein, 06.04.10, 18:22h, aktualisiert 06.04.10, 18:35h

Frauen in den Wechseljahren: Ganz klar ein Fall fürs ZDF. Doch in diesem Fall ist ein Coup gelungen. Regisseurin Doris Dörrie lässt vier Lehrerinnen über die Folgen des Klimakteriums erzählen. Und das ist wirklich urkomisch.

Andrea Sawatzki Dörrie
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Ebenfalls in den Wechseljahren: Andrea Sawatzki alias Desiree Dische. (Bild: ZDF)
Andrea Sawatzki Dörrie
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Ebenfalls in den Wechseljahren: Andrea Sawatzki alias Desiree Dische. (Bild: ZDF)
Sex im Alter? Frauen in den Wechseljahren? Ein Fall fürs ZDF? Der Lieblingssender der „Kukident-Generation“, wie der frühere RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma spottete, begeht jetzt mit einer komödiantischen Miniserie einen Tabubruch.

In „Klimawechsel“ erzählen Autorin und „Männer“-Regisseurin Doris Dörrie und ihre Regieassistentin Ruth Stadler zum Teil urkomisch, manchmal prollig derb von vier Lehrerinnen, die auf unterschiedliche Weise mit den Folgen des Klimakteriums kämpfen: So gibt die 45-jährige Biologielehrerin Cornelia (bezaubernd: Juliane Köhler) lustvoll den Verführungskünsten ihres Schülers nach. Und Frauenärztin Evelyn Bach (fabelhaft: Maren Kroymann) lässt sich in ihrer Praxis vom jüngeren Freund der 44-jährigen Kunsterzieherin Desirée (sehr authentisch: Andrea Sawatzki) beglücken. Auch wenn diese Männerfantasie auf dem Niveau einer Oliver Pocher-Zote daherkommt, verteidigt Andrea Sawatzki die drastische Szene: „Da wird eventuell der ein oder andere Mann entlarvt“. Maren Kroymanns eigenwillige Praxisübungen werden wohl ebenso kontrovers diskutiert werden wie die gesamte Produktion. Etwa wenn Milchbart Florian die zunächst eher verhuschte Cornelia unter dem Tisch eines Cafés zu wollüstigem Stöhnen treibt. Hier geht es verbal und mit massivem Körpereinsatz zur Sache. Schließlich will keine der Pädagoginnen erleben, was eine Schülerin diagnostiziert: „Alt werden muss so scheiße sein.“

Lange gehegter Traum

Für Andrea Sawatzki ging mit dem Dreh ein „lang gehegter Traum“ in Erfüllung. Sie habe sich unglaublich gefreut, mit Doris Dörrie drehen zu können. Auch persönlich habe ihr der Dreh viel gebracht, nicht zuletzt die Gespräche über Beziehungen zu Müttern und Kindern, über das Älterwerden.

Mit der Serie hofft Sawatzki „Frauen erreichen zu können, die sich mit dem Älterwerden schwer tun“. Ulrike Kriener, die Doris Dörrie seit dem Film „Männer“ kennt und mit ihr eine Weile in einer WG lebte, fand es „großartig“, wieder mit Dörrie zu arbeiten. Was sie an dieser Serie so begeistert? Es ist „die Lust an der Provokation“, die „Grenzen des so genannten guten Geschmacks überschreiten zu können“, aber auch der „witzig-aggressive Blick auf Frauen.“ Jede Figur habe Dörrie, die in den ersten beiden Episoden Regie führt, „fantastisch und klug geschrieben“.

Das gilt auch für die Rolle der Kunstlehrerin Desirée, die sich um ihr Baby und um Freund Ronnie kümmern muss. „Beim Lesen des Drehbuchs dachte ich, das kenne ich gut“, erinnert sich Sawatzki, „diese totale Identifikation mit der Kunst“. Desirée nennt sie eine „tragische Figur“, die in einer tiefen Krise steckt. Sie habe eine solche Phase selbst einmal erlebt, sagt Sawatzki: in der Zeit, bevor sie ihren Mann Christian Berkel kennen lernte, „als ich zu funktionieren versuchte.“ Im Vergleich zu Desirée sei die temperamentvolle Beate eine „kraftvolle Figur“, urteilt Ulrike Kriener: „Die hat kein Problem mit Scham“. Diese Haltung zu spielen, habe sie „etwas Überwindung“ gekostet.

Mit Doris Dörrie an ihrer Seite war das aber kein Problem. Die Regisseurin habe längst ihren eigenen Weg eingeschlagen, lobt Kriener. Und Sawatzki ergänzt: „Sie weiß, was sie will.“

„Klimawechsel“, Doppelfolge am 7. April, 20.15 Uhr im ZDF. Folge 3 am 8. April um 21 Uhr.



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